Aachener Schülerinnen zeigen Dracula-Musical

Vampir-Musical in St. Ursula : Schülerinnen mit spitzen Zähnen

Die Vorbereitungen für das nächste Stück des Musicality-Projekts am Aachener St.-Ursula-Gymnasium laufen auf Hochtouren. Diesmal geht es um den Vampir Dracula.

Künstlicher Nebel wabert über die Bühne in der Aula des St.-Ursula-Gymnasiums. Emely Pelka ist kaum wiederzuerkennen. Die Schülerin sitzt, monströs geschminkt, ihrer Schulkameradin Isabel Siewert an einem langen Tisch gegenüber. Beide starren sich an. Es ist die Eröffnungsszene des neuen Musicality-Stücks „Dracula“, das am 1. Februar 2019 Premiere in der Schule feiert. Emely ist der unheimliche Graf aus Transsilvanien, Isabel sein Erfinder Stoker. Später räkeln sich Vampirinnen auf diesem Tisch, die Irren haben ebenfalls ihren Auftritt. Die Proben laufen auf Hochtouren.

Dreieinhalb Stunden Proben

Musicality ist – wenn auch eingebettet in ein kulturelles Profil der Schule – eigentlich eine Arbeitsgemeinschaft wie Volleyball oder Fußball: freiwillige Beschäftigung am Nachmittag. Doch tatsächlich bedeutet die Musical-AG deutlich mehr im Schulleben des katholischen Mädchen-Gymnasiums. Die wöchentlichen Proben sind nicht nur intensiv, sondern auch lang. „Für ‚Dracula‘ haben wir die Probenzeit auf dreieinhalb Stunden ausgedehnt“, berichtet Judith Kemmann, die neben der Regie auch noch die Maskerade-AG führt – parallel zur ihrem eigentlichen Lehrerinnen-Job. „Das Anstrengendste daran ist der Freitagmorgen“, lacht sie und fügt etwas ernster hinzu: „Wir müssen uns immer wieder fragen, wie viel wir einem Schulbetrieb zumuten können.“

Rund 80 der 600 Schülerinnen sind jedes Jahr dabei, auch 15 Lehrerinnen und Lehrer sind involviert. Die 14- bis 18-Jährigen investieren viel. Aber viele brennen auch darauf, in der 8. Klasse endlich zum Casting gehen zu können. Und so manche Ehemalige kommt von „Musicality“ nicht los. Sophie Lemburg hat 2017 Abitur gemacht und studiert mittlerweile in Göttingen. Alle zwei Wochen setzt sie sich für fünf Stunden in den Zug, um am Donnerstagabend in der Aula ihrer alten Schule hinter der Bühne mit den Requisiten parat zu stehen. Leonie Middel absolviert seit ihrem Abitur in diesem Jahr ein duales Sportstudium in Köln und bei einem Aachener Fitnessstudio. Für die teilweise aufwändige Maske des Dracula tauscht sie Schichten und jongliert ihre Uni-Termine hin und her. Beiden habe das „Gefühl der Musicality-Gemeinschaft gefehlt“. Sie und viele andere Ex-Schülerinnen wollten wieder Teil des Ganzen sein, wenn auch jetzt hinter der Bühne. „Die Bühne gehört definitiv den aktuellen Schülerinnen“, machen Kemmann und Schulleiter Patrick Biemans – er schreibt stets sämtliche Lieder selbst und unterstützt beim Libretto und in der Regie – in dieser Hinsicht auch keine Kompromisse.

Die Mädchen tun dies übrigens in anderer Hinsicht ebenfalls nicht: Auch die Probe am letzten Schultag vor Weihnachten wollen sie voll durchziehen. Das Votum war eindeutig. Zu heilig scheint ihnen der Donnerstagabend-Termin, als dass sie ihn für einen früheren Ferienbeginn opfern würden. Außerdem ist das zweieinhalbstündige Stück nichts, was sich schnell runterspielen lässt. Tanzen, singen, spielen – Biemans und Kemmann stellen die Schülerinnen durchaus vor Hürden. „Es ist gut, wenn die Mädchen Routine bekommen – das funktioniert am besten bei mehreren Durchläufen.“

Nach zehn Jahren ist die Zeit reif

St. Ursula hat „Dracula“ bereits 2008 auf die Musicality-Bühne geholt. „Nach zehn Jahren war die Zeit mal wieder reif“, meint Biemans. Aber natürlich ist die Inszenierung nicht dieselbe. Dieses Mal spielt der Dracula-Erfinder Stoker eine wesentliche Rolle. Dennoch scheinen sich viele noch an den Erfolg von damals zu erinnern und besorgten sich frühzeitig Karten. Mit dem Ergebnis, dass bereits alle regulären Vorstellungen ausverkauft sind. „Und das sind nicht nur Eure Omas“, ließ Biemans die Mädchen wissen.

Eine Zusatzvorstellung ist bereits für den 7. Februar um 18 Uhr angesetzt, die ebenfalls bereits zur Hälfte verkauft ist. „Wir werden uns irgendetwas einfallen lassen, aber viel mehr als die sieben Vorstellungen sind im Schulbetrieb nicht möglich“, so Biemans. Musicality ist eben eine Herausforderung – für alle Beteiligten.

www.musicality-aachen.de

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