Aachener Justiz: Investor trifft auf "Inkassospezialisten"

Vollstrecker wartete vor der JVA : Wegen Forderungen mit dem Tode bedroht

Es war vor mehr als vier Jahren, im Sommer 2014, als für einen prominenten Aachener Investor schwere Zeiten anbrachen. Nicht nur saß der Architekt und Planer eines Großprojektes in der Innenstadt im offenen Strafvollzug in Euskirchen, weil gegen ihn ein Urteil wegen Kreditbetrugs und Steuerhinterziehung vollstreckt wurde.

Dem Aachener Finanzjongleur saß gleichermaßen eine Gruppe von Erpressern im Nacken, die sich um einen seiner einstigen Finanzmakler für das Großprojekt geschart hatten. Jetzt wurden Haftstrafen – teils auf Bewährung – ausgesprochen.

Der Frankfurter Volkswirt Josef M. (73) und drei weitere Angeklagte, darunter ein Anwalt aus Berlin, mussten sich in den vergangenen Monaten vor der 3. Großen Strafkammer am Aachener Landgericht wegen des Straftatbestandes der versuchten räuberischen Erpressung verantworten.

Denn der Frankfurter Finanzier der Vorhaben des Aachener Architekten forderte Provisionsrückstände in Höhe von rund 700.000 Euro ein, die er nach der Auffassung der Kammer unter Vorsitz von Richter Thomas Küpper womöglich mit Gewalt, sicher aber mit der Androhung von Gewalt gegen den Aachener Investor hatte eintreiben wollen. Für die massive Bedrohung des Opfers und dessen gesamter Familie kassierten die vier Angeklagten am Montag Haftstrafen, von denen drei zur Bewährung ausgesetzt wurden.

Frontmann muss „sitzen“

Allein der Frontmann jener am Montag verurteilten gewalttätigen Inkasso-Vereinigung, der Angeklagte Tommy M. (37) aus Dresden, kassierte eine Haftstrafe von zwei Jahren und vier Monaten, die er nun absitzen muss. Die 3. Große Strafkammer sah es als erwiesen an, dass das Quartett, darunter ein Anwalt sowie ein Ingenieur und Verbindungsmann zu Frontmann M., den Aachener Investor unter falschen Angaben zu einem Treffen am 5. Juli 2014 in das Hotel Quellenhof an der Monheimsallee bestellt hatte.

Als der Aachener Investor nun in der angeblichen Frühstücksrunde erneut keine Bereitschaft zeigte, den Zahlungsaufforderungen nachzukommen, platzierte der Frankfurter Geschäftspartner unverhohlen den aus Ostdeutschland angereisten und als Mann fürs Grobe engagierten Tommy M. unmittelbar neben dem Architekten. „Es wurde gedroht, dass es dem Nebenkläger ebenso ergehen werde wie seinem Freund, dem Unternehmer Schepp, im Jahr 2006“, beschrieb Richter Küpper den Druckaufbau gegenüber dem vermeintlichen oder tatsächlichen Schuldner.

2006 ermordet

Das konnte man nur als Todesdrohung verstehen, denn Millionär Schepp war 2006 in seiner Hagener Villa von Tätern erschossen worden, die 2014 noch gesucht wurden und deren Identität erst 2018 bekanntwurde.

Der Aachener flüchtete Hals über Kopf aus dem Quellenhof, seine Spur verlor sich für die Verfolger am Ponttor. Doch die wussten, dass der Finanzjongleur zumindest nachts in der JVA in Euskirchen einsaß. Hierhin schickten sie laut Gericht ihren „Vollstrecker“ Tommy M., um den Insassen nach seiner Rückkehr in die Anstalt vor Ort zu bedrohen. Selbst die Familie des Aacheners wurde bedroht, sie wurde vorsichtshalber außer Landes gebracht.

Berechtigte Forderung

Das Gericht stellt auch fest, dass die Forderungen des Frankfurter Finanziers durchaus ihre Berechtigung haben könnten. Doch die Forderungen richteten sich gegen diverse GmbHs, die der Aachener Investor zur Vermarktung und zum Bau des Millionenvorhabens am Kaiserplatz gegründet hatte und denen er vorstand. Doch inwieweit eine unmittelbare persönliche Haftung bestanden habe, sei nicht Gegenstand des Prozesses gewesen. Es gebe jedoch Anzeichen, die auch der Berliner Anwalt der Gruppe habe erkennen müssen, dass dem nicht so war.

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