Für Radfahrenthusiasten: ADFC und VCD laden zu Info-Veranstaltung

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Ein wenig war es wie Eulen nach Athen zu tragen: Beim Themenabend „Attraktive Fahrradstraßen für Aachen“ des ADFC und des VCD in der Katholischen Hochschulgemeinde bestand das diskussionsfreudige Publikum fast ausschließlich aus Radfahrenthusiasten.

Dementsprechend erntete Thiemo Graf vom Institut für innovative Städte aus Röthenbach an der Pegnitz tosenden Applaus für Karikaturen mit Autofahrern, die einen langen Arm an Anforderungsampeln machen und sich mit ihrem Vehikel durch Durchfahrtssperren quetschen. Nicht gekommen war die Politik, die sich gerade mit der Einrichtung des Radvorrangrouten-Netzes beschäftigt. Auch nicht da waren diejenigen, die gern mehr Rad fahren würden, das aber aus verschiedenen Gründen nicht tun.

Dabei sind es Letztere, die die Radförderung in den Blick nehmen muss, meinte Referent Graf. „Die Mehrheit der Menschen fährt nicht Fahrrad aus gesundheitlichen oder ökologischen Gründen. Viele Menschen verzichten aufs Auto, wenn Fahrradfahren sicher, bequem und schnell ist. Wer hingegen Angst hat, fährt nicht Fahrrad.“

Das subjektive Sicherheitsempfinden von Radfahrern hänge allerdings nicht von tatsächlichen Sicherheitsrisiken ab. „Nur 20 Prozent unseres Verhaltens ist rational, aber genau dort setzt die deutsche Radverkehrsplanung an“, mahnte Thieme ein Umdenken in den Verwaltungen und Ratssälen an. „Radwege müssen auffallend, einladend, intuitiv und einheitlich in der Gestaltung sein. Das ist übrigens auch gut für Autofahrer. Denn dann ist bekannt, wo mit einem Radfahrer zu rechnen ist.“

Da der Bau von neuen Radwegen in den eng bebauten Straßen häufig schwierig sei, seien Fahrradstraßen eine gute Alternative, um den Radverkehr in den Städten zu fördern. Dafür hätten sich einige Standards als notwendig erwiesen: Eine Regelbreite von 4,50 Metern, ein Sicherheitsabstand zu parkenden Autos von 50 Zentimetern bis zu drei Metern, möglichst ein durchgehender roter Straßenbelag, die Verbannung des Durchgangsverkehrs durch Poller oder Einbahnstraßenregelungen und eine intuitive Führung.

Eine einheitliche Gestaltung strebt auch die Stadtverwaltung bei der Einrichtung von neuen Fahrradstraßen, die bei der Ausgestaltung des Radvorrangnetzes vorgesehen sind, an. Anders als bei den beiden bestehenden Fahr-radstraßen — Annastraße und Karl-Kuck-Straße — sollen neue Fahrradstraßen als solche gut für alle Verkehrsteilnehmer erkennbar sein.

In der Verwaltungsvorlage für den Mobilitätsausschuss am 13. September ist, anders als Thieme es vorschlägt, allerdings von einer notwenigen Breite von 3,50 Metern die Rede. Roter Straßenbelag soll lediglich an Kreuzungseinmündungen auf den Vorrang der Fahrradstraße hinweisen.

Das geht dem ADFC und dem VCD nicht weit genug: „Solange die Straße nicht saniert wird, kann man sicher noch auf einen roten Belag verzichten. Sobald eine Sanierung ansteht, muss aber auch ein durchgehender roter Belag in die Planung einbezogen werden“, forderte Steffen van Bergerem vom ADFC Aachen. „Er verhindert zum Beispiel, dass Radfahrer zu weit rechts fahren und sich so zu nah an den parkenden Verkehr begeben. Und er macht allen klar, dass es sich um eine Fahrradstraße handelt.“

Auch die von der Verwaltung angestrebte Mindestbreite von 3,50 Metern sei zu schmal. „Um zu zweit nebeneinander herzufahren — das ist in Fahrradstraßen ausdrücklich erlaubt — ist das zu wenig. Auto- oder Lastwagen-Gegenverkehr ist dann ebenfalls schwierig.“ Thieme riet ebenso: „4,50 Meter ist optimal. Wenn es tatsächlich nicht geht, kann man begründet immer noch davon abweichen.“ Der Stadtentwickler mahnte: „Es gibt viele Fahrradstraßen in Deutschland, die nicht funktionieren. Der Grund ist immer die Gestaltung.“

www.aufbruch-fahrrad.de

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