Aachener Karnevalsverein AKV hat erste Frauen aufgenommen

Erste Frauen aufgenommen : Cilly Schumacher geht als Nummer 1 in die AKV-Geschichte ein

Der Aachener Karnevalsverein (AKV) hat auf seiner Jahreshauptversammlung Werner Pfeil im Amt des Präsidenten für weitere drei Jahre bestätigt. So weit, so unspektakulär. Doch erstmals in der 160-jährigen Vereinsgeschichte steht der Präsident jetzt auch sieben weiblichen Mitgliedern vor.

Vor genau neun Jahren flehte der soeben gewählte AKV-Präsident Werner Pfeil seine Elferräte und Mitglieder geradezu an: „Nur im Team können wir es schaffen.“ Die Erinnerung daran scheint bei der jüngsten Jahreshauptversammlung der Öcher Edel-Narren am Dienstagabend sehr präsent zu sein, die AKV-Familie folgt ihrem Vater Pfeil fast ohne Wortmeldungen – spürbar zufrieden mit der Arbeit des Elferrates, den der Stolberger Rechtsanwalt unaufgeregt führt.

So machen die Mitglieder die Versammlung im Berlin-Saal des Quellenhofes eher zum sommerlichen Wohlfühl-Date. Selbst Irritationen um den Karnevalsprinzen der vergangenen Session werden souverän mit Lob überdeckt. Die 87 anwesenden Mitglieder nicken bis auf gelegentliche Ausnahmen alles mehrheitlich ab.

Insbesondere gilt das für die Neuwahlen des Elferrates. Die Idee, nach 160 Jahren erstmals auch Frauen aufzunehmen, war schon zuvor abgesegnet worden. Doch seit Dienstagabend ist es offiziell: Cilly Schumacher heißt das erste weibliche Mitglied des AKV. Die 91-Jährige ist Ehefrau des vor zwei Jahren verstorbenen Ex-Vizepräsidenten Karl Schumacher und ein karnevalistisches Ur-Gestein. Sie war ihr Leben lang mit dem Verein verwurzelt – auch ohne Mitgliedschaft. Die Grande Dame des AKV steht für 30 Jahre Engagement im Kinderkarneval, Aufbau der Tanzgruppe, Verfassung des Buches 75 Jahre Senat und, und, und... Ihre Herzlichkeit und Freude springen über. Der Saal erhebt sich, der Applaus will kaum enden.

Cilly Schumacher geht also als närrische Frauen-Frontkämpferin mit 91 Jahren in die Annalen des AKV ein – gefolgt von sechs weiteren jecken Damen. Dass ausgerechnet eine von ihnen den Ehrenpräsidenten und Wahlleiter Dirk von Pezold kurzzeitig verzweifeln lässt, mag nur als Fußnote in der bislang reinen Männer-Historie des AKV gelten – das weibliche Neumitglied hatte seine Stimmkarte nicht abgegeben.

Gelassen geht das Plenum auch mit ein paar anderen Holprigkeiten um. 11.000 Euro tauchen als Minus in der Jahresbilanz (334.000 Euro) auf, ein reparabler Schaden. Dennoch einhellige Einschätzung im Saal: Das Sponsoring-Geschäft wird immer schwieriger. Zudem ist die Zukunft der AKV-Geschäftsstelle noch völlig offen. Die Gespräche um den Verbleib beziehungsweise Umzug ins Erdgeschoss des aktuellen Heimes an der Kurhausstraße laufen mit der Stadt Aachen – deren Oberbürgermeister Marcel Philipp hört aufmerksam zu und wird an diesem Abend für 25 Jahre Mitgliedschaft geehrt.

Ansonsten ist der Rückblick des Präsidenten von Zufriedenheit geprägt: Die Prinzenproklamation boomte – auch mit 15.000 Zuschauern via Facebook und gar 60.000 über Youtube. Das neue Bühnenbild bei der Ordensverleihung ist vollständig abgezahlt. Und trotz einer ausbaufähigen TV-Quote von zwölf Prozent wurde nicht nur der Vertrag mit dem WDR um zwei Jahre verlängert, sondern auch noch „die Lizenzgebühr kräftig erhöht“, sagt Werner Pfeil erfreut.

Lob gibt es auch für die anderen Veranstaltungs-Formate des AKV: Ob Theaterball, Floresei, die Carnevale mit ihrer Zweitausgabe am Rosenmontag, die Holzgraben-Sitzung oder die Oldtimer-Ralley – sie haben, so Pfeil, im vergangenen Jahr genauso funktioniert wie die Sammlung Crous mit den neuen Büchern „Tonarten einer Stadt“ und bald „Alleenrundgang“ und dem jährlichen Geschichtspreis.

Bleibt der Blick nach vorne. Auch auf den designierten und AKV-erprobten Ritter Armin Laschet, der am 8. Februar 2020 den Orden Wider den tierischen Ernst bekommt. Dessen „First Lady“ und Landesmutter Susanne hat jetzt noch genug Zeit, rechtzeitig einen Antrag auf Mitgliedschaft im AKV zu stellen.

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