Aachen: Aachen will vor der blauen Plakette ins Ziel

Aachen : Aachen will vor der blauen Plakette ins Ziel

Die Umweltzone — ein Thema, zu dem die Liebe in Aachen bisweilen nicht sehr stürmisch ist. Das zeigt sich derzeit wieder an der Diskussion um die mögliche Einführung einer blauen Plakette in der Zukunft.

Mit ihr könnte nach Meinung einiger deutscher Großstädte ein Fahrverbot für besonders umweltschädliche dieselbetriebene Fahrzeuge in belasteten Gebieten durchgesetzt werden — in Aachen ist man skeptisch.

„Für den Ausschluss von Fahrzeugen aus der Stadt gibt es gar keine rechtliche Grundlage“, erklärt Harald Beckers vom Presseamt. Die blaue Plakette käme einem Systemwechsel gleich. Die Umweltplaketten hätten sich bisher immer auf Feinstäube bezogen. Die blaue Plakette hingegen rücke in der Form, in der sie derzeit diskutiert wird, Stickoxide in den Fokus.

Taxi, Bus und LKW verboten?

Und die würden in besonderem Maße von Diesel-Fahrzeugen ausgestoßen. Das bedeute, entweder man arbeite inkonsequenter Weise mit jeder Menge Ausnahmegenehmigungen, oder man verwehre auch jenen Lastwagen, Zulieferern, Bussen und Taxen, die mit Diesel fahren, die Zufahrt in entsprechende Zonen — fast allen also. Deswegen rechnet man im zuständigen städtischen Fachbereich mit verpflichtenden Maßnahmen nicht vor 2022, auch aufgrund von Übergangsfristen, die in solchen Fällen in der Regel vereinbart würden.

Der städtische Blick in die Zukunft fällt aber deswegen besonders hoffnungsfroh aus, weil man in Aachen die von der EU festgelegten Grenzwerte schon viel früher einhalten will. Die Maßnahmen des Luftreinhalteplans sollen dafür sorgen. Und dieser Plan geht offenbar auf. Zumindest weisen darauf die Werte hin, die an den drei vom Landesumweltamt betriebenen Messpunkten in Aachen gesammelt werden: Seit Inkrafttreten des Luftreinhalteplans 2009 sind die Belastungen durch Feinstaub und Stickstoffdioxid zwar langsam, aber dennoch kontinuierlich gesunken.

Am Messpunkt Wilhelmstraße ist der Feinstaubwert im Jahresmittel für 2015 auf einen Tiefststand von 25 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (EU-Grenzwert: 40 µg/m³) gesunken. An zwölf Tagen wurde der Grenzwert überschritten, zulässig sind bis zu 35 Überschreitungstage pro Jahr. Ein ähnliches Bild gibt es in Burtscheid: 15 µg/m³ im Jahresmittel sind Rekord. Weniger als die vier Überschreitungstage 2015 gab es nur im Jahr 2008 mit zwei Tagen.

Ein anderes Bild ergibt sich bezüglich des Stickstoffdioxids. Trotz im Schnitt sinkender Werte seit 2009 ist der EU-Grenzwert von 40 µg/m³ sowohl an Wilhelmstraße (50 µg/m³) wie Adalbertsteinweg (45 µg/m³) im Jahresmittel 2015 überschritten worden. Allein der Messpunkt Burtscheid, an dem der regionale Hintergrund gemessen wird, registrierte im vergangenen Jahr niedrigere Werte — 14 µg/m³ im Jahresdurchschnitt.

„Wer sich traut, soll vorpreschen“, sagt Klaus Meiners vom Fachbereich Umwelt. Gemeint sind Großstädte wie Köln, Berlin, München oder Bremen, wo die Probleme mit der Einhaltung der europäischen Feinstaub-Grenzwerte größer sind als in Aachen.

Derweil sorgt die Umweltzone auch während des Reitturniers CHIO für eine kuriose Randgeschichte. Für die Dauer des Turniers ist dem Aachen-Laurensberger Rennverein (ALRV) das Parkhaus am Tivoli überlassen. Inhaber eines Dauerparkplatzes dürfen ihre Stellplätze auch in dieser Zeit nutzen — so sie das Parkhaus denn legal erreichen können.

Bislang keine Beschwerden

Denn die Zufahrt über den Kreisel zwischen Tivoli und Eissporthalle, die außerhalb der Umweltzone liegt, ist während des CHIO gesperrt. Umgeleitet wird die Zufahrt zum Parkhaus über die Krefelder Straße. Und die liegt innerhalb der Umweltzone. Ist unter den Dauerparkern im Parkhaus am Tivoli also jemand, der ein Auto ohne grüne Plakette fährt, kann er seinen Parkplatz legal nicht erreichen.

Betroffene werden das sicherlich weniger witzig finden, so es sie denn gibt. Denn laut Rita Klösges vom städtischen Presseamt hat sich bisher noch niemand beklagt.

Mehr von Aachener Nachrichten