Aachen: Verkehrspolitiker fahren Fahrrad

Verkehrspolitiker auf dem Fahrrad (5) : Ein Plädoyer für Radvorrangrouten – aber nur auf Nebenstrecken

Politiker treten in die Pedale: Dennis Karrasch auf dem Rad

Unsere Zeitung setzt Verkehrspolitiker aufs Rad: Im fünften Teil der Serie radelt Dennis Karrasch (FDP) durch Aachen. Der Liberale plädiert für mehr Radvorrangrouten auf Nebenstrecken, will den Autoverkehr auf den Hauptstraßen aber nicht antasten.

Dennis Karrasch macht direkt klar, wo er hin will: weg von den Hauptverkehrsstraßen – in diesem Fall die Wilhelmstraße – und hin zu den Nebenrouten. Denn dort liegt für ihn zumindest ein Teil einer besseren Zukunft für Aachens Radfahrer. Und um gleich mal ein konkretes Beispiel zu präsentieren, radelt der junge FDP-Verkehrspolitiker über die Lothringer Straße und die Richardstraße bis zur Gottfriedstraße – alles Trassen, die seiner Meinung nach geradezu ideal für Radfahrer sind, um sich sicher und komfortabel durch den Innenstadtverkehr zu bewegen.

Wenn da nicht der Autoverkehr wäre. An diesem Wochentag um kurz nach 16 Uhr staut sich das Blech sowohl in der Richard- als auch in der Gottfriedstraße, auch für Pedaltreter gibt es kaum ein Fortkommen. Von Sicherheit und Komfort keine Spur. Karrasch hält an der Kreuzung an, steigt ab, schiebt sein Rad auf den Bürgersteig und erklärt, dass man an dieser Stelle bloß den Pkw-Verkehr reduzieren müsse, um den Radlern das Leben zu erleichtern. Und das sei doch recht einfach: Wenn man nur die Gottfriedstraße komplett zur Einbahnstraße mache, werde schon viel überflüssiger Autoverkehr aus den kleinen Sträßchen herausgehalten, meint Karrasch. „Wir müssen sehen, dass wir die vorhandene Infrastruktur besser nutzen“, sagt er. Und fragt: „Warum sollen wir nicht noch viel mehr Radvorrangrouten anlegen als bisher vorgesehen?“

Dass ein junger Liberaler – Dennis Karrasch ist 29 Jahre alt, macht seit zwei Jahren Kommunalpolitik und sitzt unter anderem in der Fachkommission Radverkehr – für mehr Radvorrangrouten und weniger Autoverkehr plädiert, klingt überraschend, gilt aber auch nur für besagte Nebenstrecken. Auf den Hauptverkehrsstraßen Aachens sieht der FDP-Mann keine Chance für eine Umverteilung des knapp bemessenen Verkehrsraums. Jedenfalls nicht für eine, die auf Kosten des motorisierten Blechs ginge. Breitere, sicherere und möglicherweise sogar deutlich abgetrennte Verkehrswege für Radler, dafür mancherorts weniger Parkplätze oder Autospuren? „Nein, wir dürfen den Autofahrern keinen Platz wegnehmen“, lehnt der Liberale solche Ideen ab. Denn: „Autos müssen auch weiterhin die Innenstadt erreichen können, und wir haben schon genug Staus.“

Doch auch auf den für Radfahrer vielfach gefährlichen Hauptrouten könnte man einiges verbessern, wenn man die vorhandene Infrastruktur besser nutze, meint Karrasch. Dabei hat er vor allem die Grünstreifen der Alleen im Sinn. Im Blick hat er einen solchen, als ihn die Radtour über Wilhelmstraße und Kaiserplatz zum Hansemannplatz führt. Dort kann man – wenn man sich das als Radfahrer inmitten des tosenden Verkehrs traut – einen Blick hinüber zum Beginn des Mittelstreifens der Monheimsallee werfen und da tatsächlich ein „Radfahrer frei“-Schild am Fußweg entdecken. Bloß kommt man dort eigentlich nur lebend hin, wenn man sein Rad über mehrere Fußgängerampeln schiebt...

„Klar, die Anbindung eines Radwegs auf dem Mittelstreifen müsste verbessert werden, aber grundsätzlich halte ich solch eine Verkehrsführung für Radfahrer auf Alleen für eine gute Lösung“, sagt Karrasch. Und dass die Pedaltreter dort derzeit über teils holpriges Pflaster und um Blumenbeete herum kurven und dabei mitunter Passanten ausweichen müssen, ist für ihn auch kein unlösbares Problem: „Platz ist da genug, um einen neuen Radweg anzulegen und die Straßenüberquerungen zu verbesssern Da müsste die Stadt nur mehr Geld in die Hand nehmen.“ Vom Hansemannplatz bis zum Ponttor jedenfalls könnte man den Radverkehr so bequem und sicher in Mittellage fließen lassen, meint er. Und an der Oppenhoffallee sei Ähnliches denkbar.

Vom Ponttor aus führt die Tour Karrasch, der beruflich nach eigenem Bekunden aufs Auto angewiesen ist und sich deshalb als reinen „Freizeitradler“ bezeichnet, am SuperC vorbei über den Grabenring bis zu Stadtteater und Elisenbrunnen. Eine Route, die er später als „angenehm“ bezeichnet: „Dort habe ich mich auf dem Radstreifen durchweg sicher gefühlt.“ Einzige Ausnahme: Die Verkehrsführung am Kapuzinergraben, wo das Rechtsabbiegen für Radfahrer in Richtung Theaterstraße vom Radstreifen aus über Pkw- und Busspur hinweg einer Mutprobe gleichkommt.

Es ist eine dieser Stellen, wegen derer Karrasch „überhaupt nicht erstaunt ist“, dass das Thema Radverkehrssicherheit in aller Munde ist. Gleichwohl plädiert er dafür, „den Radverkehr nicht isoliert zu betrachten“ und darüber auch die anderen Verkerhsteilnehmer nicht zu vergessen: „Wir müssen vor allem auch die Fußgänger schützen“, fordert er – und beschützt werden müssten diese leider allzuoft vor Radfahrern. Vor seinem Büro an der Ecke Lothringer Straße/Wilhelmstraße beobachte er häufig haarsträubende Konfliktszenen, erzählt Karrasch. Dort und nicht nur dort wünsche er sich deshalb auch mehr Verkehrskontrollen für Radfahrer. Denn: „Die Verkerhsregeln gelten für alle, auch für Radfahrer.“

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