Aachen: Acht Menschen vor dem Feuer gerettet

Aachen : Acht Menschen vor dem Feuer gerettet

Es hätte schlimmer kommen können, und die Feuerwehr jedenfalls war zunächst auf weit Schlimmeres eingestellt. Ein Feuer in einem Wohnhaus an der Bahnhofstraße 30-32 war ihr am Freitagvormittag gegen 10.30 Uhr gemeldet worden.

Weil die Meldung mit dem Zusatz „Menschenleben in Gefahr“ versehen war, rückte die Wehr gleich mit dem ganz großen Aufgebot an. Am Ende gab es gar keine Verletzten, die Feuerwehr konnte alle Hausbewohner rechtzeitig in Sicherheit bringen.

Brand in einem Wohnheim für Obdachlose: Polizei und Feuerwehr rückten mit einem Großaufgebot an. Foto: Maria Vankann

Immerhin 25 Menschen leben in dem Haus, das als städtisches Übergangswohnheim für Obdachlose genutzt wird. Flüchtlinge sind dort nicht untergebracht. Neben 19 Männern wohnen dort sechs Frauen, von denen zwei nach Auskunft des städtischen Presseamtes vor kurzem operiert worden waren. Um sie alle vor dem Feuer und dem Rauch zu retten, nutzte die Feuerwehr alle Möglichkeiten.

Brand in einem Wohnheim für Obdachlose: Polizei und Feuerwehr rückten mit einem Großaufgebot an. Foto: Laura Beemelmanns

Mit Fluchthauben wurden die Bewohner aus dem brennenden Gebäude geholt, Steckleitern kamen zum Einsatz und auf der Rückseite wurde ein sogenannter Sprungretter, eine Art Luftkissen, in Stellung gebracht. Vor dem Haus im oberen Bereich der Bahnhofstraße positionierte die Wehr zwei Hubrettungsbühnen. „An mehreren Fenstern machten sich Personen bemerkbar, die gerettet werden mussten“, sagte Heiner Sauren, Einsatzleiter der Feuerwehr. Mit ihrer Hilfe gelang es dann aber, acht Personen — teilweise über die Fenster — aus dem Gebäude zu holen.

Brand in einem Wohnheim für Obdachlose: Polizei und Feuerwehr rückten mit einem Großaufgebot an. Foto: Laura Beemelmanns

Im zweiten Stock ausgebrochen

Brand in einem Wohnheim für Obdachlose: Polizei und Feuerwehr rückten mit einem Großaufgebot an. Foto: Laura Beemelmanns

Ausgebrochen war der Brand nach ersten Erkenntnissen in einem Zimmer im zweiten Obergeschoss des dreistöckigen Gebäudes. Der Bewohner dieses Zimmers hatte sich sofort an den in der Obdachlosenunterkunft anwesenden Hausmeister gewandt, der erkannte nach Angaben des Presseamtes schnell, dass den Flammen mit einem Handfeuerlöscher nicht beizukommen war. Der Brand drohte schon, auf das dritte Stockwerk überzugreifen.

Brand in einem Wohnheim für Obdachlose: Polizei und Feuerwehr rückten mit einem Großaufgebot an. Foto: Laura Beemelmanns

Mit fünf Löschzügen — zwei von der Berufsfeuerwehr und den Löschzügen Haaren, Mitte und Nord der Freiwilligen Feuerwehr — rückten die Wehrleute an, insgesamt waren 96 Einsatzkräfte vor Ort. In der engen Bahnhofstraße reichte der Platz nicht für die Einsatzfahrzeuge, viele wurden auf beiden Seiten der Römerstraße direkt vor dem Hauptbahnhof abgestellt. Die sonst dort haltenden Linienbusse mussten deshalb ihre Passagiere teils auf der Fahrbahn ein- und aussteigen lassen. Dennoch blieb die Durchfahrt auf diesem Teil des Alleenrings frei, der Verkehr lief allerdings etwas langsamer. Lediglich die Bahnhofstraße musste während des Einsatzes komplett gesperrt werden. Auch Fußgänger wurden gebeten, einen anderen Weg zu wählen.

Brand in einem Wohnheim für Obdachlose: Polizei und Feuerwehr rückten mit einem Großaufgebot an. Foto: Laura Beemelmanns

Provisorische Krankenstation

Neben der Feuerwehr waren auch Rettungswagen und Notarztfahrzeuge am Bahnhofplatz vorgefahren. Als provisorische Krankenstation diente aber letztlich das in der Nachbarschaft gelegene „Hotel am Bahnhof“. Dort wurden die aus dem Übergangsheim geretteten Personen untersucht. „Feuerwehrleute kamen zu uns und haben gefragt, ob sie die geretteten Menschen hier betreuen könnten“, sagt Mitarbeiterin Anna Trujillo. Im Foyer des kleinen Hotels wurden daher kurzerhand Tische und Stühle beiseite geschoben, Betten des Rettungsdienstes aufgestellt und die Menschen untersucht. „Das war für uns selbstverständlich“, sagt Trujillo über ihre spontane Zusage.

Ernst verletzt wurde niemand, daher konnten die acht Menschen das Hotel auch schnell wieder verlassen und blieben zunächst noch in der Nähe am Bahnhofsplatz. „Die Feuerwehr hat dann noch angeboten, die Tische und Stühle wieder an Ort und Stelle zu setzen, das haben wir aber selbst übernommen“, so Trujillo weiter, die auch nach den kurzen Untersuchungen im Foyer des Hotels noch ein wenig geschockt auf einem Sessel in der Lobby Platz genommen hat. So etwas habe sie noch nie erlebt.

„Ein Transport in ein Krankenhaus war für keine Person notwendig“, heißt es im Bericht der Feuerwehr. Das Haus ist allerdings derzeit nicht bewohnbar. Die Bewohner hatten etwa eine Stunde nachdem der Einsatz beendet war, dann die Gelegenheit noch ihre persönlichen Gegenstände aus dem Haus zu holen. „Das war den Menschen sehr wichtig. Sie hatten gleich danach gefragt“, sagt Evelin Wölk vom städtischen Presseamt. Im Anschluss wurden sie vorübergehend in anderen städtischen Übergangsheimen untergebracht.

Die Ursache des Feuers — übrigens nicht das erste in diesem Gebäude — ist bislang unklar. „Ende der 90er Jahre gab es in dem Gebäude bereits einen größeren Brand“, sagt Wölk. Auch danach habe es immer mal wieder kleinere Brände gegeben. Die Polizei hat nun die Ermittlungen aufgenommen.

Die Feuerwehr rückte mit etlichen Lösch- und Einsatzfahrzeugen auf dem Bahnhofsvorplatz an, insgesamt waren rund 70 Einsatzkräfte vor Ort. Die Polizei riegelte den Ort des Geschehens ab.

Mehr von Aachener Nachrichten