Aachen: Aachener Staranwalt fühlt sich verfolgt

Aachen : Aachener Staranwalt fühlt sich verfolgt

Die Neuauflage eines Betrugsprozesses gegen einen ehemaligen Aachener Staranwalt startete am Montag vor einer kleinen Berufungskammer des Aachener Landgerichts unter dem Vorsitz von Richter Christian Bülte.

Nach wie vor, das machte der inzwischen 85-jährige Aachener Jurist deutlich, fühle er sich bereits seit Jahren durch die Anklägerin, Oberstaatsanwältin Jutta Breuer, auf Schritt und Tritt verfolgt. Aus seiner Sicht zu Unrecht.

Die Abneigung der Oberstaatsanwältin mit dem Hauptressort Organisierte Kriminalität (OK) gegen ihn rühre aus den jahrelangen Auseinandersetzungen rund um die nach wie vor zum größten Teil nicht wieder aufgetauchten Millionen aus der Reemtsma-Entführung, machte sich der Anwalt am Montag Luft. Er hatte in den Jahren nach der Entführung des Hamburger Millionärs den zu mehr als zwölf Jahren Haft verurteilten Entführer Thomas Drach vertreten. Immer wieder führten die Spuren des Geldes unter anderem in die Aachener Umgebung, da auch Mittäter des aus der Kölner Region stammenden Entführers Drach hier lebten. Sie wurden bereits vor etwa zehn Jahren rechtskräftig verurteilt.

Doch im vorliegenden Fall geht es „nur“ um rund 100 000 Euro, die der Anwalt nach Meinung der Anklägerin in Übereinstimmung mit der im Jahr 2014 wegen Betruges rechtskräftig zu viereinhalb Jahren Haft verurteilten Kölnerin Ingrid S. beiseite geschafft haben soll. Der Anwalt wurde als Gehilfe betrachtet, in einem darauf folgenden Prozess vom Aachener Amtsgericht aber freigesprochen. Oberstaatsanwältin Jutta Breuer legte Berufung in dieser Sache ein, sie hatte eine Haftstrafe von einem Jahr und zehn Monaten gefordert.

Die Geschichte rund um den Anwalt und die Betrügerin liest sich wie ein Filmstoff. Hintergrund war ein angeblich in der Schweiz ruhendes Vermögen, das der erfahrene Aachener Anwalt im Auftrag der Kölnerin wieder ans Licht bringen sollte. Zwar hatte er vom zwielichtigen Leumund der Kölnerin gehört. Doch die Geschichte, das sagte er jetzt noch im Berufungsverfahren, habe für ihn so viele wahrhaftige Mosaiksteine aufgewiesen, dass er mit Überzeugung sein eigenes Geld in die Sache gesteckt habe.

Denn die Kölnerin hatte immer wieder Bargeld eingefordert, um angeblich das Konto in der Schweiz wieder flott machen zu können. Das Ganze sprach sich über den Anwalt in einer gewissen Aachener Szene herum. Die potenziellen Anleger wurden mit erheblichen Renditeversprechungen geködert. Der Anwalt legte am Montag beim Start der neuerlichen Beweisaufnahme vor der Kammer — er wird hier von den Anwälten Osama Momen und Norbert Hack vertreten — dar, dass er das Geld in bester Absicht gesammelt und auch sofort an die vermeintlich Kölner Erbin weitergeleitet habe. „Ich bin hier selber Opfer, ich habe als erster gezahlt“, gab er zu Protokoll. Und der 85-Jährige, der heute von einer kleinen Rente lebt, versicherte der Kammer: „Ich bin überzeugt, dass da immer noch Geld liegt“.

Oberstaatsanwältin Breuer hielt dagegen: Er hätte wissen müssen, dass die von der Kölnerin zugesagten Renditen von bis zu 300 Prozent nicht sauber sein können. Außerdem habe er davon ausgehen müssen, dass das „inkriminiertes Geld, also Geld aus Betrugstaten“ gewesen sei.

Der Prozess geht am 16. Mai vor dem Landgericht weiter.