Aachen: Aachener Ratsparteien rücken keinen Millimeter von Gesamtschulplänen ab

Aachen: Aachener Ratsparteien rücken keinen Millimeter von Gesamtschulplänen ab

„Wir haben die Aussagen von Regierungspräsident Hans Peter Lindlar aus der Presse zur Kenntnis genommen und freuen uns auf sein Gesprächsangebot.” Betont sachlich reagierte Christdemokrat Harald Baal auf die Schelte des RP.

Lindlar hatte einen Tag zuvor den rot-grün-schwarzen politischen Entscheidungsträgern in Aachen „eine laienhafte Kenntnis der Schulsituation” attestiert und sich deutlich gegen eine vierte Gesamtschule und damit gegen die Schließung der Hauptschule Aretzstraße, Hugo-Junkers-Realschule und Geschwister-Scholl-Gymnasium ausgesprochen.

Die Reaktion der gestaltenden Aachener Politk folgte auf den Fuß: Am Donnerstag meldeten sich die Fraktionsvorsitzenden öffentlich zu Wort.

„Unsere Bewertung der Schulsituation bleibt unverändert”, konstatierte Christdemokrat Harald Baal nüchtern. Das heißt: SPD, Grüne und CDU wollen nach wie vor alle Schulabschlüsse im Osten der Stadt in Form einer vierten Gesamtschule erhalten.

Der aktuelle Status Quo der Schulen sei auf Dauer nicht bedarfsgerecht, sagte Baal, vor allem das Geschwister-Scholl-Gymnasium sei „mit nur 40 Anmeldungen in schwerer Not auf hoher See”.

In Rage

Es sei „schwierig”, dass Lindlar bei seiner „Goodwill-Tour” in Aachen solche Aussagen gemacht hätte, hielt sich Baal mit Kritik an seinem Parteifreund Lindlar merklich zurück.

Deutlicher wurde da schon SPD-Fraktionsvorsitzender Heiner Höfken: „Ich kann nicht akzeptieren, dass der RP sich so äußert. Das ist eine Unverschämtheit. Meine Kenntnis der Aachener Schullandschaft ist umfangreicher als die von Lindlar.”

Außerdem, so Höfken, einmal in Rage, fühle man sich vom RP „schon lange im Stich gelassen”.

„Laienhaft”, so Michael Rau, Fraktionssprecher der Grünen, sei Lindlars Festhalten am Zustand der Aachener Schullandschaft. „Das Abitur im Ostviertel muss weiterhin möglich sein”, betonte Rau mit Blick auf das gefährdete Geschwister-Scholl-Gymnasium: „Und wir als Rat wollen uns die Entscheidung darüber nicht aus der Hand nehmen lassen.”

Bislang habe man aus Köln durchaus positive Signale Richtung vierte Gesamtschule vernommen, erklärten Baal, Höfken und Rau unisono. Umso überraschter seien sie nun von Lindlars Kehrtwende.

Während Baal von einem „Abstimmungsbedarf innerhalb der Kölner Behörde” sprach, beschrieben Höfken und Rau den Regierungspräsidenten „als verlängerten Arm der Regierung in Düsseldorf”.

Lindlar soll keine Politik machen, sondern seiner Aufgabe als Chef einer „Genehmigungsbehörde” gerecht werden.

Rau: „Da erwarte ich ein anderes Auftreten. Er muss uns Korridore aufzeigen und sagen, was geht und was nicht geht.” Der RP sei nun in der „Bringschuld”.

Schnellstmöglich soll das Gespräch mit Lindlar terminiert werden. Mit diesen Erkenntnissen soll dann am 24. Juni im Rat entschieden werden. Wie? Stand am Donnerstag: „Wir bleiben bei unserem Antrag!”

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