Aachen: Ab Donnerstag geht‘s dem Hochbunker an den Kragen

Aachen: Ab Donnerstag geht‘s dem Hochbunker an den Kragen

Die letzten Stunden des Hochbunkers in der Sandkaul­straße sind gezählt. Ein 90 Tonnen schwerer Zangenbagger wird ihn in den kommenden Wochen zermalmen. Wie einst die gefräßige Steinlaus in Loriots Parodie auf Professor Grzimek zerknabbert der Bagger die Betonbrocken — allerdings nicht still-knuspernd wie die Steinlaus, sondern nur mit Lärm, Staub und Erschütterungen.

Am Donnerstag geht es los mit dem Abriss, um Platz zu schaffen für den Neubau eines 15 Millionen Euro schweren Hotels der Kategorie „3+“ mit 150 Doppelzimmern plus Tiefgarage. In der Sitzung am 3. Juli billigte der Stadtrat den Bebauungsplan, weshalb jetzt der Investor, die HPG Projektgesellschaft Aachen, durch die Geschäftsführer Herbert Pontzen und Johannes B. T. Hugenholtz sowie Architekt Manfred Hammers rund 30 Anwohner und Ladeninhaber des Viertels über den Zeitablauf informierte.

Bauleiter Hein van den Wouw erläutert rund 30 interessierten Anwohnern den Zeitplan der Bauarbeiten an der Sandkaulstraße. Foto: Ralf Roeger

In den nächsten Tagen rücken auf der Baustelle jede Menge Geräte, Maschinen, Baucontainer und Lkw an. Bis Samstag, 13. Juli, werden die Bauzäune aufgestellt. Am Betonklotz entlang wird die neun Meter breite Straße auf einer Länge von 50 Metern auf sechs Meter verengt. Die Parkplätze fallen dort weg. Container werden postiert, um die Straße vor herabstürzendem Bauschutt zu schützen. In der kommenden Woche werden zwei Platanen und eine Birke gerodet. Der von den Anwohnern geliebten alten Rotbuche wird jedoch kein Blatt gekrümmt, ein Bauzaun schützt sie. „Mit der Jagdflinte in der Hand werde ich die Rotbuche verteidigen”, sagte Bauleiter Hein van den Wouw von der Abrissfirma Laarakkers scherzend.

Sind Bäume und Sträucher weg, heult der Zangenbagger zur Attacke auf. Am Mittwoch in den späten Abendstunden wird der Riese erwartet. Über ein am Bunker hochgezogenes Gerüst wird das Ziegeldach des Hochbunkers abgetragen. Es folgt, was Hein van den Wouw „sprengen und drücken“ nennt: In die freigelegte 1,40 Meter starke Betondeckenplatte werden bis zu 80 Zentimeter tiefe Löcher gebohrt, Sprengstoff rein, Sand drüber, Holzpfropfen drauf, dicke Gummimatte übers Ganze und: „Wumm!“, wie van den Wouw die Ladung lautmalerisch hochgehen lässt. Das 90-Tonnen-Ungetüm drückt mit ausladendem Greifer das zersprengte Gebrösel kraftprotzend weg. Danach frisst es sich mit seiner zupackenden Maul-Zange brockenreißend bunkerabwärts.

Unvermeidlich „etwas Staub“

Es gebe unvermeidlich „etwas Staub“, sagt der Abbruch-Meister, und ganz sicher auch Lärm und Erschütterungen, „aber so wenig wie möglich“. Der Staub wird eingedämmt per Wasserberieselung. Gelärmt, erschüttert und gestaubt wird in einer Kern-Arbeitszeit von 7 bis 19 Uhr. Kürzere Tagesarbeitszeiten sind nicht drin, weil sonst der bewusst in die Ferienzeit gelegte Abbruch nicht wie geplant bis zum Schulbeginn der benachbarten David-Hansemann-Schule Anfang September hinhaut.

Verständlicherweise sind Lärm, Erschütterungen, Staub und Baustellenverkehr die heißen Punkte für die Fragen der Anwohner. Einer Mutmaßung über möglicherweise die Häuser gefährdende „unterirdische Gänge im Viertel bis zum Ponttor“ will die Stadt nachgehen. „Keiner wird fahrlässig etwas zum Einsturz bringen“, versichert Joachim Schulz von der städtischen Bauaufsicht.

Nach dem Abriss des Hochbunkers schließt sich nach den Sommerferien der Baustart für das Hotel nahtlos ans. Erdarbeiten, Schachtungen, Ausheben der Baugrube, Einrammen von Trägern, das alles bis Ende des Jahres. Danach wird der Rohbau hochgezogen, Fertigstellung Mai 2015. „Wie klein wird das Hotel?“ bohrt eine Frage. „Schmal und hoch“, antwortet Architekt Hammers, sechs Geschosse, aber, zum Vergleich: Das Mansarde-Dach der David-Hansemann-Schule wird das Hotel überragen.

Investor Helmut Pontzen versichert: „Wir können nicht alles vorhersehen. Wenn es Probleme gibt, kümmern wir uns. Im Baubüro auf der Baustelle gibt es für alle Anwohner einen Ansprechpartner.“

Mehr von Aachener Nachrichten