Aachen: Aachener Grünfinger: Kampf um die Kaltluftkorridore

Aachen : Aachener Grünfinger: Kampf um die Kaltluftkorridore

Die schmalen Grünschneisen, die sich vor allem im Süden der Stadt entlang der Bachtäler bis nahe ans Zentrum erstrecken, erinnern Stadtplaner wohl an kleine Finger. So entstand vor vielen Jahren schon die Bezeichnung „Grünfinger“ für die so wichtigen unbebauten Freiflächen, die viele Aachener als Naherholungsgebiet schätzen, die aber vor allem auch als Frisch- und Kaltluftschneisen eine wichtige Funktion für die Innenstadtbewohner haben.

Mit einem Ratsantrag „Erhalt und Sicherung der Aachener Grünfinger“ sprechen sich CDU und SPD nun erneut für einen besonderen Schutz dieser Freiflächen aus.

Es sind vor allem die Umweltpolitiker, die damit ein klares Signal aussenden wollen. „Wir brauchen die Grünfinger und müssen etwas für sie tun, sonst haben wir irgendwann keine lebenswerte Innenstadt mehr“, sagt SPD-Umweltpolitikerin Heike Wolf. „Die Grünfinger, die die Innenstadt mit Frischluft versorgen, wirken wie Korridore für Kaltluft, die in den Außenbereichen des Aachener Talkessels entsteht“, ergänzt Iris Lürken auf Seiten der CDU.

Die Erkenntnis ist nicht neu, doch vor dem Hintergrund der Diskussionen um einen neuen Flächennutzungsplan, der in zwei bis drei Jahren den Rahmen für die weitere Bebauung im Stadtgebiet vorgeben soll, wollen die Umweltpolitiker ihre Forderungen nochmals bekräftigen.

Der Flächenhunger der Planer ist bekanntlich gewaltig: 130 Hektar werden in den kommenden Jahren angeblich für den Wohnungsbau, 70 Hektar für neues Gewerbe benötigt. Aachen zählt zu den Städten, denen eine weitere Bevölkerungszunahme vorhergesagt wird.

Balance finden

Für die Luftqualität und die klimatischen Verhältnisse einer Stadt in Tal- und Kessellage kann das schnell bedrohlich werden, wissen auch die Planungspolitiker, die in diesem Fall mit ihren Kollegen aus dem Umweltfach an einem Strang ziehen. Man müsse eine Balance finden zwischen Wohnungsbau, Gewerbeansiedlungen und Klimaschutz, sagt Norbert Plum (SPD). „Jede Fläche ist nur einmal da“, weiß Alexander Gilson (CDU). Die Summe der Wünsche sei jedenfalls größer als die zur Verfügung stehenden Flächen.

Daher wolle man nun die Bereiche festzurren, „die wir definitiv nicht zubauen können“, so Lürken, die den Schutz der Grünfinger als „eine Herzensangelegenheit“ bezeichnet.

Verwiesen wird in dem schwarz-roten Antrag auch auf Untersuchungen der Klimatologen am Geographischen Institut der RWTH Aachen, wonach sich vor allem die südlichen und westlichen Ränder des Aachener Talkessels bis 2030 nachts um ein Grad weniger stark abkühlen werden als noch 2010. Wenn aber die abkühlenden Effekte nachlassen, habe dies unmittelbare Auswirkungen auf die Wohnqualität in den betroffenen Stadtlagen, zu denen etwa der Burtscheider Kernbereich, aber auch Bereiche in Brand, Forst, Eilendorf, Haaren, Laurensberg und Richterich zählen.

Wirklich strittig dürfte das Grünfinger-Konzept nicht sein, da es in den zurückliegenden Jahren von wechselnden politischen Mehrheiten immer wieder auf den Tisch gebracht wurde. Die „Weiterentwicklung und Vernetzung der Grünfinger, also der Aachener Bachtäler“ war auch 2009 schon Bestandteil der schwarz-grünen Koalitionsvereinbarung. Der Fachbereich Umwelt misst den Grünfingern auch in seinem „Klimafolgen-Anpassungskonzept“ eine wesentliche Bedeutung bei.

Vor allem im Süden der Stadt sind die grünen Schneisen stark von öffentlichen Parkanlagen, Spazierwegen oder auch Kleingartenanlagen geprägt, so am Johannisbach, am Kannegießerbach, an der Pau mit Hangeweiher und Kaiser-Friedrich-Park, am Gillesbach, der eine Verbindung vom Frankenberger Viertel bis zum Stadtwald schafft, oder auch am Beverbach mit Drimborner Wäldchen.

Unbebaute Flächen schützen

Dort wird die Landschaft allerdings auch noch stark von der Landwirtschaft geprägt. Das Gleiche gilt für die Soers oder auch den Bereich am Gut Kalkofen entlang der Wurm zwischen Haaren und Innenstadt. Aus Sicht der Umweltfachleute könnte dieser Freiraum ebenso wie ein Grünzug zwischen Eilendorf und Forst noch deutlich besser für die Naherholung erschlossen werden.

Der schwarz-rote Ratsantrag soll nun auch Eingang in die Beratungen über den Flächennutzungsplan finden, für den derzeit ohnehin einige Tausend Eingaben von Bürgern und Verbänden bearbeitet werden. Viele davon wollen bislang unbebaute Flächen dauerhaft schützen.

Mehr von Aachener Nachrichten