Wer links steht, zahlt 25 Euro mehr: Ärger um Park and Ride an der Jülicher Straße

Wer links steht, zahlt 25 Euro mehr : Ärger um Park and Ride an der Jülicher Straße

„Entspannt in die City“: Mit diesem Slogan wirbt die Stadt für ihre Park-and-Ride-Parkplätze. Jetzt sorgen aber Strafzettel für wenig Entspannung. Pendler hatten ihr Auto auf privatem Gelände abgestellt, das direkt an städtisches Areal angrenzt – und fühlen sich schlecht informiert.

„Ich parke auf dem Park-and-Ride-Parkplatz an der Jülicher Straße und bis heute lief alles prima“, schreibt Leserin Simone Maassen. Das System von „Park and Ride“ ist einfach: Man zahlt 5 Euro und fährt mit dem Bus in die Stadt und wieder zurück. Vor wenigen Tagen ist Simone Maassen dann etwas früher als sonst unterwegs gewesen und habe sich auf einen Platz gleich am Anfang des Parkplatzes gefreut.

„Dann bin ich wie immer mit dem Bus in die Stadt zur Arbeit gefahren.“ Bei der Rückkehr: böses Erwachen. „Als ich zurückkam, hatte ich einen Strafzettel über 30 Euro an meiner Scheibe.“ Daraufhin sei ihr das Schild von „Park & Control“ aufgefallen.

Auch wenn die im gleichen Blauton gehaltenen und ähnlich gestalteten Schilder irritieren mögen: „Park & Control“ ist ein privates Unternehmen mit Sitz in Stuttgart, das damit Geld verdient, private Parkplätze zu überwachen und Falschparker gegebenenfalls einen Strafzettel auszustellen.

Strafzettel auf dem kostenlosen Park and Ride-Parkplatz der Stadt? Nicht ganz, aber direkt daneben. Denn nur die rechte Seite des Parkplatzes – von der Jülicher Straße aus gesehen – ist städtisches Gelände. Das Areal linker Hand ist privat, und das war auch noch nie anders.

Wie kommt es dann, dass viele Pendler erst jetzt mit einem Strafzettel auf ihr falsch geparktes Auto hingewiesen werden? „Dass seine Fläche auch von den Pendlern genutzt wurde, hatte der Besitzer bis vor Kurzem geduldet“, erklärt Rita Klösges vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Nun gibt es aber offenbar erhöhten Eigenbedarf für diese Flächen, und der Besitzer beauftragte „Park Control“ mit der Überwachung.

„Ich habe großes Verständnis dafür, dass niemand möchte, dass fremde Leute kostenlos auf seinem Gelände parken“, sagt eine weitere Leserin, die an gleicher Stelle ebenfalls ein privates Knöllchen kassiert hatte. „Doch auf den ersten Blick ist das wirklich nicht einfach zu erkennen“, kritisiert sie, „die Stadt müsste hier deutlicher beschildern, wo man parken darf, und wo nicht.“

Das Problem ist in der Verwaltung mittlerweile bekannt, man will nachbessern. Einerseits werde überlegt, die Parkzeit für „Park and Ride“ zu begrenzen, um zu verhindern, dass Dauerparker hier ihre Autos für mehrere Tage abstellen. Eine andere Möglichkeit wäre, weitere Flächen als Parkplätze anzumieten. Denn: „Park and Ride“ erfreut sich in Aachen steigender Beliebtheit. 19.210 Tickets wurden 2018 verkauft, Im Jahr 2016 waren es 16.053. Zwei Jahre davor gerade mal 5560.

Dass „Park-and-Ride“-Kunden irrtümlich auf den privaten Plätzen an der Jülicher Straße parken und eine teure Strafe zahlen müssen, sei sehr bedauerlich, heißt es aus dem Presseamt. Doch daran könne man nichts ändern.

Der vergleichsweise hohe Preis komme übrigens daher, dass man unter anderem hohe Personalkosten habe, erklärt ein Sprecher von Park Control, der aber keine Informationen darüber herausgeben möchte, wie viele Mitarbeiter die Firma in Aachen beschäftigt. Er erklärt jedoch noch, dass „anders als im öffentlichen Raum selbstverständlich auch keinerlei öffentliche Querfinanzierung“ stattfinde.

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