Aachener Architekt und Kunstförderer Professor Ernst Höhler gestorben

Nachruf: Erfolgreicher Baumeister und Förderer der Kunst: Professor Ernst Höhler ist tot

Er war ein kreativer Kopf par excellence und ein engagierter, gern auch mal provozierender Fürsprecher der kontinuierlichen Auseinandersetzung mit zeitgenössischen künstlerischen Positionen. Als Gründer und langjähriger Chef eines der bedeutendsten Architekturbüros der Region hat er weit über den Talkessel hinaus auch im Wortsinn Maßstäbe gesetzt. Am vergangenen Samstag ist Professor Ernst Höhler im Alter von 76 Jahren gestorben.

Die schmale Lesebrille – sein ganz persönliches Markenzeichen – stets vor Augen, hat Ernst Höhler den Blick auf die moderne Kunstlandschaft nicht nur in Aachen in besonderer Weise mit geprägt. Und reichlich Weitsicht bewiesen. Als Vorsitzender des Vereins der Freunde des Ludwig Forums setzte er sich seit 2011 wie kaum einer dafür ein, das Profil des Hauses an der Jülicher Straße permanent zu schärfen. „Wir sind tief erschüttert über seinen Tod. Einen besseren Freund als ihn kann man sich nicht vorstellen. Ernst Höhler hat dem Forum und dessen Team auch in schwierigen Situationen immer mit enormem Engagement zur Seite gestanden“, sagte Dr. Brigitte Franzen, Vorsitzende der Peter und Irene Ludwig Stiftung, am Montag. „Er war neugierig und unablässig interessiert, auch wenn es darum ging, persönliche Kontakte zu führenden Künstlern zu knüpfen.“ Große Verdienste habe Höhler sich als Förderer und Kuratoriumsvorsitzender des renommierten Aachener Kunstpreises erworben und so zahlreichen anerkannten Künstlern wie Pawel Althamer, Phyllida Barlow, Paulina Olowska, Franz Erhard Walther und zuletzt Walid Raad eine viel beachtete Stimme gegeben. Auch das Forschungsprojekt „Plattform Aachen“, das die Aktivitäten des Forums als Impulsgeber für zeitgenössische Kunst in aller Welt dokumentiert, trage seine Handschrift. „Ernst Höhlers Verdienste reichen weit über die finanzielle Unterstützung für das Ludwig Forum hinaus“, betonte Franzen. „Schon in den 60er Jahren hat er sehr viel für die Kunstszene in Aachen bewirkt“, sagte auch Alt-OB Jürgen Linden unserer Zeitung am Montag. „Er war ein enger persönlicher Freund, und ich finde es besonders beeindruckend, mit welcher Energie er sich dafür einsetzte, die moderne Kunst in unsere Stadt hinein zu tragen. Ihm ist es immer darum gegangen, möglichst alle sozialen Schichten an der Diskussion über ihren Stellenwert zu beteiligen. Elitäre Zirkel interessierten ihn nicht.“

Auch durch die besondere kreative Qualität seines beruflichen Schaffens dürfte Ernst Höhlers Name in vielen Ländern der Welt unvergessen bleiben. Nach seinem Studium an der RWTH gründete der gebürtige Wuppertaler 1970 das Architekturbüro „Höhler und Weiss“, das, seit 1987 unter dem Namen „Höhler + Partner“, zahlreiche hochkarätige Projekte maßgeblich konzipieren und umsetzen konnte, darunter die Hamburger Elbphilharmonie oder auch die German University of Technology im Oman, die 2007 in Kooperation mit der Aachener Hochschule gegründet wurde. Für die Realisierung des Neubaus wurde sein Unternehmen 2016 mit dem German Design Award Special ausgezeichnet. Heute beschäftigt es an seinen Standorten Aachen, Hamburg, Berlin, München und auf der arabischen Halbinsel rund 120 Mitarbeiter. Zahlreiche prominente Aachener Adressen tragen überdies seine Handschrift, darunter die Stadtbibliothek am Bushof, die Aachen-Arkaden an der Trierer Straße, das ehemalige Spielcasino im Neuen Kurhaus oder das Kármán-Auditorium, um nur wenige zu nennen. Ernst Höhler hinterlässt seine Frau Inge und zwei erwachsene Töchter.

(mh)
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