Aachen: Abschied von einem großen Künstler: Theater erinnert an Karsten Meyer

Aachen : Abschied von einem großen Künstler: Theater erinnert an Karsten Meyer

Welch großer Künstler und vor allem welch großartiger Mensch Karsten Meyer war, das verdeutlichte das Ensemble des Theaters Aachen am Freitag mit einem eindrucksvollen Abschiedsabend für den am 2. Juni nach kurzer, schwerer Krankheit im Alter von nur 53 Jahren viel zu früh verstorbenen Schauspieler.

„16 Jahre gehörte er als prägendes Mitglied zum Ensemble“, erklärte Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck.

Es war ein sehr musikalischer Abend, denn musikalisch war Karsten Meyer, der die Band „The White Elephants“ gegründet und als Sänger, Gitarrist und Komponist tätig war. Meyers Lied „My sweet amazing boy“ und eine Videoeinspielung aus der Produktion „Der Himmel kann warten“ eröffneten den Reigen.

Und was seine Schauspielkollegen auf die Bühne brachten, das war stark persönlich gefärbt. Jeder hatte sich etwas überlegt, das in Bezug stand zu den vielen verschiedenen Rollen, die Meyer in seiner Karriere in Aachen verkörpert hat. „Mehr als 70 Rollen hat er gespielt, komische, ernste. Dabei hat er eine große Wandlungsfähigkeit an den Tag gelegt“, bescheinigte ihm Schmitz-Aufterbeck. Er erinnerte an Meyers mehr als 15-jährige Zugehörigkeit zum Ensemble, vor allem aber an seine sympathische Art und sein großes Können.

„Er war ein Rock‘n‘Roller“

„Er war ein Rock‘n‘Roller“, bestätigte Ehefrau Annalisa Derossi, die auf der Bühne ergreifende Worte für die letzten Monate fand und erklärte, warum es ihr ein große Bedürfnis sei, für ihren Karsten auf der großen Bühne Franz Liszts „Liebestraum“ auf dem Klavier zu spielen.

Kollege Hrolfur Saemundsson interpretierte Lou Reeds „Perfect Day“. Das war ein Lieblingslied von Meyer gewesen. Seine Band „The White Elephants“ würdigte ihn mit dem Lied „Shake me up“, wobei das Publikum ordentlich mitrockte. Und Kollege Benedict Voellmy erinnerte an eine von Meyers letzten Rollen als Albert Einstein in „Die Physiker“.

Das Zitat „Im Licht sein...“ aus dem Schauspiel „Homo faber“, das Karsten Meyer rund drei Jahre lang auf die Bühne der Kammer gebracht hatte, stand sinngebend über den Darbietungen.

„Wir waren beeindruckt, wie schnell die Karten für diesen Abend vergriffen waren und wie viele Kollegen, Regisseure und Dramaturgen von weither angereist sind, um sich heute von Karsten zu verabschieden“, betonte Dramaturgin Inge Zeppenfeld. Regisseur Ludger Engels, der nicht persönlich anwesend sein konnte, ließ ausrichten, welch großer Schauspieler und Mensch Karsten Meyer gewesen sei.

Wie anpassungsfähig er war, das stellte der Rocker Karsten Meyer mit seinem Schlager-Auftritt in der Produktion „Alles für Euch“ 2016/17 unter Beweis. Der Schlager „Monika“ sorgte auch diesmal für Vergnügen. Denn Freude am Spiel und an den Darbietungen zum Abschied und auch einige witzige Momentaufnahmen waren ausdrücklich gewollt.

Thomas Hamm betrat als Astro­naut die Bühne, schritt in voller Montur langsam von links nach rechts. Auch diese Erinnerung an die Produktion „Wir lieben und wissen nichts“ von 2012 bot eindrucksvolle Momente des Gedenkens. Mit dem Stück „Rolling home“ aus der Inszenierung „Die Deutschstunde“ von 2015/16 beschloss das Ensemble gemeinsam den Abend.

Am Ende gab es stehende Ovationen des Publikums. Und eine Verneigung seiner Kollegen vor Karsten Meyer, der im Bild auf der Leinwand präsent war. Mit einem Glas von Meyers Lieblingsrotwein in der Hand fielen alle Schauspielerinnen und Schauspieler mit ein in das Lied zu Ehren des geschätzten Kollegen.

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