Aachener CDU: Respekt für Angela Merkel

Das Beben in der CDU : Christdemokraten in Aachen zollen der Kanzlerin Respekt

Mit 28 von 76 Sitzen stellt die CDU die mit Abstand größte Fraktion im Aachener Stadtrat. Wie schnell sich das ändern kann und Stimmen selbst in sicher geglaubten Hochburgen verloren gehen können, haben jedoch die jüngsten Landtagswahlen in Bayern und Hessen gezeigt.

Entsprechend elektrisiert verfolgten am Montag auch die Aachener Christdemokraten die Auswirkungen und Entwicklungen auf Bundesebene mit.

„Nach der Wahl am Sonntag musste etwas passieren“, sagte Aachens CDU-Parteichef Holger Brantin, dessen Partei neben der SPD zu den großen Verlierern zählt. Von Angela Merkels Ankündigung, ihren Posten als Parteivorsitzende aufzugeben, zeigte er sich wenig überrascht . Das sei „ein mutiger Schritt“, sagte er, aber auch einer, der „ein wichtiger Befreiungsschlag“ sein kann. Man dürfe die Verdienste von Merkel nicht aus den Augen verlieren, die 18 Jahre lang die Partei geführt habe. „Respekt“ zeigt er für ihre Entscheidung, die nun aber auch die Chance böte, die Partei zu erneuern. „Wichtig ist, dass die Nachfolgefrage geschlossen geklärt wird und nicht zu weiterem Streit führt“, meint er.

Auch CDU-Fraktionschef Harald Baal hat die Rückzugserklärung der Kanzlerin als „wenig sensationell“ empfunden. „Man kann nach diesen Landtagswahlen ja nicht einfach so zur Tagesordnung übergehen.“ Die Entwicklung sei inzwischen auch für seine Partei „dramatisch“ und so noch vor wenigen Monaten kaum absehbar gewesen. Für „die Außendarstellung der Groko“ sei allerdings nicht nur die Kanzlerin verantwortlich, meint er. Sauer ist er vor allem auf Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU), der mit seinen Auftritten viele klassische Unions-Wähler in zwei Richtungen getrieben habe: zu den Grünen und zur AfD.

Sollte es auf einen Zweikampf um die Parteispitze zwischen Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn hinauslaufen, würde er sich für Kramp-Karrenbauer entscheiden. Sie stehe schon länger in führender Verantwortung und habe mehr Erfahrung. „Nur U40 ist alleine nicht hinreichend“, meint er über den 38-jährigen Gesundheitsminister und Merkel-Kritiker Spahn.

„Wir sind da sehr solidarisch“

Auch Maria Drews’ Sympathien gehören nun eindeutig Kramp-Karrenbauer. „Wir sind da sehr solidarisch untereinander“, sagt die Vorsitzende der Aachener Frauen Union, die zugleich ihr großes Bedauern über den schrittweisen Rückzug von Merkel ausdrückt. In ihren Augen hätten auch andere die Konsequenzen aus den Wahldebakeln ziehen können. „Wir halten sehr viel von Angela Merkel und respektieren sie sehr.“ Mehr möchte sie dazu gar nicht mehr sagen.

Noch zurückhaltender äußert sich die Vorsitzende der Jungen Union, Annika Fohn. Die Entscheidung von Merkel will sie weder als richtig noch als falsch bewerten. „Ich habe einfach nur großen Respekt davor.“ Sie freut sich nun, dass sie im Dezember als Gast auf dem Bundesparteitag die Wahl einer oder eines neuen Vorsitzenden mitverfolgen kann. „Das ist ja sehr entscheidend für die weitere Entwicklung unserer Partei.“ Noch aber sei sie unentschlossen, wen sie bevorzugen würde.

„Hut ab“

Auch Rolf Einmahl, Vorsitzender der CDU-Mittelstandsvereinigung, mag sich in dieser Hinsicht noch nicht festlegen. „Man muss ja noch abwarten, ob sich nicht noch andere verdienstvolle Personen zu einer Kandidatur entschließen.“ Unter anderem hat sich auch Friedrich Merz bereit erklärt, für den Parteivorsitz zu kandidieren. Kampfabstimmungen hatten innerhalb der CDU bislang eher Seltenheitswert. Dass es diesmal anders sein könnte, findet Einmahl „nicht schlecht“, wenngleich dann kaum ein Kandidat mit übergroßen Mehrheiten rechnen könne und somit am Ende womöglich auch nicht unangefochten an der Spitze stehen werde.

Vor Merkels Entscheidung äußert auch er größten Respekt. „Hut ab, das ist ihr bestimmt nicht leicht gefallen.“ Aber sie gebe damit der CDU die Möglichkeit zu einem Neuanfang. Eine grundlegende Abkehr vom bisherigen Kurs würde er jedoch für falsch halten. „Die CDU ist gut beraten, weiter eine liberale, bürgerliche und vor allem europazugewandte Partei zu bleiben“, empfiehlt er. „Alles andere ist Blödsinn.“

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