Aachen: Aachener Rosenmontagszug: Bunt, bitterkalt und ein bisschen neu

Aachen: Aachener Rosenmontagszug: Bunt, bitterkalt und ein bisschen neu

„Schön, aber sehr kalt.“ Egal, welchen Teilnehmer des Rosenmontagszuges man auch fragte, so lautete das häufigste Fazit nach den knapp acht Kilometern quer durch die Stadt vom Start auf dem Adalbertsteinweg bis zur Auflösung auf dem Templergraben.

Temperaturen von nur wenigen Graden über den Gefrierpunkt waren in der Tat die Konstante während des rund fünfeinhalbstündigen Zuges. Dazu gab es zu Beginn Sonnenschein, mittendrin dunkle Wolken, Wind und sogar etwas Schnee und am Ende — als Prinz Mike I. gegen 16.25 Uhr das Rathaus auf dem Aachener Markt passierte — lachte sogar wieder die Sonne.

220 000 Menschen zählten Polizei und Veranstalter entlang des knapp acht Kilometer langen Zugweges quer durch die Stadt. Sie jubelten vor allem Prinz Mike I. (unten links) zu, tanzten und sangen aber auch gemeinsam mit den 4 Amigos Stefan Beuel, Dietmar Ritterbecks sowie Uwe und René Brandt (unten Mitte), die erstmals am Zug teilnahmen. Mit einem Großaufgebot waren auch die Streetscooter dabei. Alle Foto: Andreas Herrmann

220.000 Zuschauer hatten bei diesem Wetter den Weg zum Zug gefunden und jubelten den mehr als 4000 Teilnehmern aufgeteilt auf exakt 169 Gruppen zu.

220 000 Menschen zählten Polizei und Veranstalter entlang des knapp acht Kilometer langen Zugweges quer durch die Stadt. Sie jubelten vor allem Prinz Mike I. (unten links) zu, tanzten und sangen aber auch gemeinsam mit den 4 Amigos Stefan Beuel, Dietmar Ritterbecks sowie Uwe und René Brandt (unten Mitte), die erstmals am Zug teilnahmen. Mit einem Großaufgebot waren auch die Streetscooter dabei. Alle Foto: Andreas Herrmann

Zwischenfälle gab es bis zum frühen Abend keine. Im Mittelteil hatten sich einige Lücken im Zug eingeschlichen, dennoch zog Zugleiter Günter Hintzen eine zufriedene Bilanz: „Es ist alles reibungslos verlaufen.“ Die Lücken im Zug könnten halt passieren, vor allem dann, wenn so viele Fußgruppen dabei seien. „Die bleiben mal stehen, tanzen und unterhalten sich mit den Jecken am Straßenrand“, berichtete Hintzen, und das sei auch gut so, denn: „Die Fußgruppen sind eine Bereicherung für den Karneval.“ Außerdem habe man die Lücken wieder aufgeholt. „Der Zug war eine halbe Stunde schneller durch als im vergangenen Jahr“, sagte der Zugleiter.

220 000 Menschen zählten Polizei und Veranstalter entlang des knapp acht Kilometer langen Zugweges quer durch die Stadt. Sie jubelten vor allem Prinz Mike I. (unten links) zu, tanzten und sangen aber auch gemeinsam mit den 4 Amigos Stefan Beuel, Dietmar Ritterbecks sowie Uwe und René Brandt (unten Mitte), die erstmals am Zug teilnahmen. Mit einem Großaufgebot waren auch die Streetscooter dabei. Alle Foto: Andreas Herrmann

Anders als beim Rosenmontagszug in Köln gab es auch keine Zwischenfälle mit den rund 40 eingesetzten Pferden. Während in Köln eine Pferdekutsche durchgegangen war und mehrere Menschen verletzt wurden, erreichten in Aachen alle Tiere wohlbehalten das Ziel. Um es für die Pferde weniger stressig zu machen, hatte der Festausschuss Aachener Karneval (AAK) mit Ausnahme von vier Kutschenpferden der Prinzengarde sämtliche Tiere an den Zuganfang gesetzt, so dass sie schon um kurz nach 13 Uhr den Weg hinter sich hatten.

Katharina Menne und Robert Esser moderierten erstmals den kompletten Rosenmontagszug für die Liveübertragung unserer Zeitung per Stream bei Facebook. Foto: Andreas Herrmann

Der ganze Zug live im Internet

Neben den traditionell eingesetzten Pferden gab es auch einige Neuerungen. So übertrug unsere Zeitung den kompletten Zug erstmals im Internet. Außerdem hatte der AAK erstmals digitale Zuginfos per App zur Verfügung gestellt, wovon bei den Jecken am Straßenrand und natürlich bei den Moderatoren auf den verschiedenen Tribünen reger Gebrauch gemacht wurde.

Anlässlich des diesjährigen Mottos „Os Kultur es ieschte Wahl — met et Mönster än d‘r Karneval“ feierte auch das Domkapitel mit mehr als 100 Teilnehmern samt Dompropst Manfred von Holtum in diesem Jahr Premiere. Und neben den vielen Spielmannszügen waren erstmals auch einige Livemusikgruppen im Zug unterwegs — wie die Rumtreiber oder auch die 4 Amigos. Sehr zur Freude von AAK-Präsident Frank Prömpeler: „Vielleicht macht das ja Schule“, sagte er am Rande des Zuges. Er freute sich vor allem über die große Zahl an Privatgruppen, die die besondere Atmosphäre des Aachener Zuges ausmache, und darüber, dass nach dem letztjährigen Hochschulmotto die Fachhochschule auch in diesem Jahr wieder mit ihrem Wagen mit dabei war — FH-Rektor Marcus Baumann inklusive. „Für nächste Jahr wünsche ich mir mehr Mottowagen“, sagte Prömpeler. Der AAK habe da bereits etwas in Vorbereitung, kündigte er an — freilich ohne mehr zu verraten.

Oberbürgermeister Marcel Philipp hatte den Zug als Ehrenkommandant der Oecher Penn den Zug wie immer gemeinsam mit der Stadtgarde absolviert. „Die Stimmung in der Stadt ist super“, wusste er anschließend — wenig überraschend — zu berichten. Natürlich sei der Kinderkostümzug am Tulpensonntag für ihn als Vater des Märchenprinzen Julius I. etwas besonderes gewesen, aber auch am Rosenmontags hatte Philipp viel Spaß, vor allem weil „die Tendenz die Richtige ist“, sagte er mit Blick auf die Neuerungen wie die AAK-App, das Domkapitel, die große Gruppe von Streetscooter oder auch die 4 Amigos. „Der Karneval braucht Menschen, die Ideen haben, die Innovationen voran bringen und sagen, dies oder jenes könnten wir mal machen“, sagte der OB. Und diese Leute gebe es zum Glück im Aachener Karneval.

Großes Lob vom Ex-Prinzen

Und das, obwohl in diesem Jahr einige den Rosenmontagszug letztmals in Amt und Würden erlebten, wie Penn-Kommandant Jürgen Brammertz oder auch Thomas Sieberichs, Präsident der Duemjroefe. „Ich habe den Zug genossen“, sagte er anschließend. Wehmut sei nicht dabei gewesen, schließlich bleibe er dem Karneval und den Duemjroefen ja erhalten. „Ich werde den Rosenmontagszug künftig nur anders genießen als bisher — vielleicht mit weniger Arbeit, dafür mehr Party“, sagte der Karnevalsprinz von 2013.

Damals war übrigens ein gewisser Michael Foellmer der Till in seinem Hofstaat. Heute ist er der aktuelle Prinz Mike I., und Thomas Sieberichs ist total begeistert von ihm. „Er absolviert eine fantastische Session“, lobt der Ex-Prinz. „Aber das war damals schon klar, dass er auch einmal Prinz werden würde“, erinnert sich Sieberichs.

Und jetzt ist er es. Allerdings nur noch heute, denn der Rosenmontagszug ist vorbei.

Wer den Zug verpasst hat und sich alle Truppen noch einmal in Ruhe ansehen möchte, findet hier die Aufzeichnung:

Mehr von Aachener Nachrichten