Aachen: Aachens CDU-Vorsitzende Ulla Thönnissen schmeißt die Brocken hin

Aachen: Aachens CDU-Vorsitzende Ulla Thönnissen schmeißt die Brocken hin

Eigentlich hätte es beim Aachener CDU-Kreisparteitag am 20. April vor allem um inhaltliche Dinge gehen: die Vorbereitung der Europa- und der Kommunalwahl. Doch nach den Entwicklungen in den vergangenen Tagen, den Ärger zwischen der Kreisvorsitzenden Ulla Thönnissen und dem ehemaligen Kreisgeschäftsführer und jetzigen Organisationsreferenten Harro Mies, wird die Tagesordnung ein wenig anders ausfallen.

Wie kam es dazu? In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass Harro Mies, angestellt bei der Landespartei, sich über seine Aachener Chefin beim Generalsekretär sowie beim Betriebsrat der Landes-CDU schriftlich beschwert hatte. Durch eine E-Mail, in der Ulla Thönnissen Harro Mies einen „miesen Charakter“ attestiert hatte, fühlte dieser sich beleidigt. Nachdem Thönnissen sich schriftlich entschuldigt hatte, sah man den Vorfall als erledigt an — zumindest auf Landesebene. In Aachen sieht das anders aus.

„Niemand kann mir vorwerfen, ich hätte dieses Amt nicht mit Herzblut ausgeführt“, sagt Ulla Thönnissen. Die Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle Martinstraße, so sagten Thönnissen und Claßen am Montag im Gespräch mit den Aachener Nachrichten, sei bereits nach wenigen Monaten sehr schwierig gewesen. Thönnissen, die fünfeinhalb Jahre im CDU-Vorstand gearbeitet hat, war vor ihrer Zeit als Landtagsabgeordnete Unternehmerin und sagt, sie sei eine andere Art von Zusammenarbeit gewohnt als mit der Geschäftsstelle der Aachener CDU. Auch Dieter Claßen ist selbstständiger Unternehmer. „Die Arbeit für die CDU hat mir sehr großen Spaß gemacht“, betont er, doch die Arbeitsweise der Geschäftsstelle passe nicht mit der seinen überein.

Die CDU wird einen neuen Vorsitzenden oder eine neue Vorsitzende wählen, ebenfalls einen neuen Schatzmeister oder eine neue Schatzmeisterin. Denn Ulla Thönnissen und Dieter Claßen, die erst im November des vergangenen Jahres im Amt bestätigt worden sind, treten zurück. Am Montagnachmittag wurde der restliche Vorstand per E-Mail über diese Entscheidung informiert.

Um der Partei, die in Aachen rund 1300 Mitglieder hat, durch die Querelen nicht noch mehr Schaden zuzufügen, aber auch aus Selbstschutz hätten sie sich entschieden, sich in die zweite oder dritte Reihe zurückzuziehen. „Wir sind nicht von den anderen Vorstandsmitgliedern oder irgendwem sonst dazu überredet worden“, betont Thönnissen, ganz im Gegenteil habe man sie gebeten, sich das noch einmal zu überlegen. „Doch erst kommt die Partei, dann die Person.“ Ihrem Nachfolger oder ihrer Nachfolgerin im Amt werde sie selbstverständlich mit Rat und Tat zur Verfügung stehen.

Nicht zurückziehen will Thönnissen sich indes aus den beiden Gremien Stadtrat und Städteregionstag (hier ist sie Fraktionsvorsitzende). „Ich will politisch arbeiten“, sagt sie und erklärt, dass sie sich auf ihre Rolle in der Städteregion stärker konzentrieren möchte. Von den Fraktionskollegen habe sie alle Rückendeckung, die sie brauche. Und auch, irgendwann nochmal hauptamtlich politisch tätig zu sein, schließt sie nicht aus. Der Kreisvorsitz sei schließlich keine Voraussetzung dafür, ein Mandat zu bekommen. Unter anderem werden ihr in CDU-Kreisen auch Ambitionen nachgesagt, die Nachfolge von Helmut Etschenberg als Städteregionsrätin anzutreten.

Die Querelen um die CDU-Parteivorsitzende Ulla Thönnissen sollen keine Auswirkungen auf die Ratsarbeit der Christdemokraten und die weitere Zusammenarbeit mit der SPD haben. Dies erklärt CDU-Fraktionsvorsitzender Harald Baal, der die Ratsfraktion nur „mittelbar“ von den schweren Zerwürfnissen zwischen Thönnissen und dem ehemaligen Kreisgeschäftsführer Harro Mies betroffen sieht. Beide sind im Rat vertreten.

Der Zusammenhalt der CDU werde dadurch nicht belastet, glaubt Baal. „Die Fraktionsarbeit läuft gut und konzentriert“, erklärt er, „jeder ist in seinem Bereich so diszipliniert, dass es in der Summe funktioniert.“ Sein Verhältnis zu Thönnissen bezeichnet Baal als gut und vertrauensvoll, sie sei „die große Klammer zur Städteregion“. Im Städteregionstag will Thönnissen als Fraktionsvorsitzende weiterhin den Ton angeben. Offen ist allerdings, wie sehr sie sich dort noch auf Mies verlassen kann, der dort ebenfalls einen Sitz hat.

In Düsseldorf schweigt man sich zu den Aachener Vorgängen aus. Weder der Generalsekretär noch der Betriebsrat, der die Entschuldigung von Ulla Thönnissen eingefordert hatte, wollen sich äußern. Und auch Ministerpräsident Armin Laschet, Thönnissens Vorgänger im Amt, ließ am Montag lediglich über die Pressestelle mitteilen, dass er öffentlich keine Stellung beziehen wolle.