Aachen: Aachens GMD Christopher Ward schaut schon vorsichtig nach einer Bleibe

Aachen : Aachens GMD Christopher Ward schaut schon vorsichtig nach einer Bleibe

Da steigt der neue Generalmusikdirektor Christopher Ward bei seiner offiziellen Vorstellung gleich mal ganz tief ins Thema Aachen ein. Und dafür sorgt er indirekt selbst, als er beim Antworten auf eine Frage seinen kleinen Finger streckt. Einen Augenblick später ist er über den Klenkes aufgeklärt. „First things first“ würde der gebürtige Londoner dazu wohl sagen.

Seine musikalische Arbeit in Aachen startet Ward am 1. August. Der 37-Jährige kann das kaum abwarten: „Ich darf in der ersten Spielzeit schon viele Ideen realisieren, die ich schon lange im Kopf habe.“

Ward hat sich gegen insgesamt 78 Bewerber durchgesetzt. Die Stelle war nicht ausgeschrieben, stattdessen hatte die Stadt sich an Agenturen gewandt. Zunächst war der Kreis möglicher Nachfolger von Kazem Abdullah auf zehn, dann auf drei eingeengt worden. Die Findungskommission habe sich schließlich auf Ward verständigt, erklärt Generalintendant Michael Schmitz-Aufterbeck. Der Stadtrat wählte den Engländer einstimmig.

Darüber freut sich nicht nur der neue Generalmusikdirektor (GMD). Mit dem Ergebnis kann auch Kulturdezernentin Susanne Schwier mehr als leben: „Ich bin sehr glücklich, das Ergebnis des Auswahlverfahrens ist wunderbar.“ Ausschlaggebend sei nicht nur die fachliche Qualifikation von Ward gewesen, sondern auch seine kommunikative Fähigkeit. Schließlich spiele die Kommunikation etwa mit der Stadtgesellschaft eine große Rolle. Der GMD bekleide eine wichtige Schlüsselposition im kulturellen Leben Aachens.

Flexibel und offen

Als positiv wahrgenommen wird, wie offen und flexibel Ward ist. Bei dem Konzert im Eurogress habe er das laut Schwier bereits bewiesen. Das war unterbrochen worden, weil zwei Saiten einer Harfe ausgetauscht werden mussten. Der neue GMD habe die Pause „einwandfrei überbrückt“, sich gleich ans Publikum gewandt und begonnen, seine Musikauswahl zu erläutern.

Flexibilität und Offenheit werden der Arbeit in Aachen zugute kommen, etwa in Kombination mit seiner Erfahrung und Liebe zu Chören. Ward ist musikalisch in Chören in England aufgewachsen und hat sein Interesse daran nie verloren. Weil auch Aachen eine große Chortradition hat und es in der Stadt viele Chöre gibt, sind gemeinsame Projekte bereits angedacht — auch von Seiten des Intendanten. Ob die gemeinsame Arbeit schon begonnen hat? „Noch nicht“, sagt Schmitz-Aufterbeck. „Aber am 19. März haben wir einen längeren Termin zusammen. Vielleicht können wir uns danach noch zu einem Brötchen zusammensetzen.“

Bei dem Brötchen könnten sich die beiden darüber unterhalten, wie Ward sein Vorhaben umsetzen kann, eine gute Mischung aus verschiedenen Genres hinzubekommen, wie er ein neues Licht auf alte Stücke werfen kann, wie gemeinsame Projekte mit der freien Kulturszene konkret aussehen können — ja, sogar an dieser Stelle ist eine Zusammenarbeit geplant. Der Mann ist voller Tatendrang. Justus Thorau, der kommissarisch die Stelle des GMD übernommen hatte, wird den Briten künftig wieder in seiner alten Position als 1. Kapellmeister und als sein Vertreter unterstützen.

In England wird mit Lego gespielt

Seinen Lebensmittelpunkt wird Ward nach Aachen verlegen, hier hat er bereits „vorsichtig begonnen, eine Wohnung zu suchen“. Dom, Theater, Eurogress, Weihnachtsmarkt — viel mehr hat er von Aachen bisher noch nicht sehen können. In welchem Viertel er sich niederlassen wird, weiß er folglich noch nicht. „Aber wenn da jemand einen Tipp hat: sehr gerne!“ Was sein übriges Privatleben angeht — darauf angesprochen, bleibt Ward wortkarg. Das solle privat bleiben, sagt er. Nur so viel: Verheiratet ist der 37-Jährige nicht, Kinder hat er auch keine. Wenn es in seiner Freizeit mal nicht um Musik geht, dann schwimmt er gerne.

Nach seiner offiziellen Vorstellung wird er noch die Elisabethhalle kennenlernen, erzählt er. Ansonsten bewegt er sich gerne an der frischen Luft, geht spazieren. Oder er spielt mit Lego. Allerdings nicht, weil es ihm selbst ein inneres Bedürfnis wäre, sondern weil er seinen Neffen in England Gesellschaft leistet.