Aachen: Aachener Sexualstraftäter verurteilt: Sicherungsverwahrung nach der Haft

Aachen : Aachener Sexualstraftäter verurteilt: Sicherungsverwahrung nach der Haft

Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern in mindestens einem Fall und Vergewaltigung eines Erwachsenen sowie dem Besitz kinderpornografischer Dateien ist am Montag der 21-jährige André P. aus Aachen zu fünf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden.

Die Staatsanwaltschaft hatte sechs Jahre beantragt. Zudem verfügte die 5. Große Strafkammer am Aachener Landgericht für den einschlägig vorbestraften Angeklagten, der die Taten im vergangenen Jahr unter der Führungsaufsicht der Behörden begangen hatte, die anschließende Unterbringung in der Sicherungsverwahrung.

André P. war bereits 2014 wegen Kindesmissbrauchs zu einer dreijährigen Jugendstrafe verurteilt worden und befand sich nach seiner Haftentlassung im vergangenen Jahr im sogenannten „KURS“-Programm (Konzeption zum Umgang mit rückfallgefährdeten Sexualstraftätern) des Landes, das scharfe Bestimmungen für solche Entlassenen formuliert.

Unter anderem darf sich ein solcher Straftäter unter keinen Umständen im Umkreis von Jugendlichen oder Kindern aufhalten, heißt es in den Bestimmungen, die die Vorsitzende Richterin Regina Böhme in der Urteilsbegründung ins Gedächtnis rief.

Und genau das ignorierte André P. völlig. Inzwischen hatte er ab Mitte 2017 einen Aushilfsjob bei einer Fastfood-Kette angenommen und machte sich damit anscheinend interessant bei einer Clique von Heranwachsenden im Aachener Kennedypark. Über hilfsbereite Bekannte hatte P. verschiedene Möglichkeiten zum Wohnen erhalten, eine davon war ein Kellerverschlag in der Elsassstraße.

Sexuelle Handlungen

Dort kam es nach den Feststellungen des Strafgerichts zu sexuellen Handlungen an einem zwölfjährigen Jungen, dem der Angeklagte mit noch anderen, jüngeren Gefährten, unter anderem in der Nacht vom 3. auf den 4. September 2017 ein Unterkunft angeboten hatte. Bereits vorher hatte die Gruppe oder Teile davon bei dem 21-Jährigen übernachtet.

Auch da soll es bereits zu Übergriffen gekommen sein. Doch die Kammer sah als durch Zeugen und Aussagen bestätigten Fall alleine die sexuellen Übergriffe auf den zwölfjährigen Jungen als erwiesen an.

Das Opfer sei wie auch der Täter in „bindungsarmen sozialen Strukturen“ aufgewachsen, hieß es. Insbesondere der Täter sei schon früh — etwa ab dem fünften Lebensjahr — immer wieder durch „sexualisierte Handlungen“, so Böhme, aufgefallen. E wuchs vornehmlich in Heimen auf.

Die Beschreibungen des Opfers über die erfolgten sexuellen Handlungen seien schlüssig und in sich glaubhaft gewesen, so die Kammer. Denn André P. wies mehrfach im Verfahren die Anschuldigungen energisch von sich. Er habe einfach nur Gesellschaft haben und den Kindern aus dem Kennedypark ein Dach über dem Kopf bieten wollen, sagte er.

Nach diesen Übergriffen wurde P. am 4. September verhaftet und in die U-Haft überführt. Hier nun vergewaltigte er nach Überzeugung des Gerichts am 17. Dezember einen Mithäftling, der mit in seiner Zelle lag.

Sein Verteidiger, Rechtsanwalt Peter Schäfer, hatte bezüglich der vorgeworfenen Sexusalstraftaten einen Freispruch gefordert, alleine der Besitz der pornografischen Dateien auf dem Laptop des Angeklagten sei mit einer Geldstrafe zu ahnden, sagte Schäfer. Auch bei diesem Tatkomplex hatte P. behauptet, die Dateien seien ihm im Bereich eines freien Wlan-Hotspots böswillig von anderen auf seinen Laptop heruntergeladen worden.

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