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Frohe Botschaft in traurigen Zeiten: Aachens Bischof geht online auf Sendung

Frohe Botschaft in traurigen Zeiten : Aachens Bischof geht online auf Sendung

Ab Palmsonntag gibt es erstmals eine ganze Serie von Live-Gottesdiensten mit Bischof Helmut Dieser aus dem Aachener Dom. Gläubige dürfen nicht vor Ort mitfeiern – nur am Bildschirm.

Der gemeine Buchsbaumzünsler, lateinisch „Cydalima perspectalis“, löste ein gewaltiges Problem aus. Die asiatische Raupe befällt Bäume und macht ihnen den Garaus – was 2019 bereits zu einem ernsthaften Engpass in der Buchsbaum-Versorgung an Palmsonntag führte. Als Palmersatz dürften nun in der Kirche auch Eibe, japanische Stechpalme, Wacholder, Thuja oder Oliven verwendet werden. Jedenfalls theoretisch.

Es geht darum, dass am Sonntag vor Ostern an den Einzug Jesu in Jerusalem erinnert wird – da legten ihm die Menschen Palmzweige zu Füßen. Weil Palmen in Deutschland eher selten wachsen, griff man zu Buchsbaum. Die geweihten Zweige, so das Ritual, nehmen Gläubige dann mit nach Hause und stecken sie hinter Kreuze. Doch daraus wird nun nichts. Frühere Probleme wirken im Vergleich zur aktuellen Lage geradezu lächerlich. Die Corona-Pandemie zwingt das Aachener Domkapitel auf gänzlich neue Wege – und Bischof Helmut Dieser via Livestream ins Internet. In diesen Tagen wurden rund um den Altar im Aachener Dom die technischen Voraussetzungen dafür vollendet.

Der Testlauf ist bereits gelungen, damit wird es ab Palmsonntag eine für das Aachener Domkapitel historisch einzigartige Serie von Gottesdiensten geben, die ausschließlich live im Internet und über die Sozialen Netzwerke zu erleben sind: auf www.bistum-aachen.de und www.aachenerdom.de. „Wir müssen die Situation akzeptieren, so wie sie ist. Auch wenn es uns Christen sehr schmerzt, dass wir uns nicht versammeln dürfen“, sagt der Bischof. Er ist betrübt, aber auch erleichtert: „Dank der Technik des 21. Jahrhunderts können wir Ton und Bild in jedes Wohnzimmer schicken“, fügt er hinzu.

Folgende Sendezeiten der Gottesdienste live aus dem Aachener Münster sind mit Bischof Helmut Dieser geplant – übrigens in Kooperation von Bistum und Generalvikariat:

  • Palmsonntag, 5. April, 10 Uhr
  • Chrisammesse Dienstag, 7. April, 10 Uhr
  • Gründonnerstag, 9. April, 19 Uhr
  • Karfreitag, 10. April, 15 Uhr
  • Osternacht, Samstag, 11. April, 21.30 Uhr
  • Ostersonntag, 12. April, 10 Uhr
  • Weißer Sonntag, 19. April, 10 Uhr

Schon den Testlauf am vergangenen Sonntag verfolgten viele Gläubige zu Hause, in Seniorenheimen und Hospitälern. Dieser erreichte allein über den Facebook-Account des Bistums fast 29.000 Personen. Genauso wie der päpstliche Segen „Urbi et orbi“ über die Fernsehgeräte rund um den Globus entfaltet alles, was der Bischof via Livestream sendet, theolgisch und liturgisch echte Verbindlichkeit: „Natürlich ist alles gültig“, bestätigt Dieser, „ganz gewiss! Entscheidend ist die innere Ausrichtung, dass man mit dem sehnsüchtigen Herzen dabei ist.“

Nicht wie über Jahrhunderte üblich mehrere Hundert Gläubige, sondern nur eine Handvoll Menschen dürfen zu den Messen in den Dom. Bis zum 19. April sind vorerst alle öffentlichen Gottesdienste abgesagt – natürlich um eine weitere Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Neben dem Bischof werden ein Ministrant, ein Organist, ein Lektor und ein Kantor vor Ort sein.

Direkt am Altar hat das Team von Technik-Chef Marco Sievert (Eventac) zwölf Extra-Scheinwerfer und vier Kameras installiert. „Die Herausforderung hier besteht darin, die Übertragung aus Sicherheitsgründen mit möglichst wenigen Technikern zu realisieren. Zudem ist der Altarraum relativ eng im Vergleich zur schieren Größe des Doms“, erklärt Sievert. Alles ist bereits verkabelt. In einer Seitenkapelle haben die Eventac-Spezialisten einen Regieraum eingerichtet. Von hier wird der Ton eingesteuert, werden die Bilder der Kameras live in die Sendung geschnitten. „Wir werden dabei von einem Liturgie-Experten des Domkapitels fachkundig unterstützt“, sagt er.

Das Bistum Aachen betritt in dieser massiven Form Neuland: „Es war uns sehr wichtig, die Möglichkeit zu nutzen, um die Menschen aus ihrer Privatheit, auch aus ihrem Alleinsein herauszulösen“, sagt Dompropst Rolf-Peter Cremer. In der Karwoche dreht sich thematisch vieles um die Leiden, die Nöte der Gläubigen. Eine besondere Herausforderung werde in Zeiten der Corona-Pandemie mit all ihren fatalen Folgen die diesjährige Osterbotschaft, räumt Cremer ein.

Um Menschenansammlungen auszuschließen, werden Palmsonntag auch keine geweihten Palmzweige ausgegeben, natürlich auch kein Buchsbaum. Das gilt nicht nur für den Aachener Dom. Was kaum ein Trost sein dürfte: Der gemeine Buchsbaumzünsler spielt dabei keine Rolle mehr.