Aachen: Ahnenreihe bis zum großen Karl

Aachen: Ahnenreihe bis zum großen Karl

„Wir wollen uns öffnen und neue Mitglieder gewinnen”, sagt Michael Brammertz, passionierter Ahnenforscher und Leiter der Aachener Bezirksgruppe der Westdeutschen Gesellschaft für Familienkunde. Die etwa 200 Mitglieder der Aachener Ortsgruppe treffen sich regelmäßig, um Erfahrungen auszutauschen.

Am Montag, 26. April, steht ein Vortrag über die Online-Datenbank „familiysearch” auf dem Programm. Beginn ist um 19 Uhr im BGE, Tempelhofer Straße 15-17 Uhr. Interessenten sind willkommen.

Wer sich einmal für Ahnenforschung, Familienforschung und Genealogie zu interessieren beginnt, der begibt sich in ein Abenteuer. Diesen Eindruck vermitteln zumindest Michael Brammertz und Reiner Sauer, der für die Korrespondenz im Verein verantwortlich ist. Die beiden haben sich der Spurensuche in der Vergangenheit mit Leib und Seele verschrieben.

Geschichtliches Interesse und eine ausgeprägte Sammelleidenschaft bringen sie dazu, möglichst viele Daten zu ihren Vorfahren zusammenzutragen und die Ahnenreihe so weit zurückzuverfolgen, wie es eben geht. Der eine oder andere des Vereins habe es bis zu Karl dem Großen geschafft, sagt Brammertz. Dann aber werde es schwierig. Chancen habe dann eigentlich nur der, dessen Familie adeligen Ursprungs sei. Denn die Adeligen hätten sich seit jeher der Ahnenforschung verschrieben.

Ein Forscherleben reicht nicht

„Familienforschung beginnt mit dem Sammeln von Daten, Bildern und Dokumenten im Familienkreis”, sagt Michael Brammertz. Der Ahnenforscher stöbert in Nachlässen von Großeltern oder anderen Verwandten, erkundigt sich nach alten Dokumenten und beginnt so, das Grundgerüst einer Arbeit aufzubauen, die ihn möglicherweise über Jahre in seinen Bann ziehen wird.

„Ein ganzes Forscherleben reicht nicht aus, um alles herauszusuchen, auszuwerten und aufzuschreiben”, sagt Brammertz. Ahnenforscher suchen zunächst in Standesämtern, Stadtarchiven und schließlich auch im Personenstaatsarchiv in Brühl. Seit 1800 werden in Aachen dank Napoleon und dem „Code Civil” im Standesamt Personenregister geführt. Was noch weiter zurück liegt, lässt sich nur noch aus alten Kirchenbüchern erschließen.

„Und hier wird es richtig spannend”, sagt Brammertz. Die meiste Zeit verbringe der Familienforscher mit dem Lesen der Einträge in diesen alten Büchern. Denn die sind so ohne weiteres gar nicht zu entschlüsseln: Altdeutsche Schrift und Kirchenlatein, oftmals kaum leserliche Handschriften und lückenhafte Einträge stellen den Ahnenforscher vor Probleme.

„Anfänger kommen hier allein meist gar nicht weiter”, meint Brammertz. Die „alten Hasen” im Aachener Ortsverein seien aber gerne bereit, mit ihrem Wissen auszuhelfen. Bei ihren regelmäßigen Treffen tauschen die Mitglieder Erfahrungen aus, geben sich Tipps und erzählen von ihren Forschungsergebnissen. Und sie machen sich auch schon mal Gedanken darüber, wie die Ahnenforschung der Zukunft aussehen wird. Denn die Änderungen im Namensrecht und die modernen Patchworkfamilien werden die künftigen Generationen der Ahnenforscher vor ganz neue Herausforderungen stellen, vermutet Reiner Sauer.

Gleichzeitig werde die Genforschung zunehmend an Bedeutung gewinnen. „Das Stammbuch der Zukunft wird auf Genmaterial basieren”, ist Sauer überzeugt. Er und seine Kollegen werden sich aber vorerst weiterhin vor allem mit Papier und Tinte beschäftigen.

Immerhin seien Ihnen die modernen Datenbanken im Internet inzwischen eine große Hilfe. Welche Möglichkeiten beispielsweise die Datenbank „familiysearch” bietet, werden die Ahnenforscher am Montag bei ihrem Vortrag erfahren.