Aachener sind mit ihren Weihnachtsgeschenken zufrieden

Einzelhandel in Aachen : Schöne Bescherung: Geschenke werden seltener umgetauscht

Die Aachener Innenstadt ist zwar auch „zwischen den Jahren“ gut besucht, doch nur wenige Menschen kommen in die City, um Weihnachtsgeschenke umzutauschen.

Der Pullover in der falschen Größe, die Handschuhe in der falschen Farbe: Früher galten die Tage „zwischen den Jahren“ als typische Umtausch-Tage. Scharenweise strömten die Menschen in die Stadt, um Geschenke loszuwerden, mit denen sie aus irgendeinem Grund nichts anfangen konnten. Das hat sich offenbar geändert.

„Es werden tatsächlich weniger Weihnachtsgeschenke umgetauscht als früher“, sagt Jörg Hamel, Geschäftsführer des Handelsverbands Nordrhein-Westfalen, auf Anfrage unserer Zeitung. Der Grund: „Mehr als 50 Prozent aller Geschenke sind mittlerweile Gutscheine oder Geld“, erklärt Hamel. Das sei zwar weniger romantisch, dafür laufe man aber nicht Gefahr, etwas zu verschenken, das nicht ankommt. „Der Beschenkte kann sich sozusagen selbst beschenken.“

Hinzu komme, dass viele Geschenke mittlerweile abgesprochen seien, dass sich der Beschenkte etwas ganz Konkretes wünsche. Und selbst wenn das nicht so ist, behalten viele ihre Geschenke trotzdem: „Ich würde meine Geschenke nicht umtauschen wollen“, erzählt eine junge Aachenerin, „die Sachen kamen von meiner Mama, und da sie von Herzen kommen, möchte ich sie auch behalten.“

Wer jetzt in der Innenstadt unterwegs ist, will häufig Geschenkgutscheine einlösen, die unterm Tannenbaum lagen. Foto: Andreas Herrmann

Ob nun etwas von Herzen kommt oder nicht – das Kaufverhalten hat sich geändert, weiß Jörg Hamel: „Früher hat man sich einfach etwas geschenkt, ohne vorher darüber zu sprechen.“ Das konnte dann eine nette, gelungene Überraschung sein. Das konnte aber eben auch in die Hose gehen.

Es gebe lediglich einen Bereich, in dem statistisch immer noch viel umgetauscht werde: Spielwaren. Hamel: „Niemand möchte einem Kind einen Gutschein oder Geld unter den Weihnachtsbaum legen. Kinder wollen etwas haben, das sie gleich benutzen können.“ Das führe dazu, dass immer mal wieder ein Umtausch vorgenommen würde, wenn beispielsweise ein Brettspiel zweimal in der Familie ist oder die Barbie doch nicht das richtige Outfit hat. Auch ein Senior aus Inden, der in Aachen zum Einkaufen unterwegs war, beschenkt vor allem lieber die Kleinen: „Ich war dieses Jahr sehr zufrieden“, sagt der Indener im Gespräch mit unserer Zeitung, „in meinem Alter bekommt man auch nicht mehr so viel, sondern schenkt lieber seinen Kindern und Liebsten etwas.“

Doch auch wenn der Umtausch nicht mehr die große Rolle spielt: Voll ist die Aachener Innenstadt dieser Tage trotzdem. „Klar, die Leute tauschen ihre Gutscheine ein“, sagt Hamel.

Eine kurze Umfrage in der Innenstadt bestätigt diesen Eindruck: „Ich habe meine gewünschten Geschenke alle bekommen, an Weihnachten geht es um Liebe und nicht um den Wert der Geschenke“, sagt beispielsweise Marko Bischof aus Eschweiler, der zum Einkaufen nach Aachen gekommen war. Sein Geschenk löst er allerdings erst zu Beginn der kommenden Woche ein: „Ich bin an Silvester in meiner Heimatstadt Berlin, dort machen wir eine Tour mit einem echten Trabant. Das war mein Geschenk und ich freue mich sehr.“

Durchwachsene Bilanz

Rückblickend auf die Vorweihnachtszeit zieht Hamel eine eher durchwachsene Bilanz für den Einzelhandel in Aachen. „Ja, die Stadt war voll. Das sieht man auch daran, dass die Anzahl der Reisebusse, die den Weihnachtsmarkt ansteuern, genauso hoch war wie im vergangenen Jahr“, so Hamel. Die Leute kämen eben in die Innenstadt, um den Weihnachtsmarkt zu genießen und einen kleinen Bummel zu machen. „Doch das klassische Geschenkekaufen spielt nicht mehr die große Rolle“, so Hamel. Den Advent über habe man eigentlich darauf gesetzt, dass die Leute einfach später einkaufen als früher, doch auch kurz vor Weihnachten sei der erhoffte Run auf die Läden ausgeblieben.

Der Grund ist klar: Viele Menschen bestellen ihre Geschenke mittlerweile im Netz, und zwar nicht erst kurz vor Weihnachten. „Ich denke, dass gerade die Menschen, die planvoll Geschenke kaufen, bereits im November online shoppen“, sagt Hamel. Aktionen wie der sogenannte „Black Friday“, bei dem Online-Versandhändler mit großen Rabattaktionen locken, würden das Kaufverhalten beeinflussen.

Wird es also bald keine Weihnachtseinkäufer in der Innenstadt mehr geben? Hamel winkt ab: „Den Last-Minute-Shopper wird es immer geben“, sagt er. Gerade kleine Geschenke wandern oft auf den letzten Drücker über die Ladentheke. Besonders wichtig seien die Tage vor Weihnachten für den Lebensmittelhandel.

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