Aachen: Aachener Architekt Eller schrieb ein wichtiges Kapitel deutscher Baugeschichte

Aachen : Aachener Architekt Eller schrieb ein wichtiges Kapitel deutscher Baugeschichte

Ein großer Aachener ist tot: Fritz Eller starb vor wenigen Tagen im Alter von 91 Jahren. Der international bekannte Architekt wird am Freitag auf dem Westfriedhof beerdigt.

Der in Tirol geborene Baumeister plante und schuf unter anderem das Gebäude des nordrhein-westfälischen Landtags in Düsseldorf, das Schokoladenmuseum in Köln, den Neubau der Universität Bochum, das Technologiezentrum an der Dennewartstraße in Aachen, und auch für den Umbau der ehemaligen Schirmfabrik Brauer zum Ludwig Forum für Internationale Kunst in Aachen war er verantwortlich.

Die Liste der Projekte, Entwürfe, Gebäude und der Arbeiten seines renommierten Büros ist natürlich noch viel länger. Fritz Eller hat mit seinem Büro zahlreiche Wettbewerbserfolge erzielt, die für Kreativität, Fantasie, Vielfalt, Originalität und gleichzeitig das Notwendige stehen. Sie gehen in den Bauwerken dieses wunderbaren Architekten eine elegante und schöne Verbindung ein. Mit ihnen hat Fritz Eller ein wichtiges Kapitel deutscher Baugeschichte geschrieben.

Kurz vor seinem 90. Geburtstag im Februar vergangenen Jahres haben wir lange darüber gesprochen. Er hat mir damals vieles gezeigt und erklärt, manches verglichen, einiges kritisiert. Fritz war ein ganz aufmerksamer Gesprächspartner und ein so angenehmer Anreger von Ideen, Vorhaben, Plänen und Visionen — nicht nur architektonischen. Architektur stellte für ihn dabei stets ein gutes und wichtiges Stück unserer Gesellschaft dar, unseres vor allem auch urbanen Zusammenhalts und sie war für ihn gewiss besonders Ausdruck ganz vorzüglicher Kultur.

Einzigartiger Mensch

Ja, Fritz Eller: Er war ein guter Freund und dabei keineswegs ein nur kumpelhafter Typ. Freundschaft kam bei ihm auf den leisen Sohlen respektvoller Aufmerksamkeit und wertschätzender Empathie daher — mit zuverlässiger Verbindlichkeit, die nie Ausdruck von Ferne, sondern von vorzüglicher Hochachtung und damit angenehmer Nähe war. Viele werden ihn vermissen, diesen so besonderen, so beeindruckenden, so einzigartigen Menschen, der große Spuren und schöne Erinnerungen hinterlässt.

1957 zog Fritz Eller von Kaarst nach Aachen um. Über 62 Jahre war er mit seiner geliebten Trude verheiratet, die im vergangenen Jahr nach langer Krankheit starb. Auch über sie sprachen wir im Februar 2017. Und Fritz erzählte mit einem Lächeln, dass sie in Schwaz/Tirol in derselben Straße wohnten und sie erst 15 war, als er, der Student, auf sie aufmerksam wurde. „Ich musste warten, bis sie 18 wurde, dann durfte ich sie zum ersten Mal zum Ball einladen, so streng war das damals“, erinnerte er sich.

Sie waren bis zu ihrem Tod ein unzertrennliches Paar. Oft sah man sie in der Aachener Innenstadt, wenn Fritz sie im Rollstuhl durch die Straßen schob, sie bekannten Leuten zuwinkte und man schnell ins Gespräch mit den beiden kam. Das Bild wird immer im Bewusstsein bleiben.

Fritz Eller studierte Architektur an der Technischen Hochschule Graz, und nach seinem Examen 1953 gab es in Österreich keinen Job für ihn. So wechselte er in das Architektur-Büro Hentrich-Heuser nach Düsseldorf. Unter seiner Mitarbeit gab es mehrere Wettbewerbserfolge in verschiedenen Städten, und so wuchs auch in Aachen das Interesse an dem Architekten.

International erfolgreich

Professoren der RWTH Aachen kamen 1962, da hatte Eller gerade ein Laborgebäude für BASF geplant und realisiert, nach Düsseldorf und luden ihn zu einem Vortrag nach Aachen ein. Der damals 35-Jährige wurde kurz danach zum Professor und Lehrstuhlinhaber für das Entwerfen von Hoch- und Industriebauten berufen. Gleichzeitig war er Direktor des Instituts für Schulbau an der RWTH. 30 Jahre arbeitete er schließlich als Professor an der Uni Aachen.

1964 gründete er mit ehemaligen Kommilitonen die Bürogemeinschaft Eller, Moser, Walter und Partner in Düsseldorf, die sich schnell bundesweit und später international einen Namen machte. Der erste Auftrag war damals die größte Baustelle Europas: die auf der grünen Wiese entstehende neue Ruhr-Universität Bochum. Sein für ihn persönlich wichtigstes Werk war in der Retrospektive der NRW-Landtag.

Mit seinem Büro gewann er 1979 den Wettbewerb so überzeugend, dass von der Jury nur der erste Preis vergeben wurde. Das aus Kreisen bestehende Gebäude mit rundem Plenarsaal wurde ab 1980 im ehemaligen Hafengebiet nach den Plänen des Büros gebaut.

Am vergangenen Freitag ist Fritz Eller, eine außergewöhnliche Kapazität und ein außergewöhnlicher Mensch, gestorben. Er sei friedlich gegangen, sagt ein sehr enger Freund, der ihn noch regelmäßig besuchte. Dieser Freund, Ulrich Hahn, auch ein erfolgreicher Architekt, hat mir in einer Nachricht einen bewegenden Satz geschrieben: „Es ist gut zu wissen, dass er zu uns gehörte und prägende Spuren in Bauten, aber auch in Menschen hinterlässt.“

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