Aachen: Aachener SPD stürzt dramatisch ab

Aachen: Aachener SPD stürzt dramatisch ab

Erstmals in der Geschichte der Stadt wird Aachen von vier Bundestagsabgeordneten vertreten. Rudolf Henke holt nach elf Jahren wieder das Direktmandat für die CDU, die deutlich unterlegene SPD-Konkurrentin Ulla Schmidt schafft den Wiedereinzug über die Parteiliste, und auch Petra Müller (FDP) und Andrej Hunko (Linke) können dank einer guten Listen-Platzierung ein Ticket nach Berlin buchen.

Ein historisches Ergebnis für die Stadt - ein historisches auch für die SPD, die noch nie so dramatische Verluste (-10,8 Prozent) verkraften musste. Spät, sehr spät erst trat Ulla Schmidt den Weg in die Aula Carolina an, wo die Stadt ihr offizielles Informationszentrum eingerichtet hatte, in dem traditionell die Parteispitzen den Wahlausgang verfolgen und kommentieren.

Den dramatischen Liebesentzug der Aachener - 16600 Stimmen weniger als vor vier Jahren - erklärt sich Ulla Schmidt nicht zuletzt mit einem allgemeinen Trend gegen die SPD. Regelrecht erschreckt aber zeigte sie sich über die niedrige Wahlbeteiligung - vor allem auch in den einstigen Hochburgen der Aachener SPD.

„Wir haben unseren Wählern nicht klarmachen können, wie wichtig diese Wahl ist”, sagt sie. Die Tragweite der Entscheidung hin zu Schwarz-Gelb sei vielen offenbar nicht klar. Etwas Positives konnte sie dem Ergebnis aber doch abgewinnen: Dass die rechtsextreme NPD in Aachen nahezu bedeutungslos ist.

Nach fast neun Jahren im Amt muss Ulla Schmidt als Gesundheitsministerin abtreten. „Es ist ein Amt auf Zeit, damit muss man immer rechnen”, sagt sie. Sie könne auf eine sehr spannende Zeit zurückblicken, in der sie viel bewegt habe: Die Kassen seien saniert, das Solidarprinzip ausgebaut, eine Versicherungspflicht erreicht worden.

Nun wird sie auf den harten Bänken der Opposition Platz nehmen müssen und dort mit daran arbeiten müssen, die SPD aus dem Tal der Tränen wieder herauszuführen.

Pure Freude im anderen politischen Lager. Er freue sich auf Berlin, sagt Rudolf Henke, der dort am Dienstag an seiner ersten Sitzung teilnehmen wird. Unbekannt ist ihm die Stadt nicht. Als Chef der Ärztevertretung Marburger Bund wisse er, wie „die Klinken” dort zu öffnen seien.

Unterdessen konnte Armin Laschet am Sonntag für sich verbuchen, in diesem Jahr als CDU-Parteichef alles richtig gemacht zu haben: Europawahl, Kommunalwahl, Oberbürgermeisterwahl, Bundestagswahl - „alles gewonnen, was zu gewinnen war”, strahlte er.

Und nebenbei gab es für ihn auch eine ganz persönliche Genugtuung: Auf den Tag genau vor elf Jahren hatte er den Kampf ums Direktmandat verloren. Henke habe „irre gearbeitet” - und ist nun belohnt worden.

Die einzigen wirklichen Gewinner des Abends sind hingegen die einstigen Kleinen, von denen zumindest FDP und Grüne zu ansehnlichen „Mittleren” herangewachsen sind. „Sehr glücklich” sei sie über das Aachener Ergebnis, sagte Petra Müller. Sie führt das auch auf ihr klares Bekenntnis zu Schwarz-Gelb zurück. „Die Bürger honorieren das.” Schon heute fliegt sie nach Berlin.

Zu den Gewinnern zählt auch der grüne Spitzenkandidat Jochen Luczak, der gleichwohl seinen Job als Geschäftsführer der Grünen in Aachen behalten wird. Er konnte sowohl das Erst- als auch das Zweitstimmenergebnis seiner Partei verbessern. „Wir sind für Aachen zufrieden.” Das Ziel, Schwarz-Gelb zu verhindern, sei jedoch „leider” verfehlt worden.

Mit Bedauern nimmt dies auch Andrej Hunko zur Kenntnis, der sich gleichwohl über ein „großartiges Ergebnis” für die Linke in Aachen freuen konnte. Sechs plus x Prozent, hatte er erwartet, 8,4 Prozent sind es geworden. Für ihn gelte es nun, in einer „starken linken Opposition” die erwartet „massiven Angriffe” auf die sozialen Sicherungen der Bundesrepublik abzuwehren.

Bevor Hunko am Freitag als neuer Bundestagsabgeordneter nach Berlin fahren wird, fliegt er zunächst nach Dublin, um das EU-Referendum der Iren zu unterstützen.