Aachener Kosmetik-Riese Babor expandiert weiter

Wirtschaft in Aachen: Babor baggert bald bis Weisweiler

Schöne Nachrichten kennt die Kosmetikbranche, natürlich. Salbungsvoll, hübsch, plakativ – zuweilen in kleinen, feinen Dosierungen und exklusiven Ampullen. Aber diese sprengt den üblichen Rahmen: Der Beauty-Riese Babor – über 400 Mitarbeiter in Aachen, über 100 Millionen Euro Umsatz, weltweit über 3500 Institute – erweitert seinen Standort erheblich, und zwar nach langem Ringen in der Aachener Städteregion.

Nach der Fertigstellung des imposanten 20-Millionen-Euro-Neubaus namens „The Curve“ in diesem Herbst an der Neuenhofstraße im Eilendorfer Gewerbegebiet wird in den kommenden Jahren eine größere Fläche zwischen Inden und Eschweiler als weiterer Logistik- und Produktionsstandort entwickelt. Entsprechende Informationen unserer Zeitung haben das Unternehmen und die beteiligten Kommunen am Freitag bestätigt.

Nur der Flächenverkäufer, der Energieriese RWE, bleibt auf Anfrage unserer Zeitung vage: „Es gibt lebhaftes Interesse an vielen Flächen; Namen von Unternehmen nennen wir nicht“, teilt RWE-Sprecher Guido Steffen mit. „Im Umfeld unseres Tagebaus und des Kraftwerks Weisweiler können rund 600.000 Quadratmeter in neue Gewerbegebiete einfließen“, rechnet er vor.

Gewaltiger Logistik Campus

Allein der Aachener Logistiker Hammer hat mit seiner Spedition auf dem ersten interkommunalen Gewerbegebiet der Region nahe Inden und auf Eschweiler Boden dieses Jahr einen gewaltigen Logistik-Campus mit 105.000 Quadratmetern Hallennutzfläche realisiert. Von dem hochmodernen Drehkreuz können nun weitere Unternehmen beim Versenden ihrer Waren profitieren. So sie – wie von Babor ins Auge gefasst – in wenigen Jahren in unmittelbarer Nachbarschaft produzieren. Natürlich dauert der Neubau einer komplexen Produktion und Fabrikation für exklusive Kosmetikartikel länger als die Errichtung einer Logistikhalle. Das Jahr 2023 ist dem Vernehmen nach für die Inbetriebnahme des neuen Babor-Standortes anvisiert. Babor-Geschäftsführer Horst Robertz will dazu in den kommenden Tagen weitere Details preisgeben. Entscheidend sei, dass damit der Stammsitz in Aachen nicht etwa verlegt, sondern das Unternehmen mit Sitz in der Kaiserstadt in der hiesigen Region erweitert werde, heißt es. Robertz’ Expansionskurs macht nicht nur in der Beauty-Branche positive Schlagzeilen – sondern sogar in Architektur-Magazinen: Bis 2020 sollen in dem futuristischen neuen Bürogebäude an der Neuenhofstraße „mit durchaus feminin geschwungenen Formen“ rund 150 neue Büroplätze entstehen – vor allem für die Bereiche Marketing und Einkauf.

Arbeitsplätze gesichert

Aachens Wirtschaftsförderer fänden noch mehr Babor in Aachen offenbar schöner. Aber: „Wir haben als Stadt im Vorfeld mehrfach Gespräche mit Babor über eine Bereitstellung von Flächen zur Erweiterung des Unternehmens im Stadtgebiet geführt. Babor hat sich letztlich für einen Standort außerhalb der Stadt Aachen entschieden“, sagt Wirtschaftsdezernent Manfred Sicking. Und weiter: „Darüber sind wir als Stadt nicht begeistert, freuen uns aber dennoch, dass durch die Erweiterung des Unternehmens in der Region die damit verbundenen Arbeitsplätze gesichert bleiben.“

Nicht begeistert: Wirtschaftsdezernent Manfred Sicking hätte gerne auch die Produktionserweiterung von Babor in Aachen gehalten. Foto: Andreas Schmitter/ANDREAS SCHMITTER

Der Wirtschaftsdezernent betont: „Interkommunale und grenzüberschreitende Gewerbegebiete werden in Zukunft angesichts fehlender Flächen in der Stadt Aachen die einzige Möglichkeit sein, den geschätzten Bedarf an Gewerbeflächen zu decken. Andere Kommunen in der Städteregion Aachen stehen vor dem gleichen Dilemma. Eschweiler hingegen nicht und hat ausreichend Flächen zur Verfügung.“

Deshalb freut sich der Eschweiler Bürgermeister Rudi Bertram umso mehr über den aus seiner Perspektive so positiven Ausgang der Ansiedlungsverhandlungen, „vor allem weil die neuen Arbeitsplätze tarifgebunden sind. Das ist mir wichtig“, sagt er. Und Indens Bürgermeister Jörn Langefeld darf ebenso zufrieden sein: „Das ist ein Lichtblick hinsichtlich des absehbaren Auslaufens des Braunkohletagebaus“, erklärt er. „Bedeutsam ist, dass es in unserer Nachbarschaft viele verschiedene neue Arbeitsplätze geben wird,  von einfach bis hochqualifiziert.“ Erst 2012 hatte Babor-Geschäftsführer Robertz die Verdreifachung der Produktionsflächen in Aachen-Eilendorf begonnen – damals sollten fünf Millionen Euro investiert werden. Inzwischen wachsen die Summen schon ganz schön ...

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