Aachen: Aixpertentheater feiert mit „Fräulein Julie“ Premiere

Aachen: Aixpertentheater feiert mit „Fräulein Julie“ Premiere

Eine große Herrschaftsküche, ein Tisch mit einigen Stühlen, eine Kochstelle, ein Schrank: Das ist das Szenarium von Strindbergs Drama „Fräulein Julie.“ Zu Beginn ist noch alles mit weißen Tüchern verdeckt, doch die werden nach und nach entfernt und beschreibende Worte helfen dem Zuschauer dabei, sich einzufinden.

Und dann beginnt ein wortgewaltiges Stück, beim dem sich das adelige Fräulein Julie und ihr Diener Jean nichts schenken.

„Wir haben uns bei den Dialogen vor allem auf den Geschlechter- und den Klassenkampf konzentriert“, meint Regisseur Raphael Fachner. Mit der Leistung seiner Schauspieler bei dieser Premiere im Suermondt-Ludwig-Museum ist er mehr als zufrieden. „Das war eine super Leistung“, meint er. Schließlich sei die Aufführung von Strindbergs Stück auch ein Wagnis gewesen. Denn noch kenne er die Schauspieler des Aixpertentheaters ja nicht so gut.

Die Heldin in August Strindbergs „Fräulein Julie“ ist eine junge Adelige, die sich in der Mittsommernacht unter das Gesinde mischt und dem attraktiven Diener Jean ungeachtet der Standesunterschiede Avancen macht. Julie provoziert, tanzt wie eine Wilde und gibt sich dem Diener schließlich hin. „Sag, dass du mich liebst, umarme mich“, fordert Julie nach der Ekstase. Doch nüchtern betrachtet kann es keine Zukunft geben für die Grafentochter und den Diener.

Der träumt vom gesellschaftlichen Aufstieg, von einem Hotel in der Schweiz und von einem finanzstarken Partner, der all das möglich macht. Auch Julie träumt eine Weile von der Flucht, will Grenzen sprengen und sich neu erfinden.

Doch letztendlich bleibt sie doch die Grafentochter, die sich überlegen fühlt. „Manchmal ist das gnädige Fräulein doch zu hochnäsig“, meint der weltgewandte Jean dann auch an einer Stelle. Er sieht in ihr nicht mehr als eine Sprosse zu seinem Erfolg, auch wenn sie ihn mit ihrer Wildheit und ihrer Ungezähmtheit durchaus bezirzt hat. Das lässt ihn immerhin vergessen, dass er doch eigentlich mit der Köchin Christine liiert ist.

‚„Fräulein Julie“ ist ein Fanal der Moderne, der alles mit sich reißt, was Sicherheit versprach: die Ordnung der Geschlechter, des sozialen Rangs — und das Theater selbst‘, heißt es in der Beschreibung zu dem Stück. Und offensichtlich kam das bei den Schweden damals nicht gut an: Erst 17 Jahre nach der Uraufführung wurde das „naturalistische Trauerspiel“ 1906 am Folktheater in Stockholm gespielt.

Die Inszenierung ist für die Schauspieler sicher eine große Herausforderung. Jean und Julie bestreiten das Stück im Grunde allein: Sie umgarnen sich, sie beleidigen sich und sie begehren sich. Und verstricken sich unausweichlich immer weiter in ihre missliche Lage, aus der es keinen Ausweg gibt.

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