Aachen/Köln: Aachener Team bei Deutscher Meisterschaft für Heißluftschiffe

Aachen/Köln : Aachener Team bei Deutscher Meisterschaft für Heißluftschiffe

„Klick.“ „Klick.“ Als Kremer die zwei Schnappverschlüsse der Hängertür öffnet, klingt es, als lade er eine Pistole durch. Mit Hilfe eines Kollegen lässt er die Tür langsam auf den rauen Asphalt des stillgelegten Flugplatzes sinken. Im Halbdunkel dahinter zeichnen sich Konturen ab.

Es ist ein Fahrzeug, das wahrscheinlich die wenigsten als solches erkennen würden. Schon gar niemand würde ohne weiteres der Bezeichnung Geschoss zustimmen. Wohl zu Recht, immerhin schafft das Vehikel bei voller Leistung etwa 40 Kilometer in der Stunde. Und doch: Eigentlich müsste man den Gitterrohrrahmen samt Luftsack wohl als Rennfahrzeug bezeichnen. Derzeit bestreitet es einen großen Einsatz am Tegernsee. Ralph Kremer, Heißluft-Luftschiffpilot aus Aachen und vielleicht der aktivste seiner Zunft in der gesamten Republik, will seine Konkurrenz bei der offenen Deutschen Meisterschaft für Heißluftschiffe hinter sich lassen. Am Freitag hat sie begonnen.

Michael Albold von der Herstellerfirma Gefa-Flug stemmt eine Brennereinheit in die Höhe.

Das Tegernseer Tal bildet die Kulisse für den Wettkampf. Zehn Teams werden bis zum 5. Februar um den Titel kämpfen. Die Disziplinen haben Namen wie „Tomo-Hawk-Task“, „Mixed Salad Task“ oder „Curved Task“. Mal kommt es auf Präzision an, mal auf Geschwindigkeit. Start- und Ziel-Tore müssen passiert, Wende-Masten umrundet werden. Zentimetergenau müssen kleine farbige Sandsäckchen in ein Ziel geworfen oder das Luftschiff in einem kleinen aufgemalten Quadrat aufgesetzt werden.

Viele der Aufgaben spielen sich nicht in großen Höhen ab, die gut 40 Meter langen Luftschiffe werden nah über dem Boden manövriert. Daneben hat der Veranstalter laut Hochglanzprospekt auch einen Langstreckenflug von mehr als zehn Kilometern „über eine ausgewiesene Route mit zwei oder mehr Aufgaben (bekannt oder geheim)“ im Portfolio.

Zwei Wochen vorher, auf der Basis von Kremers Arbeitgeber „air graphic cologne“ am einstigen Flugplatz Butzweilerhof in Köln: Was der Luftschiffpilot als Dampfkegel aus seinem Mund bläst, ist nicht genau zu erkennen. Es mag sein Atem sein oder der Rauch einer Zigarette, die er routiniert zwischen seinen Fingern balanciert. Die Handgriffe beim Ausladen des Hängers sitzen, die Hände wissen wohin, kennen die Reihenfolge. Zig Mal haben die vier Männer die gleichen Operationen durchexerziert.

„Ein Extra-Training vorher ist nicht nötig“, ruft Kremer und blickt zu einem Hochgewachsenen in schwarzer Windjacke — Besatzungsmitglied David Hasenclever. Der nickt. Zusammenbauen ist kein Thema. Beim Betrieb beginnt der Spaß. Berufspilot Kremer weiß, wie das Luftschiff zu steuern ist. Bei regulären Werbeflügen haben die Männer natürlich schon Präzisionsübungen trainiert. Aber die Wetterverhältnisse vor Ort „kann eh niemand vorhersehen.“ Zu viel Wind, und die ganze Chose wird abgeblasen.

Das Wetter spielt eine zentrale Rolle. Morgens erhalten alle Piloten ein sogenanntes Briefing mit einer ausführlichen Wetterberatung. Wenn zu starker Wind oder Niederschläge die Luftschiffe nicht am Boden halten, werden Informationen zu Startreihenfolge, Fahrtstrecke und Aufgaben herausgegeben. Die Crews — maximal drei Mitglieder, wobei Pilot und Luftschiff nicht ausgetauscht werden dürfen — haben dann 30 Minuten, um sich zu besprechen.

Im Taxi weitergefahren

Angefangen hat Kremer (51) seine Piloten-Karriere hinter dem Steuer eines Taxis. Ein Fahrgast hatte von seinem Arbeitgeber erzählt, der gerade Leute suchte. Und Kremer hatte keine Lust, nach Studienabbruch und abgeschlossener Schreinerlehre den Rest seines Lebens Taxi zu fahren. Also heuerte Kremer an und startete als „Spotter“ für Heißluftballons, hat geschaut wo die Ballons landen, um sie zusammenzupacken und abzutransportieren.

Später ist er als Crewmitglied bei ersten Luftschifftouren mitgefahren, wurde Crewchief (Chef am Boden) und machte schließlich den Ballonpilotenschein. Erst nach einer gewissen Zeit durfte er die Zusatzausbildung zum Heißluft-Luftschiffpiloten anschließen. Bei der Deutschen Meisterschaft tritt er mit seiner Crew von „air graphic cologne“ an. Die Firma, für die Kremer seit sechs Jahren arbeitet, betreibt seit 2005 Luftschiffe zu Werbezwecken.

Wie die Chancen stehen, kann Kremer schlecht einschätzen. „Ich bin mir sehr sicher, dass ich das Schiff unter Kontrolle habe. Ich kann es sehr präzise steuern“, sagt er. „Aber“, schiebt er nach, „wie das unter Wettbewerbsbedingungen sein wird, werden wir sehen.“

Mehr von Aachener Nachrichten