Aachen: Zahl der Streuobstwiesen geht zurück

Nabu schlägt Alarm : Aachen braucht jedes Jahr 150 neue Obstbäume

Der Naturschutzbund (Nabu) in Aachen schlägt Alarm: Die Zahl der Streuobstwiesen im Stadtgebiet geht deutlich zurück. Dabei sind solche Wiesen auch wichtig für Insekten und Vögel.

Ein traumhafter Frühlingstag am Dreiländerweg, nicht weit von Vaalserquartier: Alte und junge Bäume wachsen hier auf saftigem Grün, viele stehen in voller Blüte; eine Obstwiese wie aus dem Bilderbuch. In der Tat ist der Naturschutzbund (Nabu) mächtig stolz auf seine Streuobstwiese „Am Türmchen“. „Das ist die größte und wertvollste Obstwiese in Aachen“, sagt Manfred Aletsee, Leiter der Nabu-Naturschutzstation. Insgesamt allerdings sieht es nicht so gut aus für die Streuobstwiesen in Aachen. Denn die Bestände im Stadtgebiet sind deutlich zurückgegangen.

Innerhalb von gut zehn Jahren sind mehr als 1300 hochstämmige Obstbäume, fast 18 Prozent, verschwunden. Im Rahmen einer NRW-weiten Erfassung der Streuobstwiesen hatte die Nabu-Naturschutzstation im vergangenen Jahr zusammen mit Ehrenamtlern des Nabu-Stadtverbands den Bestand dokumentiert und mit Daten aus dem Jahr 2007 verglichen. „Die gesamte Obstwiesenfläche ist um mehr als ein Viertel, nämlich 28 Prozent, auf 185 Hektar gesunken“, stellt Aletsee fest. Er ist überzeugt: „Diese Entwicklung spiegelt den dramatischen Verlust an Strukturelementen in der Landschaft wider und ist auch wesentliche Ursache für den Rückgang an Insekten und Vögeln.“

„Am Türmchen“ wachsen mehr als 200 Obstbäume auf 5,6 Hektar. 2006 hat der Nabu das Areal mit finanzieller Hilfe der NRW-Stiftung angekauft. „Die Pflaumen sind jetzt schon durch“, sagt Aletsee mit Blick auf die Farbenpracht, „die Birnbäume stehen voll in Blüte, und jetzt ist der Apfel an der Reihe.“ Über die Jahre hat der Naturschutzbund immer wieder nachgepflanzt und vor allem auf heimische Sorten gesetzt: Obstbäume, die so wunderbare Namen tragen wie Seidenhemdchen, Ingrid Marie, Rote Sternrenette, Winterrambur oder Münsterbirne. Der etwa 25 Jahre alte Boskoop steht gerade in voller Blütenpracht.

Insgesamt förderte und betreut der Nabu 27 Streuobstwiesen mit einer Gesamtfläche von rund 30 Hektar in Aachen. Das sind rund 20 Prozent des aktuellen Streuobstbestands in der Stadt. Die Kartierung von 2018 zeigt aber auch eine positive Entwicklung. Die Zahl der Streuobstbestände mit mindestens neun Bäumen sei zwar auch um etwa zehn Prozent zurückgegangen, sagt Aletsee. Die Zahl der Bäume auf diesen Flächen sei aber sogar um fast sechs Prozent gestiegen. „Die großen Flächen haben wir erhalten können“, bilanziert der Biologe. Das sei ein Erfolg der konsequenten Naturschutzprojekte der Nabu-Naturschutzstation sowie von Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen für Bauprojekte. „Allein rund 500 Bäume, also knapp zehn Prozent des aktuellen Baumbestands, hat die Nabu-Naturschutzstation seit 2007 zusammen mit dem Nabu-Stadtverband gepflanzt“, sagt Aletsee.

Und die Anstrengungen sollen weitergehen. Im vergangenen Herbst hat der Nabu auf drei Flächen im Aachener Süden rund 60 Bäume nachgepflanzt. Und wer Interesse hat, auf landwirtschaftlich genutzten Flächen auf- oder nachzupflanzen, könne sich gerne an den Nabu-Stadtverband oder die Nabu-Naturschutzstation wenden, sagt Aletsee. Denn eigentlich, rechnet er vor, müssten in Aachen jedes Jahr rund 150 neue Obstbäume gepflanzt werden, um den Bestand zu erhalten.

Die Pflege von Streuobstwiesen wie der „Am Türmchen“, sagt Aletsee, sei wichtig für den Erhalt der Artenvielfalt und damit für den Naturschutz. „Aber wir erhalten hier auch ein Stück Kulturlandschaft ganz nah an der Stadt. Auch das ist wertvoll.“ Die vielen Spaziergänger auf dem Dreiländerweg, die begeistert stehenbleiben, geben ihm da recht.

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