Aachen will neuen Citymanager einstellen

Innenstadtentwicklung : Ein Citymanager für Aachen soll frischen Wind bringen

Mehr Wandel als im Handel geht derzeit kaum. Im digitalen Zeitalter mit all seinen Auswirkungen auf das Einkaufs- und Freizeitverhalten der Menschen steht auch die Aachener Innenstadt vor einschneidenden Veränderungen.

Damit sie ihre Anziehungskraft und Attraktivität behält, will die Stadt personell aufstocken. Ein neuer Citymanager und zwei Planer sollen in diesem Jahr ihre Arbeit aufnehmen.

Mehr Geld und mehr Personal für die Innenstadtentwicklung: Darauf haben sich CDU und SPD bereits im Verlauf der Haushaltsberatungen verständigt. Nötig ist das, weil auch sie wissen, dass der Stillstand, wie er etwa am Bushof, am Büchel oder auch an der unteren Adalbertstraße zu sehen ist, auf Dauer tödlich für den Einzelhandel und das Leben in der Stadt sein kann.

„Von einem attraktiven Umfeld profitieren alle“, sagt Manfred Piana, Geschäftsführer des Märkte und Aktionskreises City. Daher sei es auch so wichtig, Leerstand zu vermeiden, Druck auszuüben, städtebauliche Projekte voranzutreiben und immer wieder neue Lösungen zu finden. „Einkaufen wird immer mehr ein Teil der Freizeitgestaltung“, sagt Piana. Das heißt aber auch, dass die Menschen nicht mehr in die Stadt strömen, um sich mit bestimmten Produkten einzudecken und zu versorgen, sondern um sich zu vergnügen und Spaß zu haben. Sie suchen einen sozialen Treffpunkt. Wer den stationären Handel retten will, muss auch Events und Unterhaltung bieten. „Das Gesamtpaket muss stimmen“, sagt Piana.

Einer, der sich bislang als Einzelkämpfer bei der Stadt im Fachbereich Wirtschaftsförderung mit diesen Fragen befasst, ist Herbert Kuck. Doch weil die Aufgaben immer größer und komplexer werden, soll ihm ein Citymanager zur Seite gestellt werden. Hinzu kommen dann noch zwei neue Kollegen im Planungsamt, die sich ebenfalls speziell mit der Innenstadtentwicklung befassen sollen.

Das Problem: So recht kann niemand prognostizieren, wohin sich der Einzelhandel entwickeln wird. Tendenziell sei die Nachfrage im stationären Handel wegen der Online-Konkurrenz und auch aufgrund der demografischen Entwicklung rückläufig, sagt Piana. Deswegen sind Fachleute wie Kuck auch überzeugt, dass der Flächenbedarf im Aachener Einzelhandel künftig geringer sein wird.

Aktuell gibt es in der Innenstadt innerhalb des Grabenrings Verkaufsflächen in einer Größenordnung von insgesamt rund 175.000 Quadratmetern. Einzige größere Ausreißer waren in den letzten Jahren die Neueröffnung des Aquis Plaza (plus 30.000 Quadratmeter) und die Schließung von Lust für Life (minus 10.000 Quadratmeter). Der digitale Wandel könnte nun viel weitreichendere Folgen haben.

Der Trend wird sich wegbewegen vom klassischen Kaufhaus hin zu „attraktiven Showräumen“, glaubt Kuck. Dort kann man sich dann umtun und inspirieren lassen. Der dazugehörige Einkauf wird möglicherweise per Mausklick erledigt und nach Hause geliefert.

Doch weitere Reize seien nötig, um die Menschen in die Innenstadt zu locken, ist die SPD überzeugt. Am Montag hat sie bereits umfassende Gedanken zu Papier gebracht, mit welchen Aufgaben sie den neuen Citymanager beauftragen will, um den Wandel „von einer reinen Einkaufsstadt hin zu einer Erlebnis-, Ereignis- und Aufenthaltsstadt“ voranzutreiben. Die SPD ist damit bereits weiter als die CDU, wo die Beratungen laut Fraktionschef Harald Baal noch andauern, bevor man sich mit dem Koalitionspartner abstimmen könne.

Mehr Sauberkeit, aufgehübschte Grünflächen, mehr Spielmöglichkeiten für Kinder, neue Außengastronomie, mehr Straßenkunst, moderne Stadtmöblierung – das sind nur einige Ansätze, die die SPD in der Innenstadt voranbringen will. Auch fordert sie ein „Leerstandsmanagement“, mit dem längere Leerstände von Ladenlokalen – wie an der unteren Adalbertstraße oder am Dahmengraben – verhindert werden sollen. Sogenannte Popup-Stores – kurzzeitige preiswerte Vermietungen – sollen verstärkt gefördert werden. Besondere Gedanken wird man sich auch über die Fußgängerzone Großkölnstraße machen müssen, die nach dem Umzug von Sinn ins ehemalige Lust for Life einen wichtigen Anziehungspunkt verlieren wird. Auch eine Umnutzung nicht mehr benötigter Geschäftsräume in Wohnraum sei eine denkbare Lösung.

Was davon in die Tat umgesetzt werden soll, müssen die Gespräche mit dem Koalitionspartner zeigen. Sicher ist jedoch schon jetzt: Über einen Mangel an Arbeit wird der künftige Citymanager nicht klagen können.