Aachen: Verhandlungen über die Nobelherberge

Bisherige Partner wollen wohl weitermachen : Der Pachtvertrag für den Quellenhof läuft aus

Die Accor Hotels und Eigentümer Jagdfeld verhandeln über Verlängerung des Pachtvertrages für den Aachener Quellenhof. Fest steht: Umfassende eine Renovierung und Umbauten sind nötig.

Schlaflose Nächte bereitet der Aachener Pullman Quellenhof noch niemandem. Aber spätestens 2020 stehen umfassende Veränderungen und Umbauten in der nobelsten Herberge der Stadt an. So oder so. Der Vertrag des Pächters Pullman – die Marke gehört zum Hotelriesen Accor – für das herrschaftliche Fünf-Sterne-Haus an der Monheimsallee läuft Ende kommenden Jahres aus. Deswegen verhandelt die Eigentümer-Familie Jagdfeld mit ihrem Unternehmen Deutsche Immobiliengruppe schon seit Monaten mit Accor Hotels, unter welchen Bedingungen der Vertrag fortgeschrieben beziehungsweise erneuert werden könnte – oder eben nicht.

Dem Vernehmen nach streben beide Seiten eine Fortsetzung der Zusammenarbeit an, so dass eine zumindest zeitweise Schließung des Hauses beim Auslaufen des Vertrags nicht in Betracht käme. Offizielle Äußerungen zum Verhandlungsstand gibt es von beiden Seiten nicht.

„Man spricht intensiv miteinander und ist auf einem guten Weg“, erklärt Quellenhof-Direktor Walter Hubel auf Anfrage unserer Zeitung. Unter seiner Führung konnte die Belegungsrate in den vergangenen sieben Jahren um rund zehn Prozent gesteigert werden. 55 400 Übernachtungen zählte man vergangenes Jahr – Tendenz steigend, da neben Touristen auch immer mehr Geschäftsreisende und Kongressgäste in dem neoklassizistischen Parkhotel absteigen. Aber das Gebäude, im Jahr 1916 nach den Entwürfen von Carl Stöhr erbaut und eröffnet, benötigt dringend eine Frischzellenkur. „Die umfassende Kernsanierung im Jahr 1999 war so erfolgreich, dass man bei nun notwendigen Umbau- und Renovierungsarbeiten sicher nicht das ganze Hotel schließen müsste“, sagt Hubel. „Aber allen Beteiligten ist klar, dass etwas getan werden muss“, stellt der Hotelchef fest. Dabei geht es nicht nur um einen frischen Anstrich des Foyers, sondern womöglich um einen neuen Zuschnitt des Luxushotels. Vor allem für die Zimmer: „Wir haben bereits in enger Abstimmung mit der Familie Jagdfeld mehrere Einzelzimmer zu Junior-Suiten ausgebaut“, erläutert Hubel. Denn die Belegungsrate könnte schneller wachsen, wenn man die Zahl der derzeit 53 Einzelzimmer verringern könnte – zugunsten von mehr Junior-Suiten und Doppelzimmern. Ausgefeilte Pläne dazu gibt bereits. Gegenwärtig verfügt man neben Einzelzimmern über 128 Doppelzimmer und zwei Präsidentensuiten mit 110 beziehungsweise 144 Quadratmetern. Solch ein Umbau könnte nach Einschätzung von Experten im laufenden Betrieb über die Bühne gehen, ohne Nerven und Ohren von Hotelgästen über die Maßen zu strapazieren. Eine Frage der Schallschutzplanung. Und eine Frage des Umbaubudgets. Dieses kann natürlich erst nach dem Ablauf der laufenden Vertragsverhandlungen näher beziffert werden.

Apropos Planung: Dass die Aachener Kommunalpolitik und das Eurogress ihr Kongress- und Tagungsgeschäft auf das vom Spielcasino längst verlassene und damit leerstehende Kurhaus erweitern möchten und dort zig Millionen Euro in die Sanierung investieren, ist für die Hotelchefs nebenan eine hervorragende Nachricht. „Das beflügelt hier natürlich Planungen, schließlich ist das Quellenhof-Team auch jetzt schon bei großen Kongressen mit im Boot  bis zu 600 Gäste werden dann allein aus unserer Küche bewirtet.“

Das Fünf-Sterne-Hotel verfügt über Fläche und Personal. Die Hotelmannschaft im Pullman Quellenhof ist mindestens vier mal so groß wie die eines konventionellen Drei-Sterne-Hauses. Rund 145 Mitarbeiter zählt man derzeit. Die wollen beschäftigt werden. „Mit weiteren Kongressflächen könnte das Eurogress mehr Großveranstaltungen, für die es durchaus Anfragen gibt, nach Aachen lotsen. Und man könnte auf die nicht allzu hübschen Catering-Zelte, die zeitweise aus Platzmangel vor dem alten Casino in der Parkanlage aufgebaut werden, verzichten“, sagt Quellenhof-Chef Hubel.

Nur eines dürfe man nicht: die Chancen, die sich nun durch die Neuverhandlung der Verträge bieten, verschlafen.

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