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Aachen: Vereinsheim der Kleingärtner soll zur Kita werden

Dauergartenverein Eupener Straße : Die „Gartenkinder“ haben große Pläne

Eine Kindertagesstätte in der Kleingartenanlage: Das funktioniert bei den „Gartenkindern“ am Hangeweiher seit drei Jahren sehr gut. Nun möchte Leiterin Annette Host in einer anderen Dauergartenanlage eine weitere Kita eröffnen. Allerdings gibt es finanzielle Hindernisse.

Vor ziemlich genau drei Jahren ging in Aachen ein ungewöhnliches Kita-Projekt an den Start. Die „Gartenkinder“ bezogen im umgebauten Vereinsheim der Kleingartenkolonie Hangeweiher ihr neues Zuhause. Seitdem betreuen Kita-Leiterin Annette Host und ihr Team in der privaten Montessori-Kindertagesstätte 15 Kinder unter drei Jahren. Nun sollen die „Gartenkinder“ Zuwachs bekommen. Annette Host würde gerne eine kleine Dependance, eine eingruppige Kita für Kinder ab drei Jahren eröffnen. 15 bis 20 Plätze soll es geben, allesamt öffentlich gefördert nach dem NRW-Kinderbildungsgesetz (Kibiz). Host hat auch schon passende Räume gefunden – wieder in einem Vereinsheim inmitten von Schrebergärten. Allerdings gibt es ein paar Probleme. Denn es geht diesmal um sehr viel Geld.

Ortstermin beim Dauergartenverein Eupener Straße. Seit 72 Jahren wird hier gemeinschaftlich gegärtnert. Das Vereinsleben ist rege, die 73 Parzellen sind sehr gefragt, wie Vereinsvorsitzender Sebastian Schmidt bestätigt. Nicht mehr gefragt ist dagegen das Vereinsheim. Das großzügige Gebäude entstand Ende der 1970er Jahre, vieles wurde in Eigenregie gebaut. Allein der Festsaal ist rund 120 Quadratmeter groß. Genutzt werden die Räume aber immer weniger. „Dieses Riesending kostet uns zu viel Geld“, stellt die zweite Vorsitzende Anne Liebler nüchtern fest. „Durch Feiern oder Vermietungen können wir das gar nicht mehr reinholen.“ Der letzte Pächter habe sich bereits 2018 verabschiedet. „Seit elf Jahren bin ich in der Anlage“, sinniert Liebler. „Und anfangs gab es hier jeden Sonntag einen Frühschoppen. Und viel mehr Feste als heute.“ Das Vereinsleben, auch im Kleingarten, habe sich grundlegend geändert.

Daher ist es für den Dauergartenverein ein Glücksfall, dass jemand wie Annette Host genau solch ein Haus mitten im Grünen sucht. Von ihrem Konzept hat die Kita-Leiterin nicht nur den Vorstand, sondern auch die Mitglieder auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung überzeugen können. Und so soll es weitergehen: Der Dauergartenverein vermietet sein Haus an die „Gartenkinder Hangeweiher gemeinnützige Unternehmensgesellschaft“, die das Gebäude für ihre Bedürfnisse umbauen kann. Der Mietvertrag soll für zehn Jahre abgeschlossen werden, mit der Option auf Verlängerung jeweils um fünf Jahre.

Im Festsaal des Vereinsheims könnten irgendwann Kita-Kinder spielen. Dafür wären aber aufwendige Umbaumaßnahmen nötig. Foto: Andreas Herrmann

Um aus dem Vereinsheim einen Kindergarten zu machen, müsste allerdings sehr gründlich umgebaut werden. Für eine Kindertagesstätte ist schließlich ein spezielles Raumangebot vorgeschrieben, vom Gruppenraum bis hin zu kleinen Toiletten für die Kinder. Auch am Brandschutz müsste mächtig was getan werden. Unterm Strich würden laut Annette Host wohl Kosten in Höhe von gut einer halben Million Euro zusammenkommen. Sie bemüht sich nun bei der Stadt um Fördermittel. Allerdings tun sich dabei zwei große Hindernisse auf. Zum einen würde nach Hosts Angaben ein Eigenanteil von zehn Prozent fällig, den sie allein nicht stemmen kann. Zum anderen sind Fördermittel in dieser Höhe an eine 20-jährige Zweckbindung gekoppelt, wie Host bei der Verwaltung erfuhr. Die heute 59-Jährige kann aber nicht garantieren, noch 20 Jahre eine Kita zu betreiben. Nun hofft sie, dass sich für beide Probleme eine Lösung finden lässt. Dass sich Unterstützer finden oder dass vielleicht sogar die Stadt selbst einspringt. „Kita-Plätze werden schließlich dringend gebraucht“, argumentiert Host.

In der Tat: Auch Betreuungsplätze für Kinder ab drei Jahren sind nicht überall in der Stadt in ausreichender Menge verfügbar. Durch den intensiven Ausbau von Kitaplätzen für Kleinkinder sind in den vergangenen Jahren zahlreiche Ü3-Plätze umgewandelt worden und weggefallen. Derzeit liegt die Versorgungsquote in Aachen bei den Drei- bis Sechsjährigen bei nur knapp 94 Prozent und ist damit nach Angaben der Verwaltung „gerade noch ausreichend“. Neue Ü3-Plätze müssten auf jeden Fall geschaffen werden, heißt es in den Erläuterungen zum Kindertagesstättenbedarfsplan 2019/20. Denn auch die Kinderzahlen steigen in Aachen.

Bei der Stadt äußert man sich knapp und zurückhaltend zu den Plänen von Annette Host. „Es ist grundsätzlich möglich, dass Fördermittel infrage kommen und wir auf den Träger zugehen, um die ausstehenden Fragen zu klären. Je nach Ausgang der Gespräche wird die Politik anschließend beteiligt“, verlautet aus der Abteilung Kitas und Tagespflege.

„Wenn die Kita bei uns als Mieter einzieht, dann haben wir alle was davon“, ist Kleingärtnerin Anne Liebler überzeugt. Der Vorstand des Dauergartenvereins habe großes Interesse daran, das Kita-Projekt mit Annette Host umzusetzen. Potenzielle Unterstützer könnten sich unter Telefon 0176/70011524 an den Vorstand wenden, sagt Liebler.

Bezirksbürgermeisterin als Fürsprecherin

Marianne Conradt, Bezirksbürgermeisterin von Aachen-Mitte, steht hinter den Kita-Plänen. „Ich unterstütze das voll und ganz“, sagt sie. Am Hangeweiher habe sich bereits gezeigt, dass das Konzept aufgehe. „Deshalb fände ich es sehr bedauerlich, wenn das Projekt aufgrund der Finanzen scheitern würde.“

Und auch Sina Wienen hofft sehr, dass sich das neue Kita-Projekt beim Dauergartenverein verwirklichen lässt. Sie ist Elternratsvorsitzende bei den „Gartenkindern“. Ihr Sohn Ferdinand (16 Monate) ist erst seit zwei Monaten ein Kita-Kind. „Aber wir sind jetzt schon auf der Suche nach einem Kita-Platz für 2021, wenn der Kleine drei wird“, erzählt sie. „Es sieht schlecht aus.“ Auch die anderen Eltern, sagt Wienen, setzten darauf, dass es für die älteren Kinder an der Eupener Straße weitergehe. „Die Kinder sind unheimlich glücklich. Sie brauchen kein schickes Haus, sondern einen Garten.“