Aachener Verkehrspolitiker testen Radwege: Harald Siepmann (Linke)

Verkehrspolitiker auf dem Fahrrad (3) : „Es gibt noch viel Steigerungspotenzial“

Politiker treten in die Pedale: Harald Siepmann mit uns auf dem Rad

In unserer kleinen Serie setzen wir Verkehrspolitiker aufs Fahrrad, um mit ihnen gemeinsam die Qualität der Aachener Radwege zu testen. Diesmal fahren wir mit Harald Siepmann (Linke) über den Krugenofen in Richtung Luxemburger Allee. Auf dem Rückweg gibt es eine Überraschung an der Mozartstraße.

Steigungen gehören in Aachen nun mal dazu, und so muss sich Harald Siepmann zum Anfang seiner Fahrradtour gleich mal richtig in die Pedale stemmen. Vom Treffpunkt an der Kreuzung Boxgraben und Mozartstraße, den die Aachener auch als Dreiräubereck kennen, geht es für den Mobilitätspolitiker der Linken über die Burtscheider Brücke hoch zum Krugenofen. Die Plackerei kann dem 46-Jährigen nicht erspart werden, war doch dieses Stückchen Straße Anlass für quälend lange Auseinandersetzungen um die Flächenverteilung für Fußgänger, Auto- und Radfahrer.

Mit dem Ergebnis zeigt sich Siepmann ganz zufrieden: Auf dem Schutzstreifen am Krugenofen, mit dem sich vor allem die CDU so schwer getan hat, weil dafür einige Parkplätze aufgegeben werden mussten, fühlt er sich wohl genug, um flott in Richtung Eupener Straße voranzukommen. Blöd nur, dass die Herrlichkeit schnell ein Ende hat und die markierte Spur unvermittelt endet.

Siepmann dürfte nun auch den Fußweg nutzen, doch er zögert nicht lange und fährt an parkenden Autos vorbei auf der Fahrbahn weiter. „Die Straße ist ja breit genug, da fühle ich mich sicher.“ Er kennt solch unklare Situationen zur Genüge, ist er in seiner Freizeit und auf dem Weg zur Arbeit doch regelmäßig auch mit dem Rad in der Stadt unterwegs. „Als Mobilitätspolitiker sollte man schon alle Verkehrsmittel kennen“, sagt der geübte Radfahrer. Doch selbstverständlich ist das längst nicht für alle Fachpolitiker.

Ratlos an der Kreuzung

Wie sie wohl die Situation am Jahnplatz einschätzen würden? Kein Schild, keine Markierung, kein Hinweis hilft Radfahrern, wie es für sie am Luxemburger Ring entlang weitergehen soll. Die Fahrbahn, auf der Autofahrer auch  mit Tempo 70 und schneller unterwegs sind, ist für Siepmann nun keine Option mehr. Er nutzt das schmale Stückchen, das ihm Verkehrsplaner aus grauen Vorzeiten auf dem holprigen Fußweg zugestanden haben. Nach heutigen Maßstäben ist das eine Zumutung, wie auch Siepmann findet. Mehrfach müssen Schilder umfahren werden, die jemand mitten auf den Weg gesetzt hat. Häufiger auch heißt es Kopf einziehen, weil Äste und Zweige weit in den Weg hineinwuchern.

Deutlich entspannter geht es dann über Maria-Theresia-Allee und Habsburgerallee wieder zurück in Richtung Innenstadt. Tempo 30, keine Raser, wenig Verkehr – das erhöht den Wohlfühlfaktor doch erheblich. Doch je näher Siepmann der Mozartstraße kommt, um so größer werden wieder die Fragezeichen. Die Schilderzahl nimmt zu, die verwirrende Wegeführung aber auch. Vollends ratlos bleibt er schließlich vor der Baustelle an der Mozartstraße stehen, die derzeit wohl zu den meistgehassten unter Radfahrern gehört. Was eben noch Radweg war, ist jetzt verbarrikadiert. Ein Verbotsschild verbietet die Weiterfahrt. Niemand weiß, wie es weitergehen soll. Und anscheinend hat sich auch niemand Gedanken darüber gemacht. „So geht Radförderung in Aachen“, ätzen verärgerte Radfahrer. Auch Siepmann findet die Situation „eklig“.

Für den linken Oppositionspolitiker war schon vor der Tour klar, dass in Aachen mehr getan werden muss, um den Radverkehr zu fördern und die Verkehrswende einzuleiten. Jetzt sieht er sich bestätigt: Die Kreuzungen müssen dringend sicherer werden, sagt er, auch eine bessere Markierung der Radwege hält er für nötig. „Ich wünschte mir etwas mehr Mut, den einen oder anderen Parkplatz wegzumachen und dafür mehr Platz für Radfahrer zu schaffen.“ Er selbst gehöre zwar nicht zu den ängstlichen Radfahrern, aber auch für ihn sei es immer wieder eine Überwindung, in Aachen aufs Rad zu steigen. „Es gibt noch viele gefährliche Stellen“ – und für die Politik „noch viel Steigerungspotenzial“.

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