Aachen: Ab Mitte 2019 sollen die Baugeräte an der Uniklinik im Einsatz sein

Aachen : Ab Mitte 2019 sollen die Baugeräte an der Uniklinik im Einsatz sein

Wer staatliche Mittel von knapp 200 Millionen Euro für einen lebensrettenden Zweck verbauen darf, ist in einer beneidenswerten Lage. In dieser befindet sich der Kaufmännische Direktor der Aachener Uniklinik, Peter Asché. Die Klinik aus den 1970er Jahren platzt inzwischen aus den Nähten, doch ihr äußeres Kostüm darf nicht angetastet oder gar aufgetrennt werden, der Denkmalschutz steht dem entgegen.

So kam es zu der Planung einer gigantischen Erweiterung draußen vor den Toren, eigentlich exakt vor dem Haupteingang. Die dortigen Parkplätze werden bis in die 2040er Jahre hinein das Hauptopfer für die unter und über der Erde entstehenden Neubauten sein.

Peter Asché, Kaufmännischer Direktor des Uniklinikums, hat die Sieger des Wettbewerbs mit der Ausführung beauftragt. Foto: Harald Krömer

Das für die Uniklinik wichtigste Projekt dabei sind 35 moderne OP-Säle. Neueste Technik und mehr Platz sind die Schlüsselbegriffe, die die Mediziner begeistern. Allein die Ersteinrichtung der OP-Säle wird 30 Millionen Euro verschlingen. Der unterirdische Bau mit direktem Anschluss an die Helikopterplattform „Rettende Hand“, die sich den Rettungshubschraubern zur Landung entgegenstreckt und den schnellen Transport zum OP-Tisch garantiert, wird in einem etwa 30 Meter breiten Streifen parallel zum Klinikgebäude im Souterrain angelegt, Lichthauben sorgen für Tageslicht, um die Lichtschächte herum wird eine parkähnliche Landschaft entstehen.

Peter Asché hat zum Jahreswechsel die Gewinner des Architektenwettbewerbs, die Arge Henn (Berlin) und Møller (Aarhus, Dänemark), beauftragt, ihren mit dem 1. Wettbewerbspreis ausgezeichneten Entwurf auszuführen. Zuvor waren noch Klärungen mit den Folgepreisträgern notwendig, jetzt aber geht es ans Eingemachte. „Die ausführenden Architekten und wir haben jetzt Arbeitsgruppen zusammengestellt“, erläutert Asché, „sie arbeiten die Vergaben für die einzelnen Gewerke aus.“ Dann werden die Bauanträge gestellt, und 2019 soll es losgehen. „Dann kommen die Bagger“, sagt Asché.

Visueller Anziehungspunkt wird ein neues, gläsernes Eingangsgebäude sein, das quer zum Klinikum liegen wird, das Glanzstück der Henn- und Møller-Architektur. Dafür müssen — wie auch für die anderen Bauten — Parkplätze weichen, für sie entsteht das neue Parkhaus auf dem Gelände des Studierendenwerks an der Kullenhofstraße.

Ein großer Streitpunkt hat sich während der ersten Maßnahmen entwickelt. Bereits beim Umbaubeschluss für die Kullenhofstraße sorgte ein heißes Thema für Debatten: die zu fällenden Bäume. An der Kullenhof-straße müssen 30 Bäume weg, sie werden jedoch vom Bauträger ersetzt. „Wir haben hier ein Großprojekt vor uns, das notwendigerweise eine gewisse Anzahl von Bäumen kosten wird“, sagte Asché den „Nachrichten“.

Die jüngst jedoch vom städtischen Fachbereich Umwelt genannte Zahl von 900 Bäumen, die das Projekt kosten werde, hält Asché dann doch für nicht realistisch. Bei den unmittelbar geplanten Maßnahmen wie dem neuen Parkhaus, der neuen Kullenhof-straße und dem Eingangsgebäude seien das wesentlich weniger, und diese Bäume würden ersetzt.

„Nur falls man das gesamte Areal, das bis etwa zwischen 2030 und 2040 für ergänzenden Klinikbedarf gebraucht wird, als völlig bebaut mitrechnet, dann kommt man nach unserer Zählung auf insgesamt 633 Bäume“, rechnete Asché vor. Es sei aber im Moment noch gar nicht spruchreif, ob denn nun auf dem Gelände des Parkplatzes irgendwann einmal möglicherweise ein Herzzentrum entstehen könne.

Für ergänzende Bauten sind zunächst insgesamt 415 Millionen Euro von der Landesregierung freigegeben, darunter sind die Kinder- und Jugendpsychiatrie, eine Kindertagesstätte, weitere sozialpädagogische Einrichtungen oder auch eine neue Energiezentrale für das gesamte Uniklinikum. So etwas wie ein Herzzentrum ist nicht dabei, das sind Zukunftspläne für folgende Erweiterungsstufen.

Wo fährt der Baustellenverkehr?

„Wir sind im Gegenteil sehr für mehr Grün und nicht für seine Zerstörung“, wehrt Asché Vorwürfe in diese Richtung ab und verweist auf die Parkanlage, die neu über den unterirdischen OP-Sälen entstehen wird. Zudem hat die Stadt in der jüngsten Sitzung des Planungsausschusses einstimmig beschlossen, dass das Land NRW als Grundstückseigentümer auf anderen Liegenschaften im Stadtgebiet Ersatz für jeden geschützten Baum schaffen müsse. Nicht nur die Grünen waren hier unerbittlich.

Jetzt werden also Bauaufträge für rund 150 Millionen Euro und weitere Aufträge mit einem Volumen von 30 Millionen Euro für modernste Medizintechnologie vergeben. Etwa Mitte 2019 werden die Baugeräte anrollen. Dann aber ist der Ärger wieder da. Denn die Uniklinik sieht eindeutig den Baustellenverkehr über die Kullenhof­straße abfließen. Über dieses Thema aber ist in den politischen Gremien noch lange nicht das letzte Wort gesprochen.

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