Aachen: Aachener Film „Um zu leben“ feiert gelungene Premiere

Aachen : Aachener Film „Um zu leben“ feiert gelungene Premiere

Was heißt gutes Leben? Geht es um Gesundheit, materielle Sicherheit, soziale Beziehungen, Familie und Freunde, Bildung, Arbeit, Angenommensein oder Teilhabe? Oder um alles zusammen?

Der Film „Um zu leben“, der am Sonntag vor annähernd 400 Zuschauern seine umjubelte Premiere im Apollo-Kino feierte, geht dieser Frage nach. Darin erzählt werden die Erlebnisse junger Flüchtlinge. Der 20-jährige Abdel Ghafour aus Afghanistan lebt seit zwei Jahren in Aachen und spielte den Schleuser. In eindrucksvollen Worten erzählt Julio die Geschichte seiner Flucht, die ihn aus Kamerun hierher geführt hat. Gemeinsam mit Abdallah, Abdoulaye, Abdulaja, Abdullah, Aram, Hekmattulah, Justin, Liya, Michelle, Mohammed, Muntaka und Seda ist er der Hauptdarsteller dieses besonderen Projekts.

Der 22-minütige Film zeigt aufwühlende, dramatische Szenen mit jugendlichen Menschen bei ihrer Flucht, die schließlich in Aachen endet. Die beiden Aachener Filmemacher Miriam Pucitta und Michael Chauvistré haben schon mehrere dieser Kurzfilme zum Thema gedreht. „Diesmal haben wir eng zusammengearbeitet mit Schülern der reformpädagogischen Sekundarschule am Dreiländereck. Die Jugendlichen erzählen von ihrer Flucht, von ihren Erlebnissen“, erzählt Chauvistré bei der Premiere. Seine jungen Hauptdarsteller sitzen selbstverständlich in der ersten Reihe.

Im Publikum sitzen viele Menschen, die an verschiedenen Schaltstellen der Stadt mit dem Schicksal der jungen Flüchtlinge zu tun haben. Anahid Younessi, bei der Stadt Aachen zuständig für die Übergangsheime, freut sich über diesen gelungenen Beitrag zur Integration: „Wir müssen dringend die Entwicklung der Asylbewerber besser strukturieren, dazu gehört ein besseres Verständnis füreinander. Die Idee, das Thema kulturell aufzugreifen, ist toll.“

Heinrich Brötz, Fachbereichsleiter Kinder, Jugend und Schule bei der Stadt Aachen, begrüßte die Zuschauer. Solche Impulse, wie sie der Film gebe, seien bedeutend für die Gesellschaft: „Es geht hier um globale Themen, darum, wie wir gutes Leben definieren. Um einfach nur leben zu können, haben diese jungen Leute die große Belastung der Flucht auf sich genommen, um der katastrophalen Situation zu entkommen.“ Ein Schulabschluss, eine Ausbildung, ein Arbeitsplatz, das seien die Ziele der Darsteller für ein gutes Leben.

Barbara Kahlen von der Bezirksregierung Köln unterstrich die Bedeutung solcher Projekte für den Stellenwert des Flüchtlingsthemas in der Öffentlichkeit. Der große Andrang an diesem Vormittag zeige, wie sehr das Schicksal der jungen Leute die Aachener berühre. Gleich drei Kinosäle waren bis auf den letzten Platz gefüllt.

Für Julio, wie auch die anderen Hauptdarsteller, hat die Geschichte ein gutes Ende genommen. Bei dem Workshop mit den Filmemachern Pucitta und Chauvistré hat er die Handlung erarbeitet und sich Kenntnisse im Umgang mit Kamera, Ton und Bildgestaltung angeeignet. Gedreht wurde an der Schule, auf Brachen, im Wald, in Unterkünften der Jugendhilfe und auf dem Zollgelände in Kooperation mit der Bundespolizei. Für die Neu-Aachener war es eine Gelegenheit, spielerisch Abschied zu nehmen von ihren Erfahrungen und sich auf das neue Leben hier einzulassen. Julio wird im September eine Ausbildung als Krankenpfleger beginnen und Abdel Ghafour sucht derzeit einen Arbeitsplatz, damit das Leben einen guten Verlauf nimmt.

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