Aachen: Aachener Ingenieure entwickeln Trockentoiletten für Sierra Leone

Aachen : Aachener Ingenieure entwickeln Trockentoiletten für Sierra Leone

Äußerlich ist es eher unauffällig, das kleine Häuschen, das da nun im Gemeinschaftsgarten Hirschgrün auf einem Betonsockel steht. Doch da drin entsteht gerade die erste öffentliche Trockentoilette in Aachen, die künftig als Blaupause für ähnliche Sanitäranlagen in Sierra Leone dienen soll.

Die Regionalgruppe Aachen der Hilfsorganisation Ingenieure ohne Grenzen hat es gebaut und feierte am Wochenende ein kleines Richtfest im Gemeinschaftsgarten.

Mit dem Bau des Häuschens hat die hauptsächlich aus Studenten bestehende Gruppe ein Problem vieler deutscher Innenstädte aufgegriffen: der Mangel an öffentlichen Toiletten. In weniger entwickelten Regionen dieser Welt wiegt das Fehlen solcher Anlagen jedoch weitaus schwerer. Die dort verbreiteten Sickertoiletten verunreinigen das Grundwasser und so verbreiten sich häufig Durchfallerkrankungen und Cholera.

Durch die Versiegelung nach unten kann dies bei diesem Modellprojekt nicht mehr passieren und damit die Hygienebedingungen in Entwicklungsländern erheblich verbessert werden.

Das Dorf Makali in Sierra Leone ist so eine Gegend, und für die dortige Schule haben die Aachener Mitglieder der Regionalgruppe diese sogenannte Trockentrenntoilette geplant und gebaut. Das Prinzip dabei ist einfach, aber effektiv: Der Kot wird in einer eigenen Kammer gesammelt und jeweils mit Asche oder Sägemehl bestreut, der Urin wird in einem separaten Behälter gesammelt. „Durch die Trocknung sterben die Keime schnell ab und der Kot kann schon nach einem Monat als Dünger in der Landwirtschaft verwendet werden“, erklärte Nik Dorndorf von der Arbeitsgruppe Sierra Leone der Aachener Ingenieure ohne Grenzen.

Als Dünger verwenden

Auch der Urin, ergänzte seine Kollegin Laetitia Brovot, könne schon nach kurzer Zeit wieder verwendet werden: „Bei gesunden Menschen ist Urin bereits steril. Weil aber nicht davon ausgegangen werden kann, dass alle Toilettenbenutzer gesund sind, muss man auch hier etwa zwei Wochen warten, bis man diesen ebenfalls als Dünger nutzen kann.“ Das habe nicht zuletzt einen wirtschaftlichen Aspekt für die ärmeren Menschen, die ansonsten jedes Jahr neuen synthetischen Dünger einkaufen müssten, so Brovot.

Beim Gedanken, fremde und eigene Ausscheidungen ins Erdbeerbeet zu kippen, dürfte aber nicht nur hierzulande einigen Gärtnern mulmig werden. Aus gesundheitlicher Sicht jedenfalls, betonte Student Dorndorf, sei der Einsatz als Dünger unbedenklich.

Die Menschen vor Ort sollen ihre künftigen Trockentoiletten auch selbst unterhalten können. Korrespondierend zum Bau dieser kleinen Häuschen leisten die Ingenieure darum auch Aufklärungsarbeit zu Hygienemaßnahmen und adaptieren die Bauweise an örtlich verfügbare Materialien.

Das Ziel an der Schule in Makali und an den folgenden Standorten sei immer, dass die sanitäre Grundversorgung durch die Einheimischen langfristig aufrechterhalten werden könne, so Dorndorf. Nicht nur zum Schutz des Grundwassers, sondern letztlich vor allem für die Gesundheit der Kinder.

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