Aachen-Walheim: Anwohner beschwert sich über wildes Pinkeln

Wildes Pinkeln : Wenn der Busfahrer ein dringendes Bedürfnis hat

Wer als Busfahrer am Steuer sitzt, ist oft viele Stunden auf Tour. Und anders als bei Menschen, die im Büro arbeiten, muss auf der täglichen Fahrtroute auch eingeplant werden, wann und wo man ein stilles Örtchen aufsuchen kann.

Nicht immer ist dieses Örtchen offenbar ganz so still. Marc Jacobs hat da so seine Erfahrungen gemacht. Er wohnt mit seiner Familie am Rand von Walheim, da, wo der Aachener Süden immer grüner wird. Nicht weit entfernt ist die Aseag-Haltestelle Walheim-Hasbach. Und immer mal wieder, sagt Jacobs, steige dort der jeweilige Fahrer für eine Pinkelpause aus. Die meisten gingen auf einem kleinen Wirtschaftsweg ein paar Schritte ins Grüne und erleichterten sich dort. „Im Wald, wo andere Menschen spazieren gehen“, sagt Jacobs, der das nicht gerade appetitlich findet.

Vor drei Wochen aber sei es einem Fahrer sogar dafür wohl zu kalt gewesen. „Stattdessen uriniert er lieber auf das Hinterrad. Das sind keine Szenen, die man in einem Wohnviertel sehen möchte.“ Jacobs hat das der Aseag im einem Beschwerdebrief mitgeteilt und auch ein Foto beigelegt. „Man kann ja verstehen, dass da irgendwie Not ist“, sagt Jacobs. „Aber wenn mein Hund was hinterlässt, krieg‘ ich eins gemalt.“ Auch in anderen Ecken der Stadt ärgern sich Aachener über pinkelnde Busfahrer, so zum Beispiel am Wendehammer am Ende der Neuköllner Straße.

Bei dem kritisierten Verkehrsunternehmen hört man solche Geschichten nicht gerne. „Das ist natürlich ganz und gar nicht im Sinne der Aseag“, teilt Aseag-Sprecher Paul Heesel auf Anfrage mit. „Wenn uns entsprechende Hinweise zu Ohren kommen, ermahnen wir den betroffenen Kollegen.“

Es sei allerdings wichtig, dass Fahrerinnen und Fahrer unterwegs zur Toilette gehen könnten. „Neben den Toiletten an den Bushöfen in Aachen und Eschweiler sind an einer Reihe von Endhaltestellen Sanitärkabinen aufgestellt worden“, erläutert Heesel. Auf einer älteren Liste findet er 36 solcher Kabinen verzeichnet. „Vermutlich sind es heute noch mehr.“

Seit Jahrzehnten guter Brauch sei es zudem, dass Busfahrer Toiletten in Cafés, Gaststätten, Tankstellen, Kaufhäusern und Einrichtungen wie Schulen oder Friedhöfen nutzen können. „Wenn es nicht gerade ein ganz dringender Notfall ist, müsste sich also immer eine Toilette finden“, sagt Heesel. Für den Bereich Walheim-Hasbach sei nicht geplant, ein mobiles Klo-Häuschen für die Busfahrer aufzustellen. Die Haltestelle werde nur von wenigen Linienbussen angefahren.

Übrigens: In der Aachener Straßenverordnung steht klipp und klar: „Das Verrichten der Notdurft außerhalb von Toiletten ist untersagt.“ Und der Verwarnungsgeldkatalog des Ordnungsamts sieht dafür ein Verwarnungsgeld von 55 Euro vor.

(mg)