Aachener Literaturtage

Drei Autoren laden in die Nadelfabrik : Lesen als Instrument der Integration

Am Samstag, 13. April, geht es wieder los: „Es ist bereits die vierte Runde, die wir mit `Literatur in der Nadelfabrik´drehen“ freut sich Walter Köth, Leiter der Nadelfabrik. Die Lesungen im ehemaligen Fabrikgebäude sind Walter Köths und Suleman Taufiqs „kleine Schätzchen“ erklärt der deutsch-syrischer Schriftsteller und Publizist Taufiq.

Das Format ist besonders, denn anders als bei anderen deutschen Lesungen wird hier deutsche Literatur vorgetragen, deren Autoren jedoch eine andere Muttersprache haben. So haben auch dieses Jahr alle drei Autoren einen Migrationshintergrund, der jedoch mehr an den Geschichten und weniger an der Sprache deutlich wird. Alle Autoren der Literaturtage schreiben und lesen auf Deutsch, „ihre Geschichten jedoch zeigen dem Publikum neue Perspektiven auf“, erklärt Taufiq das Format.

Der Schriftsteller erinnert sich an die Zeit der 70er Jahre: „Damals waren wir sehr wenige Schriftsteller mit Migrationshintergrund. Unsere Werke wurden als ´Migranten- oder Ausländerliteratur´ bezeichnet.“ Heute gibt es viel mehr Schriftsteller wie ihn und das damals sei der Beginn eines neuen Zweigs deutscher Literatur gewesen, beschreibt Taufiq die Entwicklung. Einem Literaturzweig, dem in der Nadelfabrik nun jährlich ein Raum gegeben wird, denn wo passt das Format besser hin, als in das Haus der Identität und Migration?

„Unsere Veranstaltungen bieten die Möglichkeit der Integration. Die Leser lernen durch die Geschichten das Leben anderer kennen. Besonders die Diskussionen nach der Lesung bringen die Menschen näher zusammen“, erklärt Köth.

Der „Aufbruch in den Frühling“, wie Taufiq die Literaturtage bezeichnet, beginnt bereits diesen Samstag mit der Lesung von Feridun Zaimoglu. In seinem Buch „Die Geschichte der Frau“ erzählt der Sohn eines türkischen Gastarbeiters die Menschheitserzählung aus der Sicht von Frauen neu. Von einem Mann geschrieben ist dieses von ihm selbst bezeichnete „feministische Manifest“ etwas neues auf dem Literaturmarkt.

Karosh Taha wird am 10. Mai aus ihrem neuen Roman „Beschreibung einer Krabbenwanderung“ vorlesen. Die 1987 im Nordirak geborene Schriftstellerin erzählt die Geschichte von einem Leben Dazwischen: zwischen Freiheit und Verantwortung, Erinnerung und Zukunft, sowie zwischen Aussichtslosigkeit und der Sehnsucht nach einer heilen Familie.

Die letzte Lesung findet am 16. Mai statt. Der mit vielen Preisen ausgezeichnete Schriftsteller Abbas Khider hinterfragt die deutsche Sprache auf lustige Art und Weise und wirft einen satirischen Blick auf die Gesellschaft. Mit seinem Buch „Deutsch für alle“ beschreibt der seit 2000 in Deutschland lebende Iraker die Gedanken und seinen Umgang mit der für ihn damals neuen Sprache.

Die Lesungen beginnen um 19 Uhr im Foyer der Nadelfabrik am Reichsweg 30, und jede Lesung ist kostenlos.

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