Aachen: Aachener Filmemacher Wisam Zureik porträtiert Flüchtling

Aachen: Aachener Filmemacher Wisam Zureik porträtiert Flüchtling

„Der Name des Films ist wunderbar gewählt“, meint Markus Reissen, Referent der Katholischen Hochschulgemeinde (KHG), über den Film „Bunte Blumen“, den die KHG am Mittwochabend zeigt. Doch hinter dem, was auf den ersten Blick so leicht daherkommt, verbirgt sich eine Tragödie.

Der Aachener Filmemacher Wisam Zureik hat das Schicksal des syrischen Flüchtlings Lazgen Hasano zum Anlass genommen, einen Dokumentarfilm über den Musiker zu drehen. Hasano, dem die Flucht nach Deutschland gelungen ist, leidet unter der Trennung von seiner Frau, die in Syrien auf ihre Ausreise wartet.

Seine Emotionen, der Trennungsschmerz und die Liebe sind ein zentrales Thema des Films. Den Menschen Lazgen Hasano mit all seinen Facetten vorzustellen, war das Hauptanliegen des Filmemachers. „Die Medien beschreiben die Flucht wie ein abstraktes Massenphänomen“, sagt Zureik, ihn selbst interessierten dagegen die Einzelschicksale, die hinter dem Phänomen Flucht stehen.

„Obwohl er sich auf den Menschen Lazgen Hasano konzentriert, verbirgt sich dahinter natürlich ein Politikum“, meint Hilde Scheidt. Der Film sei so still und leise, dass einem die eigentliche Botschaft erst viel später bewusst werde. Denn dass es ein Gesetz geben soll, dass Flüchtlingen vorschreibt, wo sie zu leben haben, ist ihrer Meinung nach ein Unding. Auch die Aussetzung des Familiennachzugs auf zwei Jahre bedeute für die Betroffenen großes Leid.

Wie wichtig die Familie gerade für die Flüchtlinge ist, beschreibt Naeem Ahmadzy aus Afghanistan mit eindrucksvollen Worten. Während des Filmabends wird er von den Erfahrungen auf seiner Flucht erzählen. „Ich kam nachts um vier in Aachen an, und keiner wollte mich haben“, erzählt er. Die Polizisten, die er ansprach, wandten sich ab. Erst eine Frau, die auf ihn aufmerksam geworden war, half ihm weiter. Und als er dann nach anfänglichem Aufenthalt im Flüchtlingsheim endlich in der Lage war, alleine in einer Wohnung zu leben, vermisste er seine Familie. „Beim Essen war es am schlimmsten“, sagt er. „Ich habe mit einem Freund gekocht, aber dann haben wir beide vor unseren Tellern gesessen, ohne die Speisen auch nur anzurühren.“

Nach der Vorführung des Films soll es vielerlei Informationen geben. Bürgermeisterin Hilde Scheidt spricht über die Unterbringung und das Leben der Flüchtlinge in Aachen. Wisam Zureik und sein Hauptdarsteller werden von der Entstehung des Dokumentarfilms erzählen, bevor der dann gezeigt wird. Anschließend ist eine Podiumsdiskussion mit den genannten Gästen geplant.

Mit dabei ist auch Aicha Seifelislam, ehrenamtliche Mitarbeiterin in der KHG. Gemeinsam mit dem Filmemacher Wisam Zureik war sie in Calais, um die Situation der Flüchtlinge dort mit eigenen Augen zu sehen. Was sie vorfanden, machte sie sprachlos. „Dort entsteht ein Slum mit 5000 Menschen, die alle nach England wollen, und niemand fühlt sich zuständig“, erzählen sie. Auch über diese Menschen und ihre Hoffnungen und Träume will Zureik einen Dokumentarfilm drehen. Beim ersten Besuch dagegen überwog der Schock. „Kein Foto, kein Film kann wiedergeben, was dort passiert“, meint er.

Beim Filmabend in der KHG bekommen die Besucher reichlich Gelegenheit, sich auch mit diesem Thema zu befassen.

(mas)
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