Aachener Künstler Markus Baldegger eröffnet neue Schau nach Atelierbrand

Kultur in Aachen : Wie Phönix aus der Asche: Ein Künstler erfindet sich neu

Nachdem vor drei Jahren ein Brand sein Atelier mit großem Bilderbestand vernichtete, hat sich der aus Schweiz stammende Künstler Markus Baldegger, der seit rund 20 Jahren in der Region Aachen lebt, völlig neu erfunden.

In den rauchenden Trümmern seiner Arbeiten habe er an nichts, aber auch gar nichts anknüpfen können, erzählt der studierte Germanist und Maler Baldegger, der bis dahin ein Meister der Abstraktion war. „Es war schlagartig alles weg“, berichtet er, „meine Farben, meine Formen, die typischen Rhythmen wollten einfach nicht wiederkommen. So musste ich einen fundamentalen Neuanfang machen.“

Alltäglich scheint sein neues Vokabular, das er auf die alten Leinwände und Formate malt. Da gibt es Leitern und Lampen, Gefäße, Werkzeuge wie Hammer und Zangen, aber auch Kerzenleuchter und zwei Ansichten des Buches „Ulysses“ von James Joyce, das den Flammen zum Opfer fiel.

So beeindruckend die künstlerische Wandlung Markus Baldeggers vom abstrakten zum gegenständlichen Maler ist, so sinnlich ist die Aura, die seine Bilder verströmen. Fast allen Leinwänden haftet noch ein Hauch von Brandgeruch an, obwohl der Maler sie gründlich gereinigt hat. Zwischen Backofenspray und Spülmittel rangierte die Palette der Putzmittel, die aber nicht ausreichten, die Geschichte der Bildträger vergessen zu machen. Teils sind auf den Rückseiten der neuen Alltagsbilder noch Feuerspuren zu sehen, tief hat sich der Rauch- und Räuchergeruch in die Fasern eingefressen und bettet die neuen Bilder in ein altes Fundament von völlig eigenem Reiz.

So entstanden durch die Waschungen und Abtragungen einzigartige Untergründe mit sinnlichen Gebrauchsspuren, die wiederum reizvolle Korrespondenzen und Reibungen mit den banalen Alltagsobjekten ermöglichen: das Neue strahlt auf dem Alten, das Alte offenbart beeindruckende Charakterfestigkeit gegenüber dem Neuen. Vordergrund und Hintergrund beleben sich gegenseitig, sind verwoben wie alte und neue Geschichten auf einer Fläche.

Zu sehen sind die neuen, klaren Bilder, die wie Phönix aus der Asche auf angekokelten Leinwänden entstanden und ihre dramatische Geschichte mit sich tragen, in dem ebenfalls neuen „Raum für Gäste“ an der Warmweiherstraße 23, der von den Aachener Künstlern Vera Hilger und Michael Krupp konzipiert wurde. Hier findet am Freitag, 5. April, um 19 Uhr die Vernissage statt, die Ausstellung selbst hängt bis zum 19. Mai und kann samstags und sonntags von 14 bis 18 Uhr und nach Vereinbarung besichtigt werden. Weitere Infos unter:

www.raumfuergaeste.de