Aachen: Aachener Architekten im Fokus Arabiens

Aachen: Aachener Architekten im Fokus Arabiens

Ruhiges, konzentriertes Arbeiten ist an diesem Nachmittag im Aachener Architekturbüro Höhler und Partner schwer möglich. Der Weg durch das Großraumbüro zur Kaffeemaschine gerät für die Mitarbeiter zeitweise zum Spießrutenlauf. Bloß nicht durchs Bild laufen, lautet die Devise. Ständig wuselt ein Kamerateam um die Schreibtische und gibt Anweisungen für die gewünschten Szenen. „Komm ich jetzt ins Fernsehen?“, witzelt eine Mitarbeiterin. In der Tat — und zwar ins Arabische Fernsehen.

Die Aufnahmen sind für das arabischsprachige Wissensmagazin „Scitech — Unsere Welt von morgen“. Die Sendung widmet sich Innovationen aus den Bereichen Umwelt, Technik und Wissenschaft. Jede Folge hat ein eigenes Thema, das aus ägyptischer, omanischer und deutscher Sicht beleuchtet wird. Produziert wird das Wissensmagazin in Zusammenarbeit mit dem deutschen Auswärtigen Amt sowie dem ägyptischen On-TV und Sultanate of Oman TV.

Das Aachener Architekturbüro Höhler und Partner baut ein Museum im Oman. Foto: Robert Baumann

Oman noch sehr unentdeckt

„Scitech ist eine Reaktion auf den Arabischen Frühling. Man hat gesehen, wie viel Energie bei den jungen Menschen da war und was die Neuen Medien leisten können. Unser Programm soll vor allem jungen Erwachsenen Einblicke in Wissenschaft und Technik ermöglichen“, sagt Zubin Sethna, Redakteur von Scitech. Der Oman sei aus deutscher Sicht noch sehr unentdeckt, es gebe aber schon einige sinnvolle Kooperationen.

In Aachen hat das Scitech-Fernsehteam jetzt für seine 30-minütige Sendung unter dem Motto „Abenteuer Museum“ gedreht. Im Fokus: Die Arbeit des deutsch-omanischen Architekturbüros Höhler und Partner, das im Sultanat Oman ein Museum entworfen hat — das Museum für Geschichte islamischer Wissenschaft. Dieses soll auf dem Campus von Gutech (German University of Technology) entstehen, einer Partneruniversität der RWTH Aachen.

„Wir freuen uns sehr auf die Realisierung des Museums. Das wird ein tolles Gebäude. In Zukunft wollen wir viele weitere Gebäude gemeinsam entwickeln“, erklärt Karin Höhler, Geschäftsführerin von Höhler und Partner. Ende des Jahres soll der Bau des Museums, in dem wissenschaftliche Geräte ausgestellt werden, beginnen. Sogar ein ganzes Schiff wird auf der Grundlage alter Baupläne rekonstruiert und ausgestellt.

Exponate im Vordergrund

„Das Haus muss innen soweit wie möglich zurücktreten. Die Exponate sollen im Vordergrund stehen. Von außen ist das Spiel von Licht und Schatten ein großes Thema“, erklärt Karin Höhler. Den Masterplan für die Ende 2012 fertig gebaute Universität und die Studentenwohnheime entwickelte ebenfalls das Aachener Architekturbüro, das für den Entwurf sogar einen Preis erhielt.

Im Architekturbüro Höhler und Partner bespricht die Aachener Geschäftsführerin an diesem Tag mit Muhammad Sultan Al Salmy aktuelle Projekte im Oman und deren Fortschritte. Al Salmy ist der Chef des seit fünf Jahren bestehenden Partnerbüros im Oman mit 34 Angestellten.

„Die deutsche Technologie ist in der ganzen Welt für ihre gute Qualität bekannt und durch unsere Kooperation lernen wir viel voneinander“, sagt Al Salmy, der an der RWTH Stadtbaugeschichte studiert und vier Jahre lang in Deutschland gelebt hat.

Kennengelernt haben sich die beiden vor rund sechs Jahren. „Es hat sich eine Freundschaft zwischen unseren Familien entwickelt, und ich habe das Land Oman lieben gelernt. Es ist eine interessante Herausforderung dort ein Büro zu eröffnen“, sagt Karin Höhler.

Für die Sendung „Scitech“ drehen die TV-Redakteure Interviews mit Karin Höhler und Al Salmy und stellen typische Büro- und Gesprächsszenen nach. Es waren nicht die ersten Filmaufnahmen für das arabischsprachige Wissensmagazin in Aachen. Im Juli dokumentierte das Fernsehteam an der RWTH Aachen ein Forschungsprojekt des Lehrstuhls für Arbeitswissenschaften.

Dabei ging es um die Klärung von Abwasser durch eine neu entwickelte Membran — ein Kooperationsprojekt der RWTH mit einer ägyptischen Universität. An der FH Aachen filmten die Fernsehmacher zudem einen Dattelpalmen-Scanner, mit dem man die Sorte sowie das Geschlecht von Dattelpalmen bestimmen kann.

„Datteln sind im Oman die Haupternte. Der Scanner muss jetzt fürs Feld handhabbar gemacht werden“, erklärt Redakteur Zubin Sethna. Der Scanner wäre für die Plantagenbesitzer essenziell, da nur die weiblichen Pflanzen Frucht tragen.

Die Filmaufnahmen im Architekturbüro sind mittlerweile alle im Kasten. Das TV-Team packt seine Kameras und Mikrofone ein. Es kehrt wieder Ruhe im Großraumbüro ein, die Kaffeemaschine ist für die Mitarbeiter wieder ohne Umwege zugänglich.

Dem Partnerbüro auf omanischer Seite mit Sitz in der Hauptstadt Maskat stehen Aufnahmen für „Scitech“ in diesem Monat noch bevor. Ausgestrahlt wird die Sendung später im ägyptischen und omanischen Fernsehen, aufgezeichnet wird sie allerdings in einem Berliner Studio — finanziert vom Auswärtigen Amt.

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