Aachener Museen widmen sich 2020 dem Besuch Dürers in Aachen

Albrecht Dürer in Aachen : Dürer war hier – und kommt wieder

Er gilt als erster moderner Künstler. Einer, der sich nicht bloß als Handwerker verstand. Und Aachen war ein wichtiger Ort auf seiner letzten großen Reise 1520. Genau 500 Jahre später widmen sich drei Aachener Museen dem schon zu Lebzeiten in ganz Europa bekannten Albrecht Dürer.

In seinen drei Wochen in Aachen hat Albrecht Dürer den Dom besucht, Würfelspiele gespielt, gezeichnet und vor allem den Versuch unternommen, den frisch gekrönten König Karl V. dazu zu bewegen, Privilegien zu erneuern, die er mit dem Tode von Kaiser Maximilian I. eingebüßt hatte. Das Jubiläum dieses Aufenthalts zweier bedeutsamer Männer in Aachen nehmen das Suermondt-Ludwig-Museum, das Centre Charlemagne und das Ludwig Forum zum Anlass für drei große, gemeinsam angelegte Ausstellungen. Das Großprojekt läuft unter dem Titel „dürer/karl v./aachen“ und wird ab Oktober 2020 für drei Monate zu sehen sein. Publikumsmagneten dieses Ereignisses werden dabei zweifelsohne die Werke von Dürer selbst sein, die Peter van den Brink, Leiter des Suermondt-Ludwig-Museums, nach Aachen holen wird.

„Die Reise nach Aachen und Antwerpen war die letzte große Reise Albrecht Dürers“, sagte van den Brink am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz, auf der die Ausstellungen ein Jahr vor der Eröffnung präsentiert wurden. Es sei diese Reise gewesen, auf der er sich eine schwere Erkrankung zugezogen habe, an der er acht Jahre später gestorben ist. Für den Künstler aber war die Reise „unglaublich wichtig“, meint van den Brink. Dürer habe „jeden, der ihm entgegenkam, porträtiert“.

Viele, viele Gespräche

Unter anderem diese Porträts werden dann auch das Herzstück, die Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum, ausmachen, erklärte van den Brink. Etwa 15 bis 20 davon würden zu sehen sein, insgesamt seien es 130 bis 140 Werke. Um diese zu bekommen, musste der Aachener Museumschef viele, viele Gespräche führen. Er zählte auf: „Wir bekommen Kunstwerke aus dem British Museum, aus den Uffizien in Florenz, aus dem Louvre und aus dem Prado in Madrid. Aus Boston, Lissabon und aus Dresden.“ Mit dabei sind – natürlich – der sogenannte Aachener Hund und Dürers Skizze von Dom mit Katschhof (beides aus dem British Museum).

Trotz der Vielfalt der Werke handle es sich nicht um eine gewöhnliche Dürer-Ausstellung, betonte van den Brink. Er wolle nicht einfach alles zeigen, was er ausleihen kann: „Wir werden nur Bilder zeigen, die im Zusammenhang mit der Reise stehen. Es ist eine Konzeptausstellung.“ Und dieses Konzept habe auch die Kollegen der National Gallery in London überzeugt, sich als Partner anzuschließen. Das bedeutet: Wer die Ausstellung in Aachen verpasst, hat anschließend noch in London die Möglichkeit, einen Blick auf Dürers Bilder zu werfen.

Ein gekaufter Kaisertitel

Mit der Krönung Karls V. befasst sich die Ausstellung im Centre Charlemagne. „Es gab vor Karl V. wohl noch keinen Monarchen, der so schamlos um Stimmen gefeilscht hat“, sagte Frank Pohle, Leiter des Centre Charlemagne, darum sei der Titel „Der gekaufte Kaiser“ auch durchaus berechtigt. Die Schau soll in drei Abschnitte unterteilt sein: Die Kindheit und Jugend von Karl V., die Krönungsfeierlichkeiten in Aachen und ein etwas breiter gefasster Blick auf die Entwicklungen der Weltgeschichte im 16. Jahrhundert. „Denn die Fassade eines Universalkaisers beginnt zu bröckeln“, sagte Pohle, und nennt den Buchdruck, die Spaltung der Kirche und den beginnenden Kolonialismus.

Nomadentum in der Kunst

Dass Reisen für Albrecht Dürer vielleicht etwas Besonderes war, für heutige Künstler jedoch allgegenwärtig ist, weiß Myriam Kroll, die kommissarische Leiterin des Ludwig Forums. „Auf 800 Quadratmetern werden etwa 80 Künstlerinnen und Künstler 100 ganz unterschiedliche Werke zeigen“, sagte Kroll. Thematisch beschäftige sich die Ausstellung, in der unter anderem auch Kunstwerke von Marina Abramović und Joseph Beuys zu sehen sind, mit dem Nomadentum der Künstler, mit dem Einsamsein auf Reisen, mit Mobilität, Medienwandel, aber auch mit Flucht und Migration. „Und einige Künstler reisen überhaupt nicht mehr, die sitzen am Rechner und arbeiten von zu Hause aus“, sagte Kroll.

Die Ausstellung „dürer/karl v./aachen“ wird vom 7. Oktober 2020 bis zum 10. Januar 2021 in Aachen zu sehen sein. Eine gemeinsame Ausstellungseröffnung findet am Mittwoch, 7. Oktober 2020, um 18 Uhr im Krönungssaal des Aachener Rathauses statt.

www.duerer2020.de