Aachener Kliniken weiten die Aufnahme in den Notfallambulanzen aus

Notfallambulanzen in Aachen : Künftig haben in Aachen alle Krankenhäuser täglich Bereitschaft

In Aachen entfällt künftig der rotierende Bereitschaftsdienst der Notfallaufnahmen der Krankenhäuser. Ab dem 2. Januar können Patienten sich aussuchen, in welchem Krankenhaus sie behandelt werden wollen.

Wer in die Notfallaufnahme eines Krankenhauses gebracht werden muss, braucht künftig nicht mehr in den Kalender zu gucken. Bislang haben sich die Krankenhäuser mit ihrer Bereitschaft tageweise abgewechselt. Das wird sich ändern. Die Aachener Regelung, wonach das Luisenhospital, das Marienhospital, das Franziskushospital und das Uniklinikum reihum Bereitschaftsdienst hatten, entfällt zum 2. Januar. Das haben Vertreter aller Krankenhäuser in einer gemeinsamen Sitzung entschieden und am Dienstag per Pressemitteilung bekanntgegeben.

Konkret bedeutet das für Aachener Patientinnen und Patienten: Alle Notaufnahmen werden ab dem 2. Januar des kommenden Jahres jederzeit Notfallpatienten aufnehmen. 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Wer einen Notfall erleidet, wird vom Rettungsdienst nicht mehr in das Bereitschaftskrankenhaus gebracht, sondern in das nächstgelegene – beziehungsweise ins Wunschkrankenhaus. Ein weiterer Faktor, nach dem entschieden wird, ist die jeweils benötigte Ausstattung der Krankenhäuser und deren Verfügbarkeit zum Zeitpunkt des Notfalls. Ein Schlaganfall-Patient braucht eine ganz andere Versorgung als jemand mit einem gebrochenen Bein. Nicht betroffen von der neuen Regelung ist die kassenärztliche Notfallambulanz (siehe Infobox).

„Diese neue Regelung ist auch mit uns abgestimmt“, sagt Mathias Brandstädter, Sprecher des Uniklinikums. Dr. Stefan Beckers, der Leiter des Rettungsdienstes der Stadt Aachen ist und im Klinikum in der Anästhesiologie arbeitet, habe das Thema im Sinne des Klinikums vorangetrieben. „Den Aachener Bürgern war es sowieso schwer zu vermitteln, dass die Krankenhäuser reihum Bereitschaft hatten, und sie nicht jederzeit in das Krankenhaus ihrer Wahl gehen können“, sagt Brandstädter. Personell habe die neue Regelung keine Konsequenzen für das Klinikum, im Gegenteil: „Wir wünschen uns eigentlich einen Entlastungseffekt für die einzelnen Häuser.“

Man habe den Dienstplan schon im Vorfeld angepasst und beim Personal entsprechend aufgestockt, heißt es beim Marienhospital. „Wir sind eigentlich schon seit dem 1. November jederzeit anfahrbar“, sagt Benjamin Koch, Vorstand der Katholischen Stiftung Marienhospital, auf Anfrage unserer Zeitung. „Ja, es gibt einen personellen Mehraufwand, aber darauf sind wir eingestellt.“ Er betont, dass es für die Aachener Bürger nur Vorteile hätte: „Man muss nicht mehr überlegen, welches Krankenhaus zuständig ist. Auch der Rettungsdienst muss nicht mehr überlegen, welche Notaufnahme zu welcher Tageszeit zuständig ist.“ Vielmehr geht es jetzt ausschließlich um die schnelle Erreichbarkeit, um die geeignete Ausstattung der jeweiligen Klinik und um den Patientenwunsch.

Kritische Töne kommen hingegen aus dem Luisenhospital. „Die Aachener hatten sich ja an das alte System gewöhnt“, sagt Dr. Wolfram Reekers, ärztlicher Leiter des Luisenhospitals, „seit 40 Jahren hatte sich der Bereitschaftsdienst in Aachen bewährt.“ Darum werde es an den Januartagen, an denen nach altem System noch Bereitschaft gewesen wäre, mehr Personal vorhalten – einfach weil die Leute sich daran gewöhnt hätten. Gleichwohl ziehe man natürlich mit den anderen Krankenhäusern am gleichen Strang und sieht sich das Krankenhaus am Boxgraben gut vorbereitet auf das neue System. „Wir haben zum Beispiel im Bereich der Radiologie aufgestockt“, sagt Reeker. Das Luisenhospital sei gut aufgestellt, um die schätzungsweise 30 bis 50 Patienten pro Tag behandeln zu können.

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