Aachen: Vortrag über die Sprache der Rechten gut besucht

Sprachwissenschaftler untersucht Terminologie von Populisten : Der schwierige Umgang mit dem politischen Gegner

Welcher Sprache bedienen sich Rechtspopulisten? Und wie kann ich Menschen erreichen, die diesen Populisten auf den Leim gegangen sind? Damit hat sich Thomas Niehr, Professor für Sprachwissenschaft an der RWTH Aachen, am Mittwochabend bei einem Vortrag im „Zuhause“ an der Sandkaulstraße beschäftigt.

Wo verlaufen die Grenzen zwischen linker und rechter Politik? Gilt noch die alte Regel, dass derjenige, der rechts im Parlament sitzt, auch „rechts“ denkt? Dass man in der heutigen Zeit in so klaren Kategorien denkt, halte er für schwierig, erklärte Professor Thomas Niehr vom Institut für Sprach- und Kommunikationswissenschaft der RWTH am Mittwochabend im Café „Zuhause“ an der Sandkaulstraße in Aachen. Er und der freie Journalist Michael Klarmann hielten auf Einladung des Grünen Salons der Heinrich-Böll-Stiftung einen Vortrag zum Thema „Mit Rechten sprechen“. Ein Thema, das interessiert: Der kleine Vortragsraum im Café platzte fast aus allen Nähten.

Zentrale Fragen des Abends waren: Welcher Sprache bedienen sich Rechte? Kann man, sollte man sich mit ihnen über Politik unterhalten? „Es kann nicht darum gehen, dass wir Demokraten uns gegenseitig bestätigen, dass rechte Positionen unmöglich sind“, konstatierte Niehr. Auch halte er es für unmöglich, gegen populistische Wortführer argumentativ vorzugehen: „Die Gaulands und Le Pens dieser Welt können wir nicht mit guten Argumenten davon abhalten das zu tun, was sie tun. Da sollten wir uns keine Illusionen machen.“ Doch lohne sich ein Blick auf die Sprache, die von Rechten verwendet wird, weil man beobachten könne, wie die Wortführer ihre Anhänger und potenziellen Wähler beeinflussen – und wie sich die Sprache der Rechten verändert. Dass die Menschen heute weniger bereit seien, in Diskussionen auf Andersdenkende einzugehen, mache die Sache nicht leichter.

„Früher hieß es bei den Rechten ganz einfach: Ausländer raus! Heute spricht man vom sogenannten Ethnopluralismus“, sagte Journalist Klarmann mit Hinweis auf die Identitäre Bewegung, die von vielen als eine Art intellektuelle Rechte gesehen wird. Der sogenannte Ethnopluralismus besagt, dass es zwar mehrere Ethnien geben dürfe – aber bitte getrennt voneinander. Das sprachliche Instrumentarium hat sich verändert, das macht ein Erkennen der Rechten schwieriger, dessen müsse man sich bewusst sein, argumentierte Klarmann.

Was den Gästen des Vortrags vor allem unter den Nägeln brannte, war die Frage danach, ob und wie man mit Menschen aus dem Familien- und Bekanntenkreis reden soll, die neuerdings rechten Ideologien anhängen. „Ich kann kaum noch mit meinem Vater sprechen, der AfD-Wähler ist“, sagte ein junger Teilnehmer, „es gibt einfach weder bei Werten noch bei der Terminologie eine Ebene, auf der wir uns unterhalten können.“ Auch eine andere Teilnehmerin sprach von Menschen in ihrem Bekanntenkreis, die seit kurzer Zeit Anhänger der AfD sind und mit denen Gespräche über politische Themen schwierig geworden seien. Schicksale zu personalisieren und nicht pauschal über Menschengruppen zu sprechen, rieten einige andere, oder an die Empathie zu appellieren. Michael Klarmanns Tipp dazu: Begrifflichkeiten „erden“ und ein Gespräch auf einer Basis führen, die für beide Parteien emotional in Ordnung ist und niemanden verletzt. „Wir dürfen uns nicht darauf beschränken, uns ein Bild von den anderen zu machen. Wir müssen auch unsere eigene Filterblase verlassen, wenn wir wirklich an einem Austausch interessiert sind.“

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