Aachener Verwaltung gegen Wanderausstellung "Topf & Söhne": Linke entsetzt

Wanderausstellung „Topf & Söhne – Die Ofenbauer von Auschwitz“ : Ablehnende Haltung des Kulturbetriebs empört die Linke

Entsetzt und empört zeigt sich die Aachener Linksfraktion über die städtische Verwaltung, die sich in einer Vorlage für den Kulturausschuss dagegen ausspricht, die Wanderausstellung „Industrie und Holocaust: Topf & Söhne – die Ofenbauer von Auschwitz“ auch in Aachen zu zeigen. Als völlig unverständlich bezeichnet Fraktionsgeschäftsführerin Ellen Begolli die Begründung für die ablehnende Haltung.

Seitens des Kulturbetriebs heißt es unter anderem, dass der Platz im Stadtmuseum Centre Charlemagne für die gut 200 Quadratmeter große Ausstellung nicht ausreiche. Zudem liege bisher noch keine systematische Forschungsarbeit über die Verstrickung der Aachener Wirtschaft mit der Unrechtsherrschaft des NS-Regimes vor, um „der sehr sorgfältig ausgearbeiteten Ausstellung über Topf & Söhne“ Elemente der lokalen und regionalen Wirtschaftsgeschichte zur Seite zu stellen. Bedenken hat der Kulturbetrieb daher, dass die Ausstellung wegen der fehlenden lokalen Bezüge für „größere Besucherkreise“ zu wenig attraktiv sein könnte.

Absurd findet Ellen Begolli diese Argumentation. Wenn der Raum im Centre Charlemagne zu klein sei, müsse man halt einen anderen Ausstellungsort finden, sagt sie. Auch sieht sie keine Notwendigkeit, den Inhalt der Ausstellung mit Ergebnissen der regionalen Forschung verknüpfen zu müssen. Auch andere Aussteller hätten sich darüber bislang keine Gedanken gemacht und trotzdem große Erfolge mit der Wanderausstellung gehabt. Zu sehen war sie nach der Eröffnung in Auschwitz unter anderem in Mainz und Wiesbaden.

„Topf & Söhne – die Ofenbauer von Auschwitz" wurde mit Unterstützung der Bundesregierung und der Thüringer Landesregierung vom „Erinnerungsort Topf & Söhne“ in Erfurt erarbeitet und erstmals vor zwei Jahren im Staatlichen Museum Auschwitz-Birkenau gezeigt. Anhand der Firma Topf & Söhne, die unter anderem die NS-Vernichtungslager mit Gaskammern, Belüftungsanlagen und Verbrennungsöfen ausstattete, wollen die Ausstellungsmacher zeigen, wie mithilfe der technischen Ausrüstung aus der Privatwirtschaft die industrialisierte Massentötung von Menschen überhaupt erst möglich wurde. Thematisiert wird insbesondere auch die Frage der Mittäterschaft an den Massenmorden und dem Verzicht auf Mitmenschlichkeit, um Geschäftsbeziehungen nicht zu gefährden.

Höchst aktuell findet die Linke diese Problematik. Aufbauend auf das Projekt „Wege gegen das Vergessen“ biete die Wanderausstellung somit eine gute Gelegenheit, „die ethische Verantwortung der Wirtschaft und der Wissenschaft zu thematisieren“, heißt es im Antrag der Linken, die zudem eine Zusammenarbeit mit der RWTH angeregt haben.

Noch hat Begolli Hoffnung, dass die Politiker der Verwaltungsempfehlung nicht folgen werden. Entscheiden soll der Kulturausschuss in seiner Sitzung am Donnerstag.