Tagung des Kuratoriums: Aachens Dom als Ort europäischer Leidenschaft

Tagung des Kuratoriums : Aachens Dom als Ort europäischer Leidenschaft

Sie fühlt sich zur richtigen Zeit am richtigen Ort. „Europa braucht jetzt dringend mehr Leidenschaft aus der Zivilgesellschaft“, sagt Annette Schavan, Vorsitzende des Kuratoriums der Stiftung Aachener Dom.

Die Europäische Union sei an einem Punkt, „wo sie auf viele kleine Initiativen angewiesen ist“ – um des großen Ziels willen. „Jetzt ist die Zeit, um sich zu beteiligen“, sagt Schavan am Montag unserer Zeitung.

Nach der Jahrestagung ihres Gremiums zeigt Schavan sich zuversichtlich, dass man mit dem Dom in Aachen und mit den Menschen, die sich für ihn und in ihm engagieren, diese Leidenschaft entwickeln kann. „Wir stammen noch aus einer Generation, die den Aufbau des vereinten Europas miterlebt haben. Wir müssen die nächste und übernächste Generation davon überzeugen, dass es lohnt, sich für das Integrationswerk einzusetzen. Dabei hilft uns der Dom.“ Wie? „Wenn wir in den Dom einladen, kommen die Menschen. Es ist ein zutiefst europäischer Ort, ein Ort des Christentums und der europäischen Humanität.“

Schavan spricht von politischen Zielen und hohen Werten, ist dabei zugleich überzeugt, dass der Dom auch emotional jene Leidenschaft befeuern kann, an der es Europa derzeit mangelt. In der Konkurrenz verschiedener Werteordnungen stehe der Dom für die Würde des Menschen, „egal woher er kommt. Wir haben lange gedacht, das sei ein Selbstläufer. Es ist kein Selbstläufer.“ Der Dom symbolisiere dieses christliche Bild des Menschen. „Wir müssen gar nichts Neues erfinden. Aber wir müssen manche Überzeugungen und Werte unbedingt wieder erkennbarer machen.“

Das will die Stiftung Aachener Dom mit Hilfe des Kuratoriums 2019 unter anderem mit einem weiteren Studentenkongress (26. März), einer Lesung für Kinder (31. März) und der Dichterlesung mit dem Autor Hans Ulrich Treichel (18. November) erreichen. Für 2020 ist zudem gemeinsam mit „Europe direct“ ein Forum für Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen geplant.

Michael Wirtz, Vorsitzender des Beirats des Kuratoriums, ist sich der Skepsis bewusst, dass die Stiftung zu sehr in Aachen verhaftet sei. „Unsere Perspektive ist Europa. Wir wollen versuchen, mit dem geistigen Eigentum des Domes die Herzen vor allem auch junger Menschen zu erreichen.“

(pep)
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