Aachener Band spielt in der JVA

Konzert in der JVA vor ausgewähltem Publikum : Act-One auf neuen musikalischen Pfaden

Die Aachener Band „Act-One“ geht in den Knast – freiwillig wohlbemerkt. Am Mittwoch, 7. November, wird die vierköpfige Gruppe im Rahmen des Engagements des „Kunst- und Literaturvereins für Gefangene“ in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Aachen ehrenamtlich einen Gig spielen.

„Es wird sicherlich nicht die typische Kneipen-Stimmung herrschen“, vermutet Philipp Berger, Frontsänger und Gitarrist der Band. „Wahrscheinlich wird das Publikum eher verschlossen sein.“

In der JVA wird eine Reihe von Stühlen stehen. „Darauf werden die Zuhörer sitzen müssen“, sagt Berger, der im Berufsleben als Kinderarzt im Klinikum arbeitet. Auch für die Band selbst wird der Auftritt ungewöhnlich: Elektronische Geräte müssen draußen bleiben, das Musik-Equipment wird genauestens untersucht. Daher ist „Act-One“ glücklich, dass das Gefängnis das Projekt tatkräftig unterstützt. „Wir müssen gar nichts selbst tragen“, betont der 28-Jährige. Es sei der Auftritt mit der besten Organisation.

Warum ausgerechnet diese Aachener Coverband „hinter Gittern“ spielen darf, wissen die Mitglieder übrigens selbst nicht. „Der Verein ist auf uns zugekommen“, erzählt Berger. „Am Anfang war ich schon kurz skeptisch“, gibt Gitarrist Christian Vogeno zu. „Gerade in der JVA sitzen ja nicht nur Handtaschendiebe.“

Gespielt werden zahlreiche Rocklieder der letzten 40 Jahre – von ACDC über Motörhead bis hin zu Billy Talent. Songs, die von Unabhängigkeit oder Freiheit handeln, werden bewusst vermieden.

Wer dort zuhören wird, wissen die Musiker natürlich nicht. Untypisch für die Band: „Normal kennt man ungefähr sein Publikum“, sagt Vogeno. Daher könnte man meist die richtigen Lieder auswählen. „Vielleicht ist es aber auch besser, die Leute nicht zu kennen“, ist sich die Gruppe letztlich einig.

Generell loben die Rockmusiker die Intention des „Kunst- und Literaturvereins für Gefangene“. Wer resozialisiert wird, sollte auch etwas vom Leben mitbekommen. „Und sonst hat man zu den Personen hier ja gar keinen Kontakt“, erklären sie unisono. Immerhin ein Bandmitglied ist „knasterfahren“, wie er selbst formuliert. Doch eins vorweg: Ebenso freiwillig. „Ich bin mal einen Knast-Marathon in Darmstadt gelaufen“, erinnert sich Bassist Horst Theile. Für die Restlichen wird es der erste Besuch im Gefängnis sein.

Einen Folgeauftritt in der JVA Aachen schließt „Act-One“ – zumindest bislang – unterdessen nicht aus. Philipp Berger hat sogar eine Vision: „Vielleicht ist es irgendwann denkbar, nicht nur für, sondern auch mit den Leuten zu spielen.“

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