Aachen: Aachens schönstes Nackedei lenkt heute die Diplomatie

Aachen: Aachens schönstes Nackedei lenkt heute die Diplomatie

Jeder Aachener kennt das Fischpüddelchen. Welcher Öcher aber kennt Georg Clemens Dick? Was das eine mit dem anderen zu tun hat? Die nackte Wahrheit förderte jetzt Ratsherr Hermann Josef Pilgram zutage.

Nach dem AZ-Bericht über das Altstadt-Wahrzeichen im Rahmen der AZ-Serie „Einst und jetzt” plauderte der Grüne aus dem (parteipolitischen) Nähkästchen. Seither steht fest: Herr Dick ist das Fischpüddelchen - jedenfalls wurde das putzige Kerlchen 1954 tatsächlich nach dem Konterfei des heute 56-jährigen Bildhauer-Sprösslings gestaltet.

Was der weiteren - äußerst kurvenreichen - Laufbahn des „Models” keinen Abbruch getan hat. Heute ist Georg Clemens Dick als Chef des Planungsstabs im Auswärtigen Amt eines gewissen Herrn Fischer (!) tätig. AZ-Redakteur Matthias Hinrichs hat ihn nach ganz persönlichen Öcher Erinnerungen gefragt.

Ist Ihnen überhaupt klar, dass Sie quasi seit Jahrzehnten splitternackt mitten in Aachen herumstehen?

Dick: Na selbstverständlich. Als echtes Aachener Kind bin ich oft damit aufgezogen worden, dass mein Vater, der Bildhauer Heinrich Clemens Dick, mich 1954 als Modell für das Fischpüddelchen erkoren hatte. Damals war ich immerhin schon sieben...

.... und mussten stundenlang mit zwei Flossentieren in den Händen im Atelier posieren?

Dick: Ach was. Ich vermute, mein Vater hat einfach Porträtfotos von mir benutzt. Jedenfalls habe ich keine Erinnerung daran, etwa nackt durch sein Atelier gehopst zu sein.

Also keine Spur von später Reue?

Dick: Nein. Ich bekenne sogar, dass ich einmal echt und leibhaftig nackt posiert habe. Das war auf einem Wahlplakat irgendwann Ende der Sechziger - als Kandidat für den Sozialistischen Studentenbund im RWTH-Parlament. Allerdings hatte ich ein Verbindungskäppchen auf und die Hände mit dem Verbindungsschwert vor entscheidenden Körperpartien gekreuzt.

Bis vor kurzem waren Sie Botschafter in Chile. Heute sind Sie, wie bereits bei Dienstantritt von Joschka Fischer als Außenminister, wieder dessen Planungsstabchef. Es scheint, dass Sie eine ähnlich schillernde Karriere gemacht haben wie Ihr Chef.

Dick: Nun ja. In den Sechzigern habe ich in Aachen eine Lehre als Automechaniker gemacht. 1966 habe ich als Seemann angeheuert, bin aber Ende der Sechziger wieder zurückgekommen. In Aachen habe ich mein Abitur gemacht, bin dann aber bald nach Frankfurt gegangen, um Jura zu studieren. Dort habe ich auch Leute wie Fischer und Daniel Cohn-Bendit kennen gelernt. Später war ich Fischers Sprecher im hessischen Umweltministerium. Dann verloren wir uns aus den Augen. Als Fischer Außenminister wurde, trug er mir die Tätigkeit als Planungschef an.

Die „Welt” hat mal berichtet, Sie seien Chauffeur der so genannten „Putztruppe” gewesen, die Fischer in seinen wilden Jahren anführte - und die ihn nach seinem Antritt als Außenminister kurzzeitig quasi eingeholt hat.

Dick: Das ist allerdings Unsinn. Allein schon deshalb, weil ich zwar einen Gesellenbrief habe, aber nie einen Führerschein gemacht habe. Auch das ist sicher selten. Wahr ist, dass ich in Aachen bei Hausbesetzungen mitgemacht habe und später in Frankfurt als Student den „Pflasterstrand”, eine Stadtzeitung, mit gegründet habe. Allein deshalb kannte ich die politische Szene gut. Und so holt auch mich meine Vergangenheit immer wieder ein. Heute mal mit dem Fischpüddelchen, von dem ich mich genauso wenig distanzieren zu brauche!

Haben Sie sich das Fischpüddelchen seither noch einmal „live” angeschaut?

Dick: Bei der jüngsten Karlspreisverleihung war ich in Aachen und bin natürlich auch zum Fischmarkt gegangen. Viel merkwürdiger war aber eine andere Erfahrung: Ich logierte im Quellenhof - und den kannte ich aus der Erinnerung nur von außen, wegen einiger Demonstrationen gegen irgendwelche Honoratioren in den späten Sechzigern. Ähnlich war das beim Rathaus: Plötzlich saß ich drinnen - als einer der Honoratioren...

Also müssen die Aachener nicht fürchten, dass Sie plötzlich Ihr Recht am eigenen Bild geltend machen?

Dick: Versprochen. Meine Schwester hat eine Kopie des Denkmals im Garten. Wenn ich beim Fischpüddelchen sein will, setze ich mich also mit einem Klappstuhl in die Aachener Altstadt oder besuche sie. Ich bin nämlich ziemlich stolz darauf, dass ich sozusagen das Vorbild für ein echtes Aachener Wahrzeichen gewesen bin.

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