Aachener Netzwerk für humanitäre HIlfe sammelt für Flüchtlinge in Bihać

Sammelaktion : Hilfe für Flüchtlinge in Bosnien

Das Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit sammelt jetzt Hilfsgüter, um rund 6000 Flüchtlinge im bosnischen Bihać noch vor dem Winter mit dem Nötigsten zu versorgen.

Sie leben in Bosnien wie in einer Warteschleife: Rund 6000 Flüchtlinge sitzen derzeit im bosnischen Bihać fest und hoffen, über die Grenze nach Kroatien in die EU zu gelangen. „Die meisten schaffen das nicht“, sagt Giana Haass, Projektleiterin und Kassenwartin beim Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit. „Meistens werden sie an der Grenze zu Kroatien aufgegriffen, und dann nimmt man ihnen ihre Schuhe, ihren Rucksack und ihr Handy ab und schickt sie wieder zurück nach Bosnien“, erzählt sie weiter. So sinken ihre Chancen, es in die EU zu schaffen, auf ein Minimum.

„Bosnien ist mit dieser Situation völlig überfordert“, sagt Haass. Deshalb will das Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe jetzt dafür sorgen, dass die Flüchtlinge aus Ländern wie Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak und Syrien in Bihać zumindest dem harten Winter nicht schutzlos ausgeliefert sind.

„Besonders schlimm sind die Zustände in einem Lager außerhalb Bihaćs, das provisorisch auf einer ehemaligen Müllhalde errichtet wurde“, erzählt Helmut Hardy, erster Vorsitzender des Aachener Netzwerks für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit. „Dort fehlt es einfach an allem“, ergänzt Giana Haass. Vor allem Zelte, Schlafsäcke und Winterkleidung würden dringend benötigt, meint sie weiter. Zwar sorge das örtliche Rote Kreuz für die Grundversorgung, und auch die Bevölkerung tue, was sie könne, um die Not zu lindern, „aber das reicht nicht“, sagt Haass. Bosnien selbst leide noch immer unter den Folgen der Jugoslawienkriege und sei nicht in der Lage, diese schwierige Situation allein zu meistern.

„Wir können den Flüchtlingen in Bihać zwar keine Zukunftsperspektiven bieten, aber wir wollen humanitäre Hilfe leisten“, sagt Haass. Aus dieser Idee ist ein Projekt entstanden, bei dem gleich mehrere Aachener Organisationen ihre Kräfte bündeln. So stellt der Bosnisch-Herzegowinische Kulturverein Aachen-Euregio seine Räumlichkeiten zur Verfügung, um die Sachspenden zu lagern. Die Aachener Ortsgruppe der Studentenorganisation Aiesec unterstützt die Aktion mit Praktikantinnen aus verschiedenen Ländern. Für Khira Fourati aus Tunesien ist das Projekt eine willkommene Gelegenheit, erneut in Aachen zu sein. Sie kennt die Stadt bereits und findet sie sehr schön. Humanitäre Hilfe zu leisten ist für sie ebenso wichtig wie für die beiden anderen Praktikantinnen aus Kolumbien und China.

Sie alle wollen gemeinsam eine Spendenakquisition in ganz großem Stil organisieren. Ein Büro haben die Organisationen im Aachener Welthaus gefunden. Von dort aus wird die gesamte Aktion koordiniert. Und der Verein für bürgerschaftliches Engagement (Beng) übernimmt die Betreuung von Mailing-Listen und Sozialen Medien. Das Rote Kreuz Bihać sorgt schließlich für die Verteilung der Spenden vor Ort.

Benötigt werden vor allem folgende Hilfsgüter: Winterschuhe für Männer in den Größen 40 bis 43, Winterkleidung in den Größen S,M,L, weniger in XL, Regenjacken, Schlafsäcke, Großraumzelte für 8 bis 12 Personen und Hygieneartikel. Die Spenden können beim Bosnischen Kulturverein an der Stolberger Straße 221 abgegeben werden, und zwar dienstags bis freitags von 15 bis 22 Uhr und samstags von 13 bis 22 Uhr.