Verkehrspolitik in Aachen: ADFC fordert zehn Sofortmaßnahmen zur Luftreinhaltung

Verkehrspolitik in Aachen : ADFC fordert zehn Sofortmaßnahmen zur Luftreinhaltung

Tempo 30 innerhalb des Alleenrings: Aus Sicht des ADFC war der Ratsbeschluss von Mittwoch überfällig – und alles andere als ausreichend. Jetzt legt der Aachener Ortsverband einen umfassenden Zehn-Punkte-Katalog vor, in dem teils drastische Maßnahmen zur Luftreinhaltung in Aachen gefordert werden.

Der politische Fahrplan lässt wenig Zeit zum Durchatmen, während und weil die Belastung der Luft in der City weiter für heftige Kopfschmerzen sorgt. Die nächste Ratssitzung ist bereits für Mittwoch, 9. Oktober, angesetzt. Die Tagesordnung liegt zwar noch nicht vor, für die Vertreter der Umweltverbände steht freilich außer Frage, dass an schnellen Beschlüssen zur Verbesserung des viel zitierten Luftreinhalteplans kein Weg vorbeiführt. Und während die Fraktionen in gut zweieinhalb Wochen im Rathaus zusammenkommen, laden die örtlichen Vertreter des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) bereits zum nächsten „Ringradeln“ über die Gräben (ab 19 Uhr), um ihre Forderungen zu unterstreichen.

Marvin Krings und seine Mitstreiter setzen allerdings nicht allein auf mehr oder weniger spektakuläre Demos, um den politischen Druck im (Tal-)Kessel zu erhöhen: Der ADFC legt nun erneut ein umfängliches Maßnahmenpaket vor – und drängt auf entsprechend flotte Umsetzung.

„Wir halten es durchaus für realistisch, dass diese Forderungen schon kommenden Monat von der Politik umgesetzt werden“, betont der Aachener ADFC-Vorsitzende. An möglichen Stellschrauben mangelt es im Katalog der Vorschläge nicht. Denn mit Tempo 30 innerhalb des Alleenrings sei es natürlich keineswegs getan.

Zumal die Bürger dem jüngsten Ratsbeschluss offenbar mehrheitlich skeptisch bis ablehnend gegenüberstehen, wie zumindest eine nicht-repräsentative Umfrage unserer Online-Redaktion bislang ergeben hat.

Zehn konkrete Punkte rückt der ADFC daher jetzt in den Fokus:

  1. Schleifenerschließung innerhalb des Alleenrings: Gefordert wird eine vollständige Umsetzung bereits zum 1. November. Bis 1. Juni 2020 soll der innere Grabenring demzufolge nicht mehr durchgehend befahrbar sein.
  2. Tempo 30 auf allen Straßen im Stadtgebiet: ausgenommen sein sollen nur Bundes-, Landes- und Kreisstraßen; vollständige Umsetzung bis 1. Januar 2020.
  3. Rückbau unnötiger Ampeln: Innerhalb des Alleenrings sollen deutlich mehr Zebrastreifen eingerichtet werden, um den Verkehrsfluss auch und gerade für Radfahrer zu verbessern. An der Peterstraße etwa behinderten zu viele Lichtzeichenanlagen ein kontinuierliches Durchkommen, argumentiert Krings; Umsetzung in der Zeit zwischen 1. Dezember und 1. März 2020.
  4. Abschaffung des vierspurigen Verkehrs innerhalb des Alleenrings: Einrichtung einer eigenen Spur für Busse und Fahrräder auf der Theaterstraße; Umsetzung bis 1. Januar.
  5. Einbau von Durchfahrtsperren auf geplanten Radvorrangrouten: In den Kreuzungsbereichen viel befahrener Achsen, etwa in der Bismarckstraße, soll das Kfz-Aufkommen damit reduziert werden; Umsetzung bis 1. Januar 2020.
  6. Jährliche Anhebung der Parkgebühren mindestens entsprechend der Teuerungsrate für ÖPNV-Tickets: Denkbar sei auch ein weiterer Tarifzuschlag von fünf Prozent, um noch mehr Anreize zum Umstieg auf Busse zu schaffen; Umsetzung kontinuierlich ab 1. Januar 2020.
  7. Mehr Fahrradbügel an viel frequentierten Straßen, Parkhäusern und Bahnhöfen: Der ADFC fordert mindestens fünf Bügel innerhalb von 300 Metern auf derzeitigen Kfz-Stellplätzen, fünf überdachte Bügel pro 100 Kfz-Stellplätze in Parkhäusern, 50 überdachte Bügel sowie 25 abschließbare Fahrradboxen an Bahnhöfen, jeweils mindestens doppelt so viele in Ergänzung zur geplanten Radstation am Hauptbahnhof. Und: Bei Großveranstaltungen soll für 150 Besucher mindestens ein mobiler Fahrradstellplatz zur Verfügung stehen; Umsetzung ab 1. November bis 31. Dezember 2020.
  8. Schließung des Parkhauses Büchel zum 1. November: Vorgeschlagen werden zwei Varianten, solange die Pläne fürs Altstadtquartier nicht realisiert werden: sofortiger Abriss und Einrichtung eines „temporären Stadtparks“ oder exklusive Nutzung für Anwohnerparken sowie als bewachtes Fahrradparkhaus.
  9. Einrichtung weiterer Fußgängerzonen: Machbar sei dies in der Ursuliner- und der Buchkremerstraße sowie am Büchel. Eine Zufahrt Richtung Kleinköln- und Mefferdatisstraße lasse sich über einen Zwei-Richtungs-Verkehr durch die Minoritenstraße gewährleisten. Vom Blech befreit werden sollten zudem die Hartmannstraße zwischen Münsterplatz und Elisabethstraße sowie die Pontstraße zwischen Neupforte und Templergraben; Umsetzung ab 1. Dezember bis 1. März 2020.
  10. Jährliche Reduzierung der Kfz-Parkplätze innerhalb des Alleenrings um drei Prozent: Nutzung der frei werdenden Flächen für breitere Gehwege, Gastronomie, mehr Grün; Umsetzung kontinuierlich ab 1. Januar.
Weniger Ampeln zur Verbesserung der umweltfreundlichen Mobilität, zum Beispiel auf der Peterstraße: Eine Alternative sieht der ADFC dort in der Einrichtung von Zebrastreifen. Foto: ZVA/Harald Krömer

Fazit: Viele der Forderungen sind alles andere als neu – entsprechend hoch sind jetzt die Erwartungen an die Politik. Doch selbst wenn sämtliche Punkte im ADFC-Papier realisiert würden – ob sich Fahrverbote tatsächlich noch verhindern ließen, hält auch Krings für fraglich: „Das müssen wir abwarten. Die gerichtlichen Vorgaben sind ja eindeutig. Ein paar Ampelschaltungen im Umfeld von Messstellen zu optimieren, wird jedenfalls nicht reichen.“