Aachen: Aachener Süden: Rufbus fährt jetzt auf Probe

Aachen : Aachener Süden: Rufbus fährt jetzt auf Probe

Das Dilemma des öffentlichen Nahverkehrs im ländlichen Raum zeigte sich am späten Mittwochabend. Dann nämlich, als sich ein Gelenkbus der Linie 11 auf dem Weg nach Schleckheim durch die engen Seitenstraßen von Walheim quälte — mit einem einzigen Fahrgast an Bord. Angesichts dessen drängt sich die Frage geradezu auf, ob Angebot und Bedarf hierbei in einem vernünftigen Verhältnis stehen, weswegen die Aseag schon im Dezember vergangenen Jahres den Rufbus Netliner im Aachener Südraum einführen wollte.

Bei einer Bürgerinformation hatte sich aber so viel Widerstand dagegen geregt, dass das Vorhaben kurzerhand verschoben wurde. Seither verkehrt zwar zu den Randzeiten ein Netliner auf dem Weg der Linie 16, dies aber im Pendelbetrieb mit festen Fahrzeiten. Mit einer Testphase will das Verkehrsunternehmen nun einen neuen Versuch starten, den Bürgern im Südraum den flexibel fahrenden Netliner schmackhaft zu machen. Ab 19. August soll jetzt während drei Monaten — parallel zum vorerst weiterhin bestehenden Pendelbetrieb — ein zusätzlicher Rufbus zum Testen zur Verfügung stehen. Dessen Bedienungsgebiet erstreckt sich von Lichtenbusch über Sief, Schmithof, Friesenrath, Walheim, Nütheim und Schleckheim.

Als am Mittwochabend die Verwaltung der Stadt Aachen und die Aseag das neue Vorhaben bei einer Informationsveranstaltung in Schmithof präsentierten, taten sich dennoch viele der Anwesenden schwer damit. So wurde etwa die Befürchtung geäußert, dass damit mittelfristig die bisherigen Buslinien mit ihren festen Fahrzeiten vollständig durch den Netliner ersetzt würden. Uwe Müller vom Fachbereich Verkehrsmanagement der Stadt verwies indes auf die guten Erfahrungen, welche man mit dem Rufbus in Monschau und Umgebung gemacht habe.

Misstrauen bleibt

Ebenfalls bemängelt wurde das Buchungssystem, das eine vorherige Registrierung über Smartphone, Internet oder per Telefon erfordert. Einerseits wegen der dabei erhobenen Daten, andererseits würden durch den technischen Aufwand gerade ältere Leute abgeschreckt, wie von mehreren Bürgern kritisiert wurde. Der Netliner soll schließlich im flexiblen Betrieb keinen festen Fahrzeiten mehr folgen, sondern muss mindestens 30 Minuten vor der gewünschten Abfahrt per Telefon oder im Internet gebucht werden.

Damit seien kürzere Fahrtzeiten möglich und es könnten Haltestellen individuell angefahren werden, die ansonsten nicht bedient würden, wie Birgit Brand von der Aseag betonte. Zudem seien die Busse mit ihren zehn Sitz- und elf Stehplätzen sowie einer Klapprampe für Kinderwägen, Rollstühle und Rollatoren gut für die Anforderungen in den dünn besiedelten Gebieten ausgelegt.

Das Misstrauen der Anwesenden wollte sich aber auch an diesem Abend nicht richtig vertreiben lassen. Von Diskriminierung der Menschen in Randgebieten war die Rede, und von unzureichender Anbindung an die Schnellbuslinien 63 und 68, die direkt in die Innenstadt fahren. So wird wohl erst der Testbetrieb ab August zeigen, ob der Netliner im Südraum doch noch eine Zukunft hat.

Jetzt werden Testfahrer gesucht

Aseag und Stadt suchen Fahrgäste, die im Aachener Süden den Rufbus NetLiner testen. Die dreimonatige Testphase läuft vom 19. August bis zum 11. November. In dieser Zeit kann der Rufbus — zusätzlich zum festen Linienangebot — sonntags zwischen 8 und 23 Uhr kostenlos genutzt werden. Für die Testphase muss man sich vorher bei der anmelden. Das geht online über www.aseag.de oder per Postkarte, die im Bezirksamt Kornelimünster/Walheim zu bekommen ist. Anmeldeschluss ist der 22. Juni 2018.

Geplant ist, das NetLiner-System im Aachener Süden im Jahr 2019 an Sonntagen für alle einzuführen. Dann soll er sonntags regulär zwischen 8 und 23 Uhr eingesetzt werden.

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